Verl Christhard Läpple stellt Buch vor

Verl (gdd) - Im November 2019 ist der Autor erkrankt. Die vierten Verler Literaturtage fanden ohne ihn statt. Am Freitagabend hat er gesund und bestens gelaunt sein Buch „So viel Anfang war nie“ im Rathaus vorgestellt. Journalist Christhard Läpple hat sein „Herzdorf“ in der Ölbachgemeinde bekannt gemacht.

Von Anonymous User

Sein viel beachtetes Sachbuch über Land und Leute in Brandenburg ist 2017 erschienen. Läpple hatte die 2019 veröffentlichte Taschenbuchausgabe mit dem ungewöhnlichen Titel, der dem Dichter Friedrich Hölderlin zugeschrieben wird, mitgebracht. Nach 90 Minuten Lesung und Diskussion signierte er viele Exemplare.

Der Fußball wird nach vorn gerückt

Es hatte allerdings zu Beginn des Leseabends den Anschein, dass Läpple zunächst lieber ausführlicher über den Fußballkampf des Clubs Union Berlin gegen den DFB-Pokalgegner SC Verl gesprochen hätte. „Eine tolle Leistung“, attestierte er den Verler Kickern, die gegen eine Union gespielt hätten, die viele Probleme habe, und bei der „Helfer, Retter und Heiler kommen und gehen“.

Ähnlich hat er die Geschichte von Herzdorf empfunden und in Anekdoten notiert, nach wahren Begebenheiten kurz nach der Wende. Recherchiert hat der Wahlberliner um 2004. Bis allerdings kritische Nachfragen des Verlags und die Vorbehalte der beschriebenen Personen ausgeräumt sowie die Einverständnisse zur Veröffentlichung der gesammelten Fakten eingeholt waren, ging ein ganzes Jahrzehnt ins Land.

Herzdorf, von spöttischen „Wessies“ „das letzte Loch vor der Hölle“ genannt, erweist sich nach der Wende als heruntergekommen – wie so viele andere brandenburgische Dörfer in der Umgebung. Doch der Düsseldorfer Landschaftsarchitekt Hans Blumenthal und seine Gattin Linda verspüren große Lust, ihr Hab und Gut in die Sanierung der Kommune zu stecken, was auch passiert.

„Scheitern war nicht vorgesehen“

„Scheitern war in seinem Koordinatensystem nicht vorgesehen“, charakterisiert Läpple den Hauptinvestor. Der kämpft gegen ostdeutsche Vorurteile an, gegen Meinungsbildner, die noch das DDR-Denken ins sich tragen, etwa nach dem Motto: „Der Sozialismus ist eine gute Sache – nur Schit, dass man ihn solange hatte!“.

Acht der wichtigsten Protagonisten seines Buchs habe er schriftliche Einverständniserklärungen abgerungen: „Das hat eine Menge Kraft gekostet“, gesteht Läpple. Aber die Authentizität aller Fakten sei ihm das wert gewesen.

Dank eines Hotels, eines Theaterfestivals und einer Ernennung zum Expo-Projekt galt das kaum 200 Einwohner zählende Dorf Netzeband im Nordwesten Brandenburgs Ende der 1990er-Jahre als Vorzeigeprojekt des „Aufschwungs Ost“. Doch inzwischen sind die Initiatoren um viel Geld und manche Hoffnung ärmer geworden.

Mikrokosmos menschlicher Befindlichkeiten

Christhard Läpple hat in seinem Buch einen Mikrokosmos menschlicher Befindlichkeiten und die damals von ihm ausgemachten „Dorfaristokraten“, vom Bürgermeister bis zum Dorfwirt, porträtiert. Heute, erzählte der Autor, sei jeder zweite Einwohner von Herzdorf (alias Netzeband) ein Zugereister wie er, der dort seit 20 Jahren eine Ferienwohnung hat, Menschen, die in unberührter Natur ihr Leben genießen wollen, aber dies teilen mit jenen Einheimischen, bei denen „die Uhren immer noch anders gehen“. Diese hätten unter Kaiser und Gutsherren, später unter Nazis und DDR-Macht gelitten, hätten „Herrscher kommen und gehen sehen“.

Man habe die „Wessis“ bewundert und umjubelt. Später habe sich das abgekühlt. Den Einheimischen bliebe dennoch dieselbe Mentalität erhalten. Läpples Fazit: „Die wählen heute alle die AfD.“

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