Gitarrist Jörg Meiner alias Jay Minor bringt neues Album heraus
Fingerstyle im Zeichen des Blutmonds

Verl (WB). Manchmal fragt man sich: Wie ist jetzt der Titel zu diesem Musikalbum entstanden? Zum Beispiel »Sanguine Moon«? So heißt nämlich die neue CD von Jörg Meiner alias Jay Minor.

Mittwoch, 06.11.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 07:50 Uhr
Gemütlich auf dem Lieblingssessel in seinem Wohnzimmer, so arbeitet Jörg Meiner am liebsten, wenn er neue Stücke komponiert. Der Blutmond im Juli 2018 war es der ihn zu dem Albumtitel »Sanguine Moon« inspiriert hat. Foto: Matthias Kleemann (Fotomontage)

In diesem Fall ist es einfach: Meiner arbeitete im Juli 2018 an den Stücken, und genau in diese Zeit fiel im vergangenen Jahr eine Mondfinsternis, bei der der Mond einmal komplett durch den Kernschatten der Erde wanderte.

Rot färbt sich der Erdtrabant bei einem solchen Vorgang, deshalb spricht man auch vom Blutmond.

»Eigentlich heißt es auf Englisch auch Blood Moon, aber das war mir etwas zu martialisch«, sagt Meiner. Deswegen hat er sich für den Begriff »Sanguine« entschieden, der leichter und poetischer klingt, ganz so, wie auch das Musikstück. Man darf sich den roten Mond dabei gerne vorstellen, Hilfestellung leistet ein Foto auf der Rückseite des Albumcovers.

Aber natürlich ist auch jede andere Assoziation erlaubt. Bei Musik ohne Text geht das eigentlich immer ganz gut. Augen schließen und die Gedanken treiben lassen.

Alkles andere als Geklimper

Jay Minor pflegt den Fingerstyle. Wer das jetzt respektlos Gitarrengeklimper nennt, weiß nicht, wie viel Übung, Können und künstlerische Kreativität dahinter stecken. Es gibt ganz Große in diesem Musikgenre, einen von ihnen, Tommy Emmanuel, hat Minor persönlich kennen gelernt. Emmanuel trat über mehrere Jahre hinweg als Namensgeber und Motor eines Gitarrenfestivals in der Nachbarstadt Rietberg auf.

Wer Emmanuel jemals erlebt hat, wird Minors Faszination verstehen. Was der Australier Emmanuel der Gitarre entlockt, ist grandios und gleichzeitig die Erklärung für die Spielweise Fingerstyle: »Wer Musik denkt, der denkt eine Band«, sagt Minor. Da spielt einer den Bass, einer die Harmonien und einer die Melodie. Und schließlich gibt es auch noch den Schlagzeuger. Bassläufe, Harmonien und Melodien – das alles geht aber auch nahezu parallel auf der Gitarre. Zusätzlich lässt sich der Resonanzkörper klopfend bearbeiten, wie ein Schlagzeug: Multitasking auf einem Instrument. Und wer etwas von Multitasking versteht, der weiß: Niemand, nicht einmal ein Computer tut Dinge gleichzeitig, sondern nur so schnell nacheinander, das es so wirkt, als wäre es gleichzeitig. »Man mus viel automatisieren und üben«, sagt Minor.

Jay Minor hat 10 der 13 Stücke auf seinem neuen Album selbst komponiert. »Sanguine Moon« ist jazzig, »To G or not to G« trägt den Groove in sich und »Almost True« ist eher balladesker Natur.

Drei Titel gecovered

Drei Titel hat der Gitarrist gecovered – nein, natürlich völlig neu arrangiert: Den Beatles Song »She’s leaving home«, den im Original von Michael Jackson gesungenen Titel »Ben« aus dem gleichnamigen Film, der sich dem Bossa Nova widmet, sowie »Sandy« des amerikanischen Gitarristen Buster B. Jones.

Wie entstehen die Eigenkompositionen? »Manchmal nehme ich mir etwas vor«, sagt Jay Minor. So sitzt er derzeit an einem Stück für seine Enkelin Edda. E-D-D-A, das sind auch Noten. Daraus soll etwas entstehen. »Manchmal verspiele ich mich und denke: Das hört sich doch auch gut an.« Und schließlich: Im Lieblingssessel, der im Wohnzimmer steht, mit einer Tasse Kaffee. »Da kann ich mich entspannen und zur Ruhe kommen. Ich nehme meine Gitarre und habe immer wieder neue Eingebungen.«

Zur Person

Jörg Meiner (61) stammt aus Krefeld. Er geht aufs Gymnasium und nimmt in dieser Zeit an einem 16-monatigen Austausch in Idaho/ USA teil. »Das war richtiger Wilder Westen.« Später studiert er Sport und Englisch auf Lehramt. Mehrere Sportverletzungen verhindern jedoch die Tätigkeit als Lehrer. Meiner schwenkt auf das Gebiet IT um und heuert bei einem Dortmunder Unternehmen an, das Software vervielfältigt. Er erlebt die Computer-Pionierzeit in den 90er-Jahren, zumal er auch in diesem Zusammenhang in den USA unterwegs ist und mit Microsoft zu tun hat.

1996 wechselt er zu Arvato und ist dort seitdem als Projektmanager tätig. In dem aufreibenden Job hat er jetzt, einige Jahre vor seinem Ruhestand, auf eine Vier-Tage-Woche zurückgedreht, die ihm mehr Zeit für sein Hobby Musik lässt.

Die hat ihn aber schon in all den Jahren schon begleitet. »Mit sieben habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Meiner ist musikalisch vorbelastet, Mutter und Schwester spielen in Orchestern. Früh ist er Gründungsmitglied einer Folk-Band, die Déjà-Vu heißt. »Mega-inspirierend« sei der Besuch eines Konzerts in den USA mit Leo Kottke gewesen.

Zusammen mit Peter Kothe bildet Meiner das Duo »Zupf'n Streich«. Außerdem ist er Mitglied der bekannten Verler Band NeXus und schließlich tritt er zusammen mit Madline Wittenbrink, die bei der VOX-Casting-Show »The Voice« teilgenommen hat, als »Madline und Jay« auf.

Am 14. November hat Jay Minor einen Auftritt in »Wenzels Ratsstuben« in Augustdorf und am 15. November ist er mit Zupf'n Streich im »Haus unter den Linden« in Herford zu hören. Am 21. November kann man ihn in der Alten Mühle in Detmold sehen.

https://jay-minor.jimdosite.com

 

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