Regionalliga-Gipfel: Im OWL-Derby ist Verl dem Sieg näher als Rödinghausen Herbsttitel geholt, Sieg verpasst

Rödinghausen (WB). Beinahe hätte man den Eindruck gewinnen können, dass Guerino Capretti sogar ein kleines bisschen froh darüber war, dass sein Team das OWL-Derby der Fußball-Regionalliga West beim SV Rödinghausen am Samstag nicht gewonnen hat. Denn so sehr der Trainer des SC Verl angesichts des 1:1 (0:0) schwärmte, so enttäuscht hätte er über das Remis sein können. Seine Verler waren in diesem Spitzenspiel über weite Strecken die überlegene Mannschaft.

Von Dirk Schuster
Zweikampf der Torschützen: Mehmet Alp Kurt (links) brachte Verl in Führung, Simon Engelmann traf zum 1:1.
Zweikampf der Torschützen: Mehmet Alp Kurt (links) brachte Verl in Führung, Simon Engelmann traf zum 1:1. Foto: Jens Dünhölter

„Ich bin megastolz auf meine Truppe“, sagte Capretti (37). „Ich bin absolut zufrieden. Am Ende kann ich mit dem einem Punkt überragend leben.“ Dabei hatte sein Team die erste Halbzeit total dominiert und war dann in der zweiten durch Mehmet Alp Kurt verdient in Führung gegangen (68. Minute). Fünf Zähler hätte im Falle eines Triumphes der Vorsprung auf Verfolger Rödinghausen betragen. Für den einen oder anderen wäre das womöglich ein Anlass zur Euphorie gewesen. So ein 1:1 dagegen, das erdet. Eine hoch konzentrierte Vorbereitung auf das nächste Heimspiel am 13. Dezember gegen Rot-Weiß Oberhausen ist Capretti nun gewiss. Das hat ja auch was. Trotz des Gewinns der Herbstmeisterschaft bleiben in Verl alle mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Torschütze Kurt hätte trotzdem lieber gewonnen. „Für uns sind das zwei verlorene Punkte. Wir waren bis auf die Schlussphase die dominante Mannschaft“, befand der 23-Jährige.

„Das gab es hier noch nie“

Auch wenn die optische Überlegenheit der Gäste nicht zu einer Chancenflut führte – hinterlegt haben die Verler allemal, dass sie ihre starke Hinserie nicht bloß einer Laune des Schicksals zu verdanken haben. „Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die einen wahnsinnigen Flow hat“, lobte Rödinghausens Coach Enrico Maaßen (35) den OWL-Rivalen, der ja auch im DFB-Pokal für Furore sorgt. Erst warfen die Verler den Erstligisten FC Augsburg aus dem Wettbewerb, dann den Zweitligisten Holstein Kiel. Am 5. Februar kommt es im Achtelfinale zum Duell mit Bundesliganeuling Union Berlin. Auch die Rödinghausener hatten in ihrem Erstrundenspiel den Erstligaaufsteiger SC Paderborn am Rande einer Niederlage und verloren erst im Elfmeterschießen. Alles kein Zufall.

Zwar war die Toppartie spielerisch kein Leckerbissen, was angesichts des tiefen Bodens im Häcker Wiehenstadion auch keiner der 2064 Zuschauer (Saisonrekord) erwarten konnte. Doch mit welcher Selbstverständlichkeit die Verler das Heft in die Hand nahmen und mit welcher defensiven Disziplin die Rödinghausener ihr Tor verteidigten, ließ erahnen, warum diese beiden Dorfklubs dem Altmeister Rot-Weiss Essen den Weg an die Spitze bislang so erfolgreich versperren.

Dem Vernehmen nach ist übrigens weder von Verler noch von Rödinghausener Seite daran gedacht, in der Rückserie den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. „38 Punkte nach der Hinrunde – das gab es hier noch nie“, sagte SVR-Coach Maaßen und kündigte selbstbewusst an: „Wir versuchen, eine noch bessere Rückrunde zu spielen.“

Gegen Gladbachs U23 beginnt die Rückrunde

Rödinghausen startet bereits am kommenden Samstag daheim gegen Mönchengladbach II in den zweiten Saisonteil. Und wird auch in diesem Spiel wieder auf den Riecher seines Torjägers Simon Engelmann setzen. Acht Minuten vor dem Ende nutzte der 30-jährige Ex-Verler im Derby die Chance zum 1:1. Es war Engelmanns 17. Saisontor. Danach war sogar noch mehr drin für den Gastgeber. Trainer Maaßen musste sich aber damit zufrieden geben, das von ihm zum „Minimalziel“ erklärte Remis erreicht zu haben.

Schiedsrichter: Schäfer (Iserlohn)

Zuschauer: 2064

Tore: 0:1 Kurt (68.), 1:1 Engelmann (82.)

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7105056?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F