Verl
Es geht um mehr als Preis und Haltbarkeit

Verl (rast) - Wer im Supermarkt einkaufen geht, achtet im Normalfall auf zwei Dinge: den Preis und das Haltbarkeitsdatum. Doch wer sich eine Verpackung genauer anschaut, stellt fest, dass es darauf zugeht, wie im Kleingedruckten eines Kaufvertrags. Diese Zeitung hat nachgefragt. 

Samstag, 08.08.2020, 09:22 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 09:31 Uhr

Und schnell wird klar: Es ist kompliziert und Ausnahmen bestätigen die Regel. „Das ist alles nicht so einfach“, sagt Jens Niederschulte, Inhaber des Edeka im Ölbachcenter. Schon bei der Haltbarkeit gibt es Unterschiede. In den meisten Fällen ist das Mindesthaltbarkeitsdatum – also das Datum, bis zu dem ein Lebensmittel mindestens haltbar ist – angegeben. Es gibt aber auch die Angabe „Verbrauch bis zum 21.12.2020“. Das ist zum Beispiel bei Gehacktem der Fall. Danach sollte auf den Verzehr verzichtet werden. Das Gewicht gehört natürlich auf die Verpackung. 

Abtropfgewicht entscheidend

Wieviel bekommt der Kunde für sein Geld? Bei eingelegten Früchten ist das Abtropfgewicht entscheidend. Oder bei Fisch in einer Soße die Fischeinwaage. Was nutzen einem 250 Gramm Heringssalat, wenn sich darin nur 20 Gramm Fisch befinden. Gleiches gilt natürlich für den Fleischsalat und ähnliche Produkte. Von dem, was dann folgt, ist die Nährwerttabelle noch am einfachsten zu lesen. Die Zutatenliste erschließt sich noch halbwegs. Für die Angaben von Zusatzstoffen wie Aromen, Säuerungsmitteln, Farbstoffen, Geschmacksverstärkern oder Stabilisatoren kann eine kleine Fibel mit den EU-einheitlichen E-Nummern nicht schaden. So trägt der Süßstoff Sacharin das Kürzel E954, Pflanzenkohle wird unter E153 geführt und Gold findet sich als E175 in der Liste wieder. 

Doch wird auch gesagt, wer das Lebensmittel hergestellt hat? Irgendwie schon. Manchmal steht der Hersteller direkt als Marke obenan. Die Marke verschwindet jedoch immer mehr. Stattdessen steht Handelsware mit Fantasienamen in den Regalen, weil es günstiger ist. Doch auch bei diesen Artikeln erfährt der Kunde, wer der Hersteller ist. Und zwar über Identitätskennzeichen. In dem Oval sind drei Zeilen aufgeführt. Beispielhaft: oben DE für Deutschland, mittig eine Kombination aus Buchstaben für das Bundesland sowie Nummern für den Betrieb, unten die Abkürzung EG – falls das Produkt innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hergestellt wurde.

Außerdem existiert die Los- oder Chargennummer. Die weist darauf hin, wann und wo ein Lebensmittel unter gleichen Bedingungen produziert wurde. Falls von Teilen einer Produktion eine Gefahr für den Verbraucher ausgeht (zum Beispiel Metallteile in der Wurst), ist es anhand der Chargennummer möglich, Lebensmittel gezielt zurückzurufen.

Wann ist ein Produkt regional?

Am Ölbachcenter von Jens Niederschulte steht zwar groß Edeka dran, trotzdem kommen nicht alle Artikel von der Einkaufsgenossenschaft. „Wir sind selbstständige Kaufleute“, erklärt Jens Niederschulte. Rund 15 Prozent der Produkte kauft er direkt ein. Und dabei setzt er auf regionale Produkte. Die würden immer stärker nachgefragt. „Wenn Spargelzeit ist, wollen die Kunden Spargel aus dem Verler Land“, erklärt Jens Niederschulte. 

Auch bei anderen Lebensmitteln setzt Niederschulte auf Regionalität. Eier gehören dazu, auch das Schweinefleisch von Bauer Korte aus Menden. Das ist zwar nicht Bio, aber die Tiere können sich draußen bewegen. Kurze Transportwege seien den Kunden wichtig. „So ein Müller-Joghurt ist schon lange unterwegs.“ Quark, Joghurt und Milch vom Gut Wilhelmsdorf aus Bielefeld liefen wie verrückt. Auch Wurst und Honig aus der Region würden gern gekauft. Und weshalb setzt Niederschulte nicht komplett auf regionale Produkte? „Man braucht halt den ganzen Bauchladen – für den Umsatz.“ Doch was heißt eigentlich regional? „Für mich sind das 20 bis 30 Kilometer“, sagt Jens Niederschulte. Der Begriff ist dehnbar. 

Schweinefleisch aus Nordrhein-Westfalen ist auch noch regional – folgt man der Definition von Edeka. Der Händler arbeitet in NRW mit Landwirten zusammen. Die Aufzucht wird von Edeka überwacht. Geschlachtet werden die Schweine aus konventioneller Haltung bei Westfleisch. Beim Konsum von Schweinefleisch mache sich momentan Corona bemerkbar. Es werde verstärkt Geflügel nachgefragt. Und in diesem Bereich die höherwertigen Kikok-Hähnchen. 

Klasse statt Masse

Also möchten die Kunden mehr Qualität und schauen genauer nach, was sie kaufen? „Ich meine, es geht wieder mehr Richtung Klasse statt Masse“, sagt Jens Niederschulte. Zudem habe die Größe der Familie einen Einfluss. Allerdings macht er sich auch keine Illusionen, dass es Unterschiede gibt. „In Verl wird sicher anders gekauft als in Oberhausen.“ Es werde bewusster gegessen. Veganer oder vegetarischer Fleischersatz sei gefragt. Die Nachfrage nach Gemüse sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Es müsse nicht unbedingt immer Bio sein, wenn die Qualität stimmt. Und die Sache mit dem Biofleisch ist kompliziert. Messer, Schneidbretter und Tabletts dürfen zum Beispiel mit normalem Fleisch nicht in Berührung kommen.

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