Versmold richtet sich nach jüngsten Schätzungen auf mehr Flüchtlinge ein »Hausaufgaben gemacht«

Versmold (WB). Die steigende Zahl an Asylsuchenden in Nordrhein-Westfalen erhöht den Druck auf Politik und Verwaltung in Versmold. Die muss schneller als geplant neue Lösungen für die Unterbringung  finden.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Das Asylbewerberheim am Brüggenkamp sollte eigentlich den Zustrom bis Mitte des kommenden Jahres auffangen. Nach jüngsten Berechnungen der Stadtverwaltung wird das frisch hergerichtete Gebäude aber bereits zu Weihnachten komplett belegt sein.
Das Asylbewerberheim am Brüggenkamp sollte eigentlich den Zustrom bis Mitte des kommenden Jahres auffangen. Nach jüngsten Berechnungen der Stadtverwaltung wird das frisch hergerichtete Gebäude aber bereits zu Weihnachten komplett belegt sein. Foto: Klaus Münstermann

Aktuell sind am Anfang dieser Woche 169 Flüchtlinge in Versmold untergebracht. Im Schnitt wächst die Zahl der Menschen, die hier eine Zuflucht finden, pro Woche um fünf bis sieben Personen. Sollte sich die nach oben korrigierte Zahl von 150 000 Menschen, die bis Ende des Jahres nach NRW kommen sollen, bestätigen, müsse man von 14 Personen pro Woche in Versmold ausgehen.

Dank der bisher gefassten Beschlüsse sieht sich die Stadt für die wachsende Zahl von Menschen auf Sicht gewappnet. »Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht«, sagte Bürgermeister Michael Meyer-Hermann am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss. »Es war richtig, den Brüggenkamp auszubauen«, verwies er auf das Gebäude, in dem nach dem Umbau bis zu 96 Menschen untergebracht werden können.

Langsame Bearbeitung der Asylanträge 

Allerdings werden diese Kapazitäten nach den neuen Berechnungen bereits zu Weihnachten erschöpft sein. Vor den Sommerferien war Fachbereichsleiter Hans-Jürgen Matthies noch davon ausgegangen, dass Versmold bis Mitte kommenden Jahres Planungssicherheit habe. »Andere Kommunen rufen den Notstand aus. Wir können auf die neue Situation reagieren.«

Nach wie vor behindert die langsame Bearbeitung der Asylanträge die Arbeit der Kommunen. Zwar habe man eine große Zahl von Flüchtlingen per Bus nach Bielefeld und Dortmund bringen können, wo sie ihre Anträge stellten. Doch 50 Personen in Versmold hätten noch keinen solchen Antrag stellen können. Daher rücken die nächsten Objekte wie etwa die ehemalige Gaststätte »Urlinde«, die zum Asylbewerberheim ausgebaut werden könnte, nun schneller als erwartet in den Fokus. »Der Zeitstrahl verschiebt sich nach vorne«, erklärte Matthies.

Zusätzliche Kosten trägt die Kommune

Mit den wachsenden Flüchtlingszahlen steigen entsprechend die Kosten. Wie bereits gestern berichtet, steigt der Finanzbedarf für Versmold alleine für die Regelleistungen wie Unterkunft und Verpflegung auf über eine Million Euro. Nur etwa 500 000 Euro steuern der Bund und das Land NRW dazu bei.

»Zusätzliche Kosten wie ärztliche Behandlung muss die Kommune alleine stemmen«, ergänzte Matthies. Zudem beschäftigen sich in der Verwaltung immer mehr Mitarbeiter mit der Betreuung der Asylsuchenden. Eine hilfreiche Entlastung sind dabei die vielen privaten Initiativen, die sich um die Menschen kümmern. »Gesamtgesellschaftlich funktioniert es in Versmold«, lobte Liane Fülling (SPD) das Engagement. Es sei zu hoffen, dass diese Bereitschaft auch so erhalten bleibe.

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