Vor Karneval ist beim Kostüm-Onlinehandel Schmelterland in Verl besonders viel zu tun
Bunte Brillen und Bankräuber

Verl (WB). 11.500 Karnevals- und Partyartikel lagern im Schmelterland am Papendiek. Insgesamt hat das Team von Inhaber Sebastian Schmelter Zugriff auf 49.000 Artikel. Und in diesen Tagen packen die elf Mitarbeiter besonders fleißig. Karnevals-Kostüme gehen von Verl aus in die ganze Welt.

Samstag, 01.02.2020, 07:00 Uhr
Die bunte Brille ist Sebastian Schmelters Markenzeichen. Die Trends in dieser Session sind nach wie vor die bunten Herrenanzüge (auch für Damen und Kinder) oder die Kostüme aus TV-Serien wie „Haus des Geldes“. Dazu gehört auch die Maske links. Foto: Dunja Delker
Weniger Plastik

Wer Karneval feiert, hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck: Er trägt ein (mitunter Plastik-lastiges) Kostüm, das aus England oder China nach Verl geliefert wurde, um nach Deutschland, Europa oder in die Welt weitergeschickt zu werden. Auch wenn es sein Geschäft ist, macht Sebastian Schmelter nicht alles mit: „Auf Kreuzfahrtschiffen ist es ein Trend, LED-beleuchtete Luftballons steigen zu lassen. Alle Gäste freuen sich kurz, danach landen die Ballons samt Batterien im Meer“, sagt der Vater von drei Kindern und betont, dass er diese nicht verkaufe. Ohnehin achte er darauf, dass die Partyboxen mit Bechern, Tellern und Dekorationen beispielsweise für Kindergeburtstage zunehmend Alternativen beinhalten. Doch auch beim chinesischen Pressbambus müsse man sich fragen, unter welchen Bedingungen dieser angebaut werde.

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Wie so oft hat 2002 alles ganz klein angefangen. Sebastian Schmelter – selbst verrückter Sonnenbrillenträger – hatte sein Elvis-Exemplar verloren. Prompt wurde ein neues bestellt, einige weitere für gute Freunde gleich mit. Daraus wurde ein Ebayhandel, seit 2005 konzentriert sich der Werbekaufmann ausschließlich auf seinen Kostüm-Online-Shop.

„In Hoch-Zeiten haben hier 44 Leute Pakete gepackt. Das waren 380.000 im Jahr“, sagt Schmelter, für den die Verkaufstage mit Kostümberatung beispielsweise für angemeldete Gruppen oder Einzelpersonen wie den Bürgermeister immer ein besonders Vergnügen sind. Michael Esken war gerade da und hat sich auf Schmelters Anraten hin für einen echten Trend entschieden. Verraten wird’s aber erst Weiberfastnacht.

Tipps für jeden Karnevalstyp

Und welcher Karnevalstyp sind Sie? Wir haben Tipps parat:

Der Kostümmuffel , der es lieber unauffällig mag, Schminken, Perücken und bunte Brillen hasst: Er schlüpft am besten in einen bunten Anzug, Oppo-Suit genannt. Der Trend kommt aus den Niederlanden und ist auch außerhalb der Narrenzeit fast schon salonfähig. Es gibt unendlich viele Farben und Muster, die Qualität sei sehr gut, sagt Schmelter: „Oft kopiert und nie erreicht.“

Der Partygänger , der in erster Linie feiern möchte: Er mag es schnell und unkompliziert. Bunte Brille auf, fertig. Oder er wirft sein Scheich- oder Mönch-Kostüm jedes Jahr aufs Neue über.

Der Sitzungs-Liebhaber : Er macht sich jedes Jahr Gedanken um das perfekte Kostüm und gibt auch gerne mal den einen oder anderen Euro mehr aus. Ein Trend, den auch Sebastian Schmelter spürt. Er hat Aladin, Luther, Napoleon oder Mittelalter-Kostüme im Sortiment, denen man ihre gute Qualität auf den ersten Blick ansieht. Ganze Gruppen aus Köln kleiden sich damit bei dem Verler ein – so wie jüngst 36 Schneewittchen-Frauen.

Einhörner haben nahezu ausgedient

Der Film-Freund : Netflix und Amazon laufen bei Ihnen rauf und runter? Sie kennen alle Folgen von „Game of Thrones“? Dann verkleiden Sie sich möglicherweise auch gerne im TV-Outfit. „Die Bankräuber aus ‚Haus des Geldes‘ mit ihren roten Anzügen und der Maske sind in diesem Jahr der Trend schlechthin“, sagt der 40-Jährige.

Der Freak : Diese richtig großen Fans bestellen sich im Schmelterland auch schon mal ein Darth-Vader-Kostüm, das im Einkauf schon 1100 Euro kostet und für 2000 Euro über den Ladentisch geht. „Das habe ich bisher vielleicht zwei Mal verkauft“, sagt Schmelter und vermutet, dass diese Verkleidung eher für Filmpremieren genutzt wird. Häufiger – etwa zehn Mal im Jahr – verkauft er den behaarten Chewbacca. Für „nur“ 700 Euro.

Nahezu ausgedient haben in dieser Session übrigens Einhörner, der neue Trend sind Rehkitze.

Und Sebastian Schmelter selbst? Er streift Rosenmontag durch die Regale, sucht sich ein (hochwertiges und außergewöhnliches) Kostüm aus und fährt zum Feiern nach Rietberg. Spät wird es meistens nicht. „Dafür sind die Tage zuvor beruflich zu anstrengend“, sagt der 40-Jährige.

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