Verl
Fleiter (SPD) will Bürgermeister werden 

Verl (dl) - Die SPD will mit Dieter Fleiter den Chefsessel im Verler Rathaus erobern. Der 64-jährige selbstständige Unternehmensberater soll bei der Kommunalwahl am 13. September gegen Amtsinhaber Michael Esken (CDU) antreten. Nominiert werden soll Fleiter im Juni bei der Mitgliederversammlung.

Freitag, 01.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 06:31 Uhr

Fleiters Kandidatur ist ein ambitioniertes Unterfangen, schließlich stellen die Christdemokraten in Verl seit jeher den Rathauschef und besitzen auch im Rat die absolute Mehrheit.

Herausforderer sieht politisch „bayerische Provinzverhältnisse“

 „In politischer Sicht haben wir bayerische Provinzverhältnisse“, meint Fleiter. „Verwaltung, CDU und Bürgermeister sind sich immer einig. Das ist wenig demokratisch, das schmerzt.“ Auch wenn Esken „einen guten Job“ mache, gebe es keine natürliche Kontrolle und es werde nicht quergedacht.

Und genau als das bezeichnet sich Fleiter: als Querdenker, der nicht bequem sein wolle und sage, was er denke. Noch vor sechs Wochen war für den 64-Jährigen, dessen Frau Bärbel seit 2012 im Stadtrat sitzt, eine Bürgermeisterkandidatur kein Thema. „Ich wurde angesprochen, ob ich es mir vorstellen kann.“ Fleiter erbat sich Bedenkzeit – und sagte nach intensiven Beratungen mit seiner Frau zu.

Ziel: Kita-Gebühren anpassen

Die Gesamtschule ist eines der Kernthemen des gebürtigen Verlers. „Vor fünf Jahren hat die SPD einen Antrag für ein Sanierungskonzept gestellt. Bis heute ist noch kein einziger Stein umgesetzt“, wünscht sich Fleiter schnellere Entscheidungen in der Politik. „Hier sind mehr Effizienz und gesunder Menschenverstand gefragt.“

Ein weiteres Thema ist die Kinderbetreuung: Fleiter fordert kostenlose Kita-Plätze für Familien mit einem Jahreseinkommen unter 50.000 Euro. Und auch ein runder Tisch unter dem Aspekt „Wohnen im Alter“, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und bezahlbarer Wohnraum stehen auf seiner Agenda. Wirtschaftlich sieht Fleiter die Stadt gut aufgestellt.

Vorfreude auf den Wahlkampf

Auch wenn die Pandemie kaum Planungssicherheit gibt, freut sich Fleiter, der Improvisation zu seinen Stärken zählt, auf den Wahlkampf: „Das liegt auch an den jungen Leuten in unserer SPD, die unglaublich viel Potenzial haben.“

Michael Esken erwartet fairen Wahlkampf

Dass er einen Herausforderer hat, bewertet der gut 13 Jahre jüngere Michael Esken (CDU) positiv. „Wahlen gehören zur Grundlage der demokratischen Ordnung in Deutschland“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. „Eine echte Auswahl haben die Bürger nur bei mehreren Kandidaten.“ Esken freue sich auf sachliche, sicher durchaus kontroverse Diskussionen und einen fairen Wahlkampf.

Zur Person:
Dieter Fleiter
wurde am 4. März 1956 in Verl geboren. Nach dem Besuch der Realschule in Verl erlangte er das Fachabitur in Gütersloh. Es schloss sich eine kaufmännische Ausbildung bei Miele an.

In seiner Vita gibt der heute 64-Jährige an, sieben Jahre im Ausland (Schweiz, Italien, Portugal) gelebt und gearbeitet zu haben. In deutschen und internationalen Unternehmen bekleidete er verschiedene Führungspositionen. Seit 2001 ist Fleiter als Trainer und Coach tätig. Verheiratet ist er seit mehr als 30 Jahren mit der Verlerin Bärbel Fleiter, die seit 2012 für die SPD im Stadtrat sitzt. Bei der Kommunalwahl im September wird sie nicht wieder für ein Mandat kandidieren.

Das Paar hat drei erwachsene Kinder: Philipp, Mario und Katharina. Alle arbeiten laut Mitteilung nach ihrem Studium in unterschiedlichen Berufen. Politisch ist Fleiter bislang noch nicht in Erscheinung getreten.

Seit 48 Jahren SPD-Mitglied

Dabei ist er seit 48 Jahren Mitglied der SPD. Sollten die anderen Parteien in Verl keinen eigenen Kandidaten stellen, kann er sich auch eine Zusammenarbeit mit ihnen vorstellen – „wenn die Chemie stimmt“.

Zu seinen Hobbys zählt der Verler Ausdauersport wie Mountainbike fahren oder Joggen, Bergsteigen, außerdem Jazz-Musik, Konzerte und Kunst.

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