Verl
Zwei Häuser entstehen schon im Sommer

Verl (matt) - Seit 50 Jahren haben Anwohner des Westfalenwegs einen freien Blick in Richtung Norden. Damit wird es in Kürze allerdings vorbei sein. Denn bereits im Sommer wollen Investoren, die das große Wohnprojekt am Östernweg verwirklichen wollen, mit dem Bau zweier Mehrfamilienhäuser starten.

Donnerstag, 06.02.2020, 18:00 Uhr

Bislang wurde das Wohnprojekt am Östernweg als Paketlösung präsentiert. Wie am Rande der offenen Fraktionssitzung der CDU bekannt wurde, sollen aber bereits ab Sommer 2020 im südöstlichen Teil des Areals die ersten beiden Wohnhäuser errichtet werden. Die Baugenehmigungen liegen vor.

Investor Dieter Hanhart zeigte durchaus Verständnis für die Situation der Hausbesitzerin, der der gewohnte Ausblick abhanden kommen wird. Auch Architekt und Planer Eckhardt Send räumte ein: „Schöner ist der jetzige Blick.“ Stattdessen werden zwei Mehrfamilienhäuser bald nicht nur den freien Blick der betroffenen Anliegerin auf die grüne Wiese versperren, sondern es werden umgekehrt Bewohner, zumindest von den beiden oberen Etagen aus, einen freien Blick auf Haus und Garten mit Pool haben. „Dann können wir nur noch nachts schwimmen“, ärgerte sich die Anliegerin, ohne den Humor gänzlich verloren zu haben.

In der Tat: Mit der von fremden Augen unbemerkten Nutzung des eigenen Gartens mit Pool wird es bald vorbei sein. Planer Send und die beiden Bauherren standen mit der betroffenen Partei zusammen. Ihnen ist das Dilemma durchaus bewusst; wohlwissend, dass sie am längeren Hebel sitzen.

Denn der Bebauungsplan sowie die bereits vorhandene Bebauung mit zwei Mehrfamilienhäusern in unmittelbarer Nähe inklusive Baugenehmigung machen die Verwirklichung der beiden Fünf-Parteien-Gebäude möglich. Aber das ist nicht die einzige bittere Pille, die die alteingesessenen Bewohner an diesem Abend schlucken mussten.

Links neben ihrem Grundstück verläuft ein Patt, den das Planungsbüro Wischke und Send in das Bauprojekt Östernweg als Teilentlastung für Fußgänger und Radfahrer einbezogen hat. „Das ist ein massiver Eingriff“, beklagte sich der Sohn. Er wunderte sich, dass trotz der Lärmschutzproblematik eine Baugenehmigung für die beiden Wohnhäuser vorliegt. Gegen die Genehmigung vorgehen wollen die Familienmitglieder allerdings nicht.

Ungeachtet dessen fürchteten sie, dass es mit der ruhigen, fast idyllischen Lage ihres Hauses spätestens dann vorbei ist, wenn der Rest des Großprojekts umgesetzt wird. Dabei geht es den Anliegern gar nicht einmal so sehr um den Wertverlust des eigenen Grundstücks, sondern um den Verlust von Lebensqualität durch das steigende Verkehrsaufkommen am Westfalenweg.

Auch wenn die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabi Nitsch (der Bereich Westfalenweg liegt in ihrem Stimmbezirk bei den Kommunalwahlen) immer wieder betonte, dass nach wie vor nicht feststehe, ob das Wohnprojekt tatsächlich realisiert werde, machte der städtische Beigeordnete Thorsten Herbst deutlich, dass die Schaffung von Wohnraum mit der Nachverdichtung in Wohngebieten ein städtebauliches Ziel sei.

Soweit herrschte bei den Anliegern des Westfalenwegs Einsicht. Grundsätzliche Kritik an dem Investoren-Projekt gab es auf der Fraktionssitzung deshalb nicht. „Den Weg, der gewählt wurde, finde ich auch nicht schlecht“, räumten die betroffenen Anlieger des Westfalenwegs ein. Die Notwendigkeit zur Schaffung von Wohnraum können sie nachvollziehen. „Für uns wird die Bebauung ein tiefer Einschnitt in unsere Lebensgewohnheiten darstellen.“ Ähnlich wie der jetzt betroffenen Familie wird es auch anderen Anliegern in anderen Stadtteilen ergehen, denn die Nachverdichtung in Wohngebieten ist erklärtes Ziel der Stadt. „Anträge für den Bau von rund 200 Wohnungen liegen uns derzeit vor“, gab Bürgermeister Michael Esken bekannt.

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