Verl
„Die Wohnmobilplätze müssen weg“

Kaunitz (rast) - „Die Wohnmobilstellplätze an der Ostwestfalenhalle müssen weg.“ Mit dieser deutlichen Forderung wenden sich 13 Familien vom Alten Postweg an Bürgermeister Michael Esken und den Rat der Stadt.

Montag, 09.11.2020, 16:57 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 17:46 Uhr

Doch warum stehen die erst Anfang 2019 fertiggestellten Plätze derart in der Kritik? „Weil daraus inzwischen ein Campingplatz geworden ist“, sagt Mario Ehlers.

In Spitzenzeiten neun Wohnmobile

Was nicht im Sinne des Erfinders dieser Einrichtung ist. Die vier Plätze sind eigentlich als Übernachtungsmöglichkeit für Durchreisende gedacht. Auf dem Hinweisschild auf dem Platz gibt die Stadt Verl eine Verweildauerdauer von maximal drei Nächten an. „Vereinzelt stehen die Leute bis zu drei Wochen hier“, erklärt Helmut Pähler. Und Mario Ehlers ergänzt: „Es sind immer die gleichen Kennzeichen. Die kennen wir inzwischen.“ Auch sei der Platz über die vier angelegten Plätze hinaus belegt. In Spitzenzeiten haben die Anwohner neun Wohnmobile gezählt.

„Die kommen mit Kind und Kegel“, beschreibt Mario Ehlers die Situation. An schönen Tagen herrsche richtige Campingatmosphäre. Grills würden ausgepackt, Kinder und Hunde tollten umher und Wäsche würde aufgehängt. Die Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr werde nur selten eingehalten. Zudem würden die Leute einfach irgendwo hinpinkeln. Und sie würden einfach ihr Schmutzwasser in den angrenzenden Graben schütten. Dabei kann das Grauwasser an der Ostwestfalenhalle entsorgt werden. Das steht auch auf dem Hinweisschild. Allerdings ist an der Halle spätestens nachmittags um 16 Uhr Schluss. „Wir haben das recherchiert. Vier Mal hat sich im Sommer jemand beim Hallenwart gemeldet. Dabei sagt das Ordnungsamt, dass das Angebot regelmäßig genutzt wird“, sagt Pähler.

Lärmschutzwand ist für Anwohner keine Lösung

Der Platz sei jeden Tag belegt. Mehr als 400 Fahrzeuge hätten die Anwohner bisher gezählt. 300 davon würden immer wiederkommen. Die Betroffenen vermuten, dass dort auch Obdachlose kampieren. Und etwas klingt es in dem Gespräch danach, als ob auch rollende Bordelle dort gastieren? „Dass wollen wir nicht bestätigen“, sagt Helmut Pähler. Aber kontrolliert das Ordnungsamt nicht? Aus Sicht der Anwohner zu wenig. „Wenn das Ordnungsamt seine selbst aufgestellten Regeln nicht kontrolliert, ist das bedenklich“, so Pähler.

Am 14. September habe ein Termin mit dem Bürgermeister stattgefunden. Michael Esken habe eine Lärmschutzwand vorgeschlagen. Für die Anwohner ist das keine Lösung. Eine Schranke und höhere Gebühren hätte Esken abgelehnt, da der Verwaltungsaufwand höher sei als die Einnahmen. Mario Ehlers habe Esken auch gefragt, weshalb die Anwohner beim Bau nicht mit einbezogen worden seien. „Michael Esken hat zu mir gesagt, wenn wir immer alle fragen, kriegen wir nie etwas entschieden“, so Ehlers.

Antrag wurde im April 2016 gestellt

Die Wohnmobilstellplätze auf dem Gelände der Ostwestfalenhalle am Alten Postweg in Kaunitz gehen auf einen Antrag der SPD zurück. Die Partei hatte die Errichtung im April 2016 beantragt. Seinerzeit hatte Bürgermeister Michael Esken erklärt, dass er sich bereits vor der Eingabe an den Rat mit dem Thema beschäftigt habe und der Verwaltung einen Prüfauftrag über die Möglichkeit einer Realisierung erteilt habe. Die Sozialdemokraten hatten als mögliche Standorte das Freibad oder die Ostwestfalenhalle vorgeschlagen. Am 27. November 2017 fasste der Verkehrsausschuss einstimmig den Beschluss, die Plätze zu errichten.

Für das Vorhaben wurden 70 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Im Juni waren die Pläne vorgestellt worden. Bei der Entscheidung im November wurde Wert darauf gelegt, dass keine Bäume gefällt werden mussten. Der Plan sah vor, zunächst einmal vier Stellplätze auf einer Fläche von 325 Quadratmetern anzulegen.

Es gibt eine Option, weitere vier Plätze zu errichten. Anwohner Bruno Fröhleke habe von dem Vorhaben zufällig erfahren und bei Michael Esken nachgefragt. „Der hat zu mit gesagt, ich soll mich nicht so anstellen und die Plätze erst einmal bauen lassen. Dann könne man weiterreden“, erklärt der Anwohner. Im Januar 2019 wurden die Plätze fertiggestellt.

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