Ralph Brinkhaus stellt sich dem Klima-Gespräch mit den Schülern eines Technik-Kurses
Hausaufgaben für den Abgeordneten

Verl (WB). Gut informiert seien sie, die Schüler des Technik-Differenzierungskurses. Bundestagsabgeordneter Ralph Brinkhaus lobt die Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe. Ihr Interesse an umwelt- und gesellschaftspolitischen Themen sei überdurchschnittlich.

Freitag, 01.11.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 07:50 Uhr
Ralph Brinkhaus (2. von links) diskutierte mit den Schülern des Differenzierungskurses über Klimafragen. Über seinen Besuch freuten sich auch Schulleiter Matthias Hermeler (links), Bürgermeister Michael Esken (3. von links) und Physiklehrer Marc Hecker (rechts), der den Kurs leitet. Foto: Matthias Kleemann

Und was sagen die Schüler über den CDU-Politiker? »Wir fühlen uns ernst genommen«, sagt Lucy Koppers. Brinkhaus habe zugehört, Anregungen aufgenommen und sagen können, an welchen Problemen die Politik arbeitet.

Es ging – mal wieder – ums Klima. Der Technik-Kurs hatte sich mit dem Thema Energie beschäftigt und das dann auf aktuelle Fragestellungen ausgeweitet, die in Arbeitsgruppen vertieft wurden. Einen daraus resultierenden Katalog mit Fragen und Anregungen hatte man an den Bundestagsabgeordneten geschickt.

Klima-Zertifikate für Kreuzfahrtschiffe

Kreuzfahrten: Für Kreuzfahrtschiffe müsste es Klima-Zertifikate geben, sagt Lucy Koppers.

Elektroschrott: Statt wegwerfen mehr reparieren, sei das Ergebnis der Arbeitsgruppe, berichtet Renée Brucker.

Lkw-Verkehr: Die Lkw-Maut sollte erhöht, die Produktion regionalisiert werden, sagt Jakob Klotz.

Heizen: Verl ist mit den Blockheizkraftwerken gut aufgestellt, andernorts könnte mehr getan werden, erklärt Max Mankartz.

Fleischkonsum: Weniger Subventionen für die konventionelle, mehr für die Bio-Landwirtschaft, fasst Timon Ewers das Ergebnis zusammen.

»Es ist gut, dass die jungen Leute nicht einfach Verbote fordern, sondern auch auf die technische Entwicklung setzen«, sagt Ralph Brinkhaus. Er hatte sich für das persönliche Gespräch mit den Schülern entschieden, als klar wurde, dass es zu aufwendig werden würde, alle Fragen schriftlich zu beantworten. Zur »Verstärkung« hatte er Bürgermeister Michael Esken mitgebracht.

Unsinnige Transporte

Anstöße für die Diskussion lieferte auch ein zufällig auf dem Tisch stehendes Tetrapack mit Eistee eines österreichischen Herstellers. Unsinnig, dass man Wasser mit Geschmack und Zucker über Hunderte von Kilometern durch die Republik fährt, ebenso wie die Tatsache, dass hierzulande Äpfel aus Neuseeland angeboten werden. Sollte man das Herkunftsland auch bei solchen Produkten im Supermarktregal groß deklarieren? Keine schlechte Idee, meint Jakob Klotz von der zuständigen Arbeitsgruppe.

»Ich bin zuversichtlich, dass wir viele Probleme lösen können«, sagt Brinkhaus. Er sei sicher, mit vielen angehenden Ingenieuren und Ingenieurinnen gesprochen zu haben. Und er habe auch einiges über Zukunftstechnologien erfahren, beispielsweise die Stromgewinnung durch Osmose, ein Verfahren, dass bislang allerdings noch in den Kinderschuhen steckt.

Er nimmt aus dem Gespräch auch die Anregung mit, dass mehr getan werden müsse, um die Menschen aufzuklären, damit diese sich umweltbewusster verhalten.

»Wir freuen uns, dass wir als Schule mit dieser Veranstaltung unseren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen konnten«, sagt Schulleiter Matthias Hermeler. So sei es möglich, neue Gedanken in die kommunale und nationale Politik hineinzutragen.

Bloß nichts verbieten! – Ein Kommentar von Matthias Kleemann

Kennen Sie die zehn Verbote? Es heißt Gebote, werden Sie sagen. Aber schauen Sie mal genau hin: »Du sollst nicht«, heißt es da acht Mal. Glasklare Verbote. Völlig falsche Strategie, würde ein moderner Politiker dem lieben Gott raten. Mit Verboten verschreckst du die Leute nur.

Die Geschichte beweist das Gegenteil. Die biblische Botschaft ist seit Tausenden von Jahren populär geblieben. Beliebtheitswerte, von denen jeder Politiker träumt. Trotz Verboten. Es geht eben nicht ohne. Und dass Menschen Verbote nicht akzeptieren, ist ein Märchen. Denn sie wissen, dass Regeln notwendig sind. Regel, das klingt gleich weniger dramatisch als Verbot. Vielleicht sollte man einfach an der Wortwahl arbeiten.

Aber es ist so schön einfach, sich gegen Verbote auszusprechen, wie es die Politik zurzeit ständig reflexhaft macht. Das konnte am Donnerstag auch der Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus nicht lassen, als er die konstruktiven Vorschläge der Schüler lobte. Vielleicht hat er nicht genau zugehört. Der Entzug von Subventionen, die Zertifizierung von Kreuzfahrtschiffen, die erhöhte Maut für Lkw sind eigentlich auch nur geschickt verpackte Verbote. Jedenfalls nichts, was Unternehmen freiwillig machen würden. Brinkhaus sollte die Anregungen der Schüler als Arbeitsauftrag auffassen.

 

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