Verl
Absolution künftig per Tastendruck

Verl (matt) - Wenn der Ölbachstrand in Weiberhand, dann können sich die Besucherinnen sicher sein: Es geht auf und neben der Bühne heiß her. Bei den Weiberfastnachtsveranstaltung der katholischen Frauengemeinschaft (KFD) St. Anna Verl bleibt kein Auge trocken.

Donnerstag, 20.02.2020, 18:04 Uhr

Und das war auch jetzt wieder der Fall. Seit mehr als 80 Jahren feiern die Verler Weiber den Tag grenzenloser Freiheit. Und sie kosten sie auch gern aus. Natürlich immer sittsam, wie es sich für eine Karnevalsveranstaltung im Verler Pfarrheim gehört. Aber nur auf den ersten Blick.

Wenn sich der grüne Bühnenvorhang hebt und Erika Peitz als Erna aus Verl mit zotigen Anspielungen die Lachmuskeln des Publikums traktiert, gibt es im Publikum kein Halten mehr. Im vergangenen Jahr, erzählt Erna, hat sie sich auf einem Justin-Biber-Konzert herumgetrieben und wie viele Teenis auch ihren Schlüpper auf die Bühne geworfen. „Da brach Panik aus, weil alle dachten das Zeltdach stürzt ein.“

Anderes Thema: Sterilisation. Darüber hat Ehemann Bernhard in der Rentner-Bravo (Apotheken-Umschau) etwas gelesen: „Wie soll ich dir das erklären? Das ist, wie wenn die Leitung von Veltins auf Clausthaler umgestellt wird“, kalauert Erna. Ruppig geht es zwischen Erna und ihrem Mann noch immer zu. Er: „Lieber Augenringe als gar kein Schmuck.“ Erna: „Wenn ich dich in dieser Badehose sehe, dann weiß ich, dass der Liebe Gott Humor haben muss.“

Viel Sinn für Humor bewiesen die bühnenerprobten Frauen bei der Inszenierung von Rumpelstilzchen oder beim Sketch Kinoabend, in dem ein frischverliebtes Pärchen das Stille-Post-Prinzip auf die Spitze treibt, weil es im Filmsaal getrennt sitzen muss. Nach Kaffee und Kuchen brachte die Tanzgarde Stukenbrock die Verler Närrinnen schon mal in Stimmung und Feierlaune.

Davon lassen sich seit mehr als 20 Jahren Giesela Helfbernd, Helga Hambrinker, Giesela Rüter, Maria Schulte-Lindhorst und Hildegard Wemhoff immer wieder gern anstecken. „Das gehört einfach dazu“, finden die Frauen und schunkeln fröhlich. Bernadette Gebauer führte durch das Programm. Weiberfastnacht der KFD kommt nicht ohne Lokalkolorit aus. Dem Priestermangel wird mit einer Beichthotline begegnet. Absolution gibt es per Tastendruck.

Für Pfarrer Karl-Josef Auris, der im Publikum weilte, vielleicht eine gute Idee, um Zeit einzusparen. Ob Bürgermeister Esken im Rathaus eine städtische Samenbank einrichten würde, ist dann doch fraglich. Aber im Weiberkarneval ist alles möglich.

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