Verein aus Werther stellt Konzept vor – ÖPNV-Anbindung für Österwiehe oder Sende
Ein Bürgerbus für Verl?

Verl (WB). Ob aus Österwiehe zum Arzt, aus der Pausheide zum Einkaufen oder aus Sende zum Marktplatz: Wer in den Ortsteilen wohnt, ist auf das Auto angewiesen. Die Stadt Verl spielt mit dem Gedanken, diese Gebiete durch einen Bürgerbus an den Öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. In Werther erschließt seit 18 Jahren ein solcher Kleinbus die Ortsteile. Die Macher haben ihr Konzept jetzt im Rathaus vorgestellt.

Samstag, 08.02.2020, 11:45 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 11:50 Uhr
Seit 18 Jahren ist der Bürgerbus in Werther unterwegs. Pro Tag steigen 40 bis 50 Menschen in den Kleinbus, der von Ehrenamtlichen gefahren wird. Das sind etwa 13.000 Fahrgäste pro Jahr und bis heute insgesamt knapp 250.000. Foto: Jan Dresing

In Werther waren es vor fast 20 Jahren die Hägeraner, die die Idee aus dem benachbarten Spenge vorangetrieben haben: „Viele ältere Frauen haben keinen Führerschein und wurden von ihren Männern in die Stadt gefahren. Doch als Witwe ist es schwierig, zum Einkaufen oder zum Arzt nach Werther zu kommen“, sagt Horst Möller, der acht Jahre Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins war. Doch nicht nur Senioren fahren in Werther Bürgerbus. Auch Schüler steigen ein, wenn der Schulbus mal nicht fährt oder sie in den Ferien in die Stadt müssen. Der Bürgerbus ist auf die Linien in Richtung Bielefeld oder Gütersloh abgestimmt und deswegen ein beliebter Zubringer.

Was ist der Bürgerbus?

Der Bürgerbus ist ein Kleinbus, in dem acht Passagiere und der Fahrer Platz haben. In Werther fährt er sternförmig vom ZOB aus in die Ortsteile und zurück. In Versmold sei das System unter anderem deswegen gescheitert, weil der Kleinbus einen Rundkurs gefahren sei und die Fahrt für manche Mitfahrer fast eine Stunde gedauert habe, erklärt Horst Möller. Das sei viel zu lange.

Getragen wird der Bürgerbus zum einen von dem Verein mit 55 Mitgliedern. Beteiligt sind aber auch die BVO (Busverkehr Ostwestfalen) und die Stadt Werther, die unter anderem das Defizit ausgleicht. In Nordrhein-Westfalen gibt es in 150 Kommunen Bürgerbusse. Sie haben sich im Verein „Pro Bürgerbus NRW“ zusammengeschlossen.

Wer fährt den Bürgerbus?

Am Steuer des Bürgerbusses sitzen in Werther 20 Ehrenamtliche – zumeist Rentner, aber auch Studenten. Sie fahren von montags bis freitags in zwei Schichten (8.30 bis 13.45 und 14.45 bis 18.50 Uhr), so dass jeder Fahrer im Durchschnitt zwei Mal pro Monat dran ist. Sie müssen einen kleinen Personenbeförderungsschein haben und sich dafür alle fünf Jahre einer arbeitsmedizinischen Untersuchung stellen. Es gibt keine Altersgrenze, keine theoretische oder praktische Prüfung. Die Fahrer sind rechtlich abgesichert.

Was kostet das Mitfahren?

Der Bürgerbus ist an den Westfalentarif angeschlossen. Wer eine Monats- oder Viererkarte für den ÖPNV hat, kann diese auch für den Bürgerbus nutzen. Eine Fahrt aus dem Ortsteil Häger in die Innenstadt kostet 2,50 Euro, eine Kurzstrecke 1,60 Euro. Pro Tag fahren in Werther etwa 50 Menschen Bürgerbus, das sind 13.000 im Jahr. Voraussichtlich im März werde der 250.000. Fahrgast begrüßt, sagt Vereinsvorsitzender Heinz Deppermann.

Ideen für Verl

Bei der Informationsvorstellung waren bereits einige Verler dabei, die Interesse haben, das Projekt ins Rollen zu bringen. „Ich hätte da großen Spaß dran – zumal es mir am Herzen liegt, dass wir auch die Sielhorst-Siedlung anbinden“, sagt beispielsweise CDU-Ratsherr Ulrich Pollmüller. Aus Sicht der Stadt könne man mit so einem Projekt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Wir könnten die entlegenen Gebiete anbinden, und für fitte Rentner gäbe es eine Beschäftigung, mit der sie auch noch Gutes tun“, erklärt Bürgermeister Michael Esken

Heinz Deppermann macht keinen Hehl daraus, dass das Projekt zum Scheitern verurteilt ist, wenn es zu wenige Fahrer gibt: „20 müssen es sein. In Versmold waren es zu Beginn nur 15, zum Schluss nur noch drei“, sagt er. Anders in Werther: Da hätten sich nach der Auftaktveranstaltung im vollen Bürgerhaus direkt 20 Ehrenamtliche gemeldet.

Darüber hinaus wirft der Vereinsvorsitzende die Frage auf, ob ein online-basiertes Bus-Ruf­system eine Alternative wäre. „Anton“ werde beispielsweise gerade in Bielefeld getestet.

Die Stadt Verl wolle die Informationen jetzt erstmal sacken lassen, sagte Esken. In etwa drei Wochen will die Stadt erneut zu einem Treffen für interessierte Verler und (Mit-)Fahrer einladen.

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