Bürgerservice hat seit 2017 schon 80 gefälschte Papiere aufgedeckt
Problemfall Personalausweis

Verl (WB). Wer weiß schon, wie ein italienischer Personalausweis aussieht? Oder ein griechischer Führerschein? Die beiden Papiere haben etwas gemeinsam. Es sind begehrte Dokumente aus EU-Staaten und werden oft gefälscht.

Dienstag, 08.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2019, 09:12 Uhr
Ein gefälschter Personalausweis (links) leuchtet in einem speziellen Scanner unter UV-Licht, daneben liegt ein echter Personalausweis. Fälscher ziehen es vor, griechische oder italienische Papiere nachzumachen. Foto: dpa

Im Verler Bürgerservice wurden seit 2017 schon etwa 80 Fälschungen erkannt. Bürger aus Nicht-EU-Staaten wie der Ukraine, Moldawien, Weißrussland oder Kasachstan kommen mit solchen Papieren, die es schon für 150 Euro im Internet gibt, nach Deutschland. Sie werden von Schleppern oder dubiosen Subunternehmen angeworben und an Betriebe der Fleisch- oder Landwirtschaft als Saisonkräfte vermittelt. »Moderner Menschenhandel«, sagt Annika Janzen, Leiterin des Bürgerservices in Verl.

Steuer-ID ist Eintrittskarte

Im Kreis Gütersloh gibt es solche Betriebe zum Beispiel in Rheda-Wiedenbrück und Verl. »Wer als EU-Bürger zum ersten Mal gemeldet wird, bekommt automatisch eine Steuer-ID. Das ist die Eintrittskarte in unser Sozialsystem«, sagt Annika Janzen.

Die Verwaltungsmitarbeiterin kann die Bürger aus den Nicht-EU-Staaten durchaus verstehen. In ihren Ländern herrschen Armut und Arbeitslosigkeit. Dennoch gibt es Regeln. Im Bürgerservice ist man ein wenig stolz auf die gute Quote.

Die Prüfung fremder Dokumente sei eine Herausforderung, sagt Janzen. 2018 hatte das Einwohnermeldeamt 2533 Anmeldungen, davon allein 1493 Polen, Rumänen oder Bulgaren, also etwa zwei Drittel. Um gefälschte Dokumente zu erkennen, wurden die Mitarbeiter des Bürgerservice bei der Kreispolizeibehörde geschult, außerdem gibt es Datenbanken und eine Software. Merkmale wie Wasserzeichen, Farbe, Druckbild werden geprüft. Aber auch das Wissen, ob ein bestimmter Dokumententyp zu einem bestimmten Datum ausgestellt worden sein kann, spielt eine Rolle. »Einmal hatten wir eine Superfälschung. Die ist nur aufgeflogen, weil der Inhaber sie mit seinem richtigen Namen unterschrieben hat.«

Optik und Haptik

Die Mitarbeiter des Bürgerservices haben mittlerweile ein Gespür für Optik und Haptik falscher er Dokumente entwickelt. Eine Zeit lang seien die rumänischen ID-Cards sehr beliebt gewesen. »Die sind aus Polycarbonat und machen beim Herunterfallen ein ganz bestimmtes Geräusch«, sagt Janzen. Daran erkenne man die Fälschung. Weil die Behörden darauf nicht mehr so oft hereinfallen, seien jetzt griechische und italienische Pässe sehr beliebt.

Wissen von den Nachbarn

Viel Know-How haben die Verler von der Stadtverwaltung in Rheda-Wiedenbrück. Dort gibt es eine so genannte Clearing-Stelle – ein Projekt, das auch in Verl umgesetzt werden soll. Dabei wird mit dem Bauamt abgeklärt, ob die Adresse der Neubürger plausibel ist. Überall im Kreisgebiet werde für diese Menschen Wohnraum erworben oder gemietet – eine Tatsache, die in manchen Siedlungsgebieten für Unruhe sorgt. »Plötzlich haben Sie in Ihrer Nachbarschaft ein Haus, in dem eine größere Zahl von osteuropäischen Arbeitern lebt«, sagt Bürgermeister Michael Esken. Da es für jedes Mietobjekt jedoch eine Obergrenze bei der Belegung gibt, sei es sinnvoll, das direkt bei der Anmeldung abzugleichen. Einfach sei das nicht, zumal viele Werksarbeiter häufig den Arbeitsplatz und den Wohnsitz wechseln.

Stadt will Gerät kaufen

Was passiert, wenn im Bürgerservice eine Fälschung erkannt wird? »Dann halten wir die Leute hin und verständigen die Polizei«, sagt Annika Janzen. Die verständigt die Ausländerbehörde, die eine Ausreiseverfügung verhängt.

Um wirkungsvoll zu arbeiten, müsse noch weitaus mehr kontrolliert werden, sagt Annika Janzen. Sämtliche Behörden und Anlaufstellen müssten sensibilisiert und geschult werden. Das kostet natürlich auch Geld und mehr Personal. Auch wenn erfahrene Mitarbeiter viel erkennen, auch wenn UV-Lampen und Fadenzähler (Lupe) hilfreich sind, so soll auch für die Stadtverwaltung im Verler Rathaus demnächst ein Gerät angeschafft werden, mit dem Fälschungen geprüft werden können.

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