Innenarchitekt stellt Pläne für die Erneuerung der Bibliothek vor – Politik begeistert
Ein Haus für alles

Verl (WB). Begeisterung bei den Mitgliedern des Ausschusses für Bildung, Sport, Kultur und Generationen: Diplom-Ingenieur Jochen Usinger vom Büro UKW Innenarchitekten (Krefeld) hat die Politiker mit der Vorstellung seines Plans für die Neugestaltung der Verler Bibliothek überzeugt.

Donnerstag, 07.11.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 10:14 Uhr
So soll sich künftig der Eingang der Bibliothek präsentieren. An der Säule in der Mitte kann man Medien zurückgeben.

»Ein gelungener Entwurf, ich bin beeindruckt«, sagte Henrick Brinkord (CDU). Der Ausschuss stimmte der Planung zu. Einige Details sollen noch geklärt werden, so die Frage, ob Teile der Bibliothek einen Gummifußboden bekommen oder einen 36.000 Euro teureren Polyurethan-Fußboden, der gegossen werden muss. Ferner hatte Usinger vorgeschlagen, die Ausfahrt der Tiefgarage hinter dem Gebäude zu verschönern, damit der Ausblick aus den Bibliotheksräumen weniger trist wirkt.

Moderne Bibliotheken erfüllen viel mehr Aufgaben als nur die Buchausleihe. Das Stichwort vom »Wohnzimmer der Stadt« wurde in diesem Zusammenhang immer wieder vom Planer bemüht. Die Besucher sollen sich eingeladen und wohlfühlen, sei es, dass sie eine Zeitung oder Zeitschrift lesen wollen, dass sie eine Ausstellung oder eine Autorenlesung besuchen, dass sie kommen, um mit anderen an einem Projekt zu arbeiten, dass sie lernen, oder dass sie digitale Medien konsumieren wollen: Hörbücher oder Computerspiele.

Aufteilung nach Funktionen

Usinger hat der Bibliotheksfläche entsprechende Funktionen zugeteilt, die sich natürlich überschneiden können. So gibt es abgetrennte Räume zum Lernen, eine große, eine flexible Fläche für Veranstaltungen, Bereiche für Kinder und Jugendliche, ein Café mit Außenbereich sowie natürlich auch eine große Stellfläche für Buchregale und andere Medien.

Zum Wohlfühlen laden Tische, Stühle, Sessel, Sofas ein. Um dem Anspruch der »Open Library« gerecht zu werden, gibt es Automaten, an denen man Medien ausleihen und zurückgeben kann, und zwar rund um die Uhr. Die Kinder behalten ihren Bereich im Haus Alf, der mit einem »Lesenetz« in halber Höhe aufgewertet werden soll.

Für die Jugend ist in ausreichendem Abstand eine Fläche vorgesehen, die auch optisch etwas abgegrenzt ist, damit sie altersgemäß unter sich sein und sich von den Erwachsenen abgrenzen können. Natürlich wird dort auch die »Gaming Zone« angesiedelt sein.

Über die Magistrale zu den Medien

Die Bücher sollen in großen, halbtransparenten Regalen präsentiert werden, die ein so genanntes Kopfregal haben, wie man es aus dem Supermarkt kennt. In anderen Bibliotheken habe man damit sehr gute Erfahrungen gemacht, so Usinger.

Der Besucher soll merken, wo er gerade ist. Dafür sorgen Form, Farbe und die Möblierung. Vom »Wohnzimmer« in den Medienbereich soll der Besucher über eine »Magistrale« gezogen werden: Parallel, längs aufgestellte Regale, die wie eine große Hauptstraße wirken. Von dieser Achse verästeln sich die Nebengänge mit den übrigen Regalen. Weiter hinten werden CDs und andere digitale Medien präsentiert. Sollte die Technik in diesem Feld forschreiten, wird die Bibliothek flexibel reagieren können.

Farbe: Blautöne und Holz (Esche) setzen die bestimmenden Akzente. Das Wohnzimmer wird einen blauen Fußboden bekommen, im Medienbereich wird es mit einem grauen Fußboden nüchterner. Das Haus Alf bekommt einen Parkettfußboden. Im Eingang will Usinger Holzlamellen unter die Decke montieren, damit das Ganze etwas wohnlicher wirkt. Die abgehängte Decke auszutauschen sei zu aufwendig, so Usinger.

Kosten und Zeitplan

Der komplette Umbau wird ab jetzt etwa anderthalb Jahre dauern, schätzt Usingers Mitarbeiterin Elena Janzen. In dieser Zeit soll die Bibliothek ausgelagert werden, und zwar in die Aula der Realschule. Das soll im Sommer kommenden Jahres geschehen. Für März 2021 ist die Einweihung angedacht.

Gegenüber der bisherigen Planung, die Kosten von etwa einer Million Euro veranschlagt hatte, ist der jetzige Entwurf mit rund 1,6 Millionen Euro noch einmal deutlich teurer, was jedoch viele nachvollziehbare Gründe hat. Die Stadt hat bereits jetzt knapp 600.000 Euro an Zuschüssen sicher.

 

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