Wenn Thomas-Cook-Kunden schon auf gepackten Koffern sitzen, werden sie in Verl nicht allein gelassen.
Schnelle Hilfe für Pleite-Opfer

Verl (WB). »Wir hatten Glück und keinen unserer Thomas-Cook-Kunden vor Ort«, sagt Stephanie Werner, Inhaberin des Sonnenklar-Reisebüros an der Hauptstraße in Verl. Trotzdem ist auch ihr Büro von der Pleite des Reiseanbieters betroffen, denn es gab mehrere Kunden, die auf gepackten Koffern saßen und ihre Reise nicht antreten konnten.

Samstag, 05.10.2019, 05:00 Uhr
Stephanie Werner (links) und ihre Mitarbeiterin Cornelia Kramer sind vom Fach. Sie helfen gern allen Thomas-Cook-Kunden, nicht nur solchen, die bei ihnen gebucht haben, sondern auch in anderen Reisebüros oder über ein Internet-Portal. Foto: Matthias Kleemann

»Wir haben für alle Kunden eine Ersatzreise gefunden«, sagt Stephanie Werner. Sie weist darauf hin, dass jeder, der bei Thomas Cook gebucht hat und jetzt nicht weiß, wie es weiter gehen soll, zu ihr ins Büro kommen und Hilfe erhalten kann.

Das betrifft sowohl das Angebot für eine Ersatzreise als auch Unterstützung beim Beantragen der Versicherungsansprüche. »Viele kommen mit den Online-Formularen nicht zurecht, für uns ist das Routine«, sagt die Reiseverkehrskauffrau.

Thomas Cook, beziehungsweise der Versicherer des Reiseunternehmens, hat ein Formular im Internet bereit gestellt. Das muss ausgefüllt werden. Zusätzlich müssen Unterlagen hochgeladen werden, Reisedokumente zum Beispiel, die man erst scannen muss. Nicht jeder kann das selbst.

Anzahlung ist erst mal futsch

Etwa 20 Kunden, überwiegend Paare, hatten im Sonnenklar-Büro schon vor längerer Zeit eine Reise bei Thomas Cook gebucht. Türkei, Ägypten, Griechenland, Mallorca, typische Pauschalreisen, sieben bis zehn Tage, 1000 bis 3000 Euro. Etwa die Hälfte der Kunden war gar nicht betroffen, weil sie kurz vor Bekanntwerden der Insolvenz aus dem Urlaub zurückgekommen ist. Die andere Hälfte hatte in allen Fällen bereits die Anzahlung geleistet, 400 bis 500 Euro. »Die ist jetzt zunächst futsch«, sagt Stephanie Werner. Und sie werde, wenn die neuesten Nachrichten stimmen, auch nicht in voller Höhe zurückgezahlt.

Trotzdem hätten alle Kunden eine Ersatzreise gebucht. »Wir konnten ihnen meistens das gleiche Reiseziel zu einem vergleichbaren Preis anbieten.« Allen Kunden hat das Büro auch beim Ausfüllen der Online-Formulare geholfen. Für einen Kunden, der für 14 Tage ans Rote Meer wollte, und der sogar schon die komplette Reise bezahlt hatte, sei das besonders wichtig. Immerhin habe auch er eine Alternative für den gleichen Preis gebucht.

Für eine Reise, die nicht stattgefunden hat, gibt es nichts.

Stephanie Werner

Nicht nur die Kunden haben den Schaden. »Auch unsere Provisionen bekommen wir nicht. Für eine Reise, die nicht stattgefunden hat, gibt es nichts.« Stephanie Werner sagt, sie sei von der Thomas-Cook-Pleite genauso überrascht worden wie alle. Nicht vom Veranstalter, sondern über die Presse habe sie davon erfahren. »Die Presse ist immer schneller.«

In Juni noch Reisen verkauft

»Noch im Juni/Juli hieß es, es sei alles im grünen Bereich, macht euch keine Sorgen. Da haben wir natürlich noch Reisen verkauft.« Dann seien erste Meldungen über Schwierigkeiten bei Condor bekannt geworden. »Da haben wir Kunden sofort abgeraten, bei dieser Airline zu buchen.« Solche Fälle gab es. Es gab auch einen Kunden, der nur einen Condor-Flug gebucht hatte. »Das ist dann eine klassische Einzelleistung, keine Pauschalreise.« Da werde es mit einer Erstattung schwierig.

Stephanie Werner betont, dass jeder, der Hilfe braucht, zu ihr kommen kann. Bei einem Kunden, der online eine Reise nach Kroatien gebucht hatte, habe das bereits geklappt.

Seit 2016 »Sonnenklar« in Verl

Stephanie Werner ist gelernte Reiseverkehrskauffrau und betreibt das Büro an der Hauptstraße mit drei Mitarbeiterinnen seit April 2016. Ihre Kunden kommen auch aus den umliegenden Orten: Gütersloh, Rietberg, Schloß Holte-Stukenbrock, sogar Detmold und Warendorf. Sonnenklar gehört zur FTI-Gruppe mit Sitz in München. Die Marke kennt man vom gleichnamigen TV-Sender. Die Vermittlung von Reisen sei auch in Zeiten des Internets noch immer lohnend. »Montags und dienstags haben wir hier viele junge Leute, die eigentlich online buchen wollten, es dann aber aufgegeben haben, weil es ihnen zu kompliziert wurde.« Hotel und Flug passend zueinander zu finden, sei eben doch für einen Laien zeitaufwendig und nicht so einfach. Das Fachpersonal im Reisebüro wisse dagegen, wie man eine Reise zusammenstellt. »Wir haben außerdem die Hintergrundinformationen und die Länderkenntnisse.« Das überzeuge viele. »Ich habe sogar den Eindruck, dass es inzwischen wieder mehr angenommen wird.« Trotz Klimaschutzdebatte seien zurzeit Kreuzfahrten und Fernreisen hoch im Kurs: Malediven, Mauritius, Kuba.

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