Verschiedene Möglichkeiten der Klärschlammentsorgung im Gespräch
Verbrennen oder recyceln?

Verl (WB). Wohin mit dem Klärschlamm? In naher Zukunft gibt es da wohl nur eine vernünftige Option: Verbrennen. Das ist aufwendig und kann von einer Kommune allein nicht geleistet werden.

Donnerstag, 05.09.2019, 11:45 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 12:00 Uhr
Klärschlamm wird bislang auch landwirtschaftlich verwertet. Wegen immer strengerer Vorschriften wird das künftig nicht mehr möglich sein. Auch Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen und Zementhersteller wollen künftig keinen Klärschlamm mehr annehmen. Foto: dpa

Die Gemeinde Verl ist Ende vergangenen Jahres der Klärschlammkooperation Ostwestfalen-Lippe beigetreten. Ein Kooperationsvertrag ist aber noch von keinem der Beteiligten unterschrieben worden. Das ist für Anfang 2020 geplant, wenn eine Reihe von Fragen geklärt ist.

Vor dem Betriebsausschuss hat am Dienstag Rechtsanwalt Till Elgeti den Sachstand erläutert. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Das soll in der nächsten Sitzung passieren.

Von den Kosten her gesehen wird sich wohl nicht viel ändern. Zurzeit zahlt die Stadt für die Entsorgung 75 Euro pro Tonne, im nächsten Jahr könnten es 100 Euro werden. Bei der Entsorgung über ein noch zu gründendes Gemeinschaftsunternehmen, dass dann die Verbrennungsanlage betreibt, würde der Preis sich nach derzeitigen Berechnungen wahrscheinlich unter 100 Euro pro Tonne bewegen.

Viele Fragen offen

Allerdings gibt es noch sehr viele Unsicherheitsfaktoren. Allein bis die Verbrennungsanlage an den Start gehen kann, werden wohl noch vier Jahre vergehen. Ferner steht noch nicht fest, welche Gesellschaftsform das Gemeinschaftsunternehmen haben wird. Soll ein externer Anbieter beauftragt werden oder macht die Kooperation das in Eigenregie? Ausschreibung oder Inhousegeschäft? Und wo soll die Anlage stehen?

All dies steht noch nicht fest. Sicher ist aber: Klärschlammverbrennung ist nur etwas für die richtig großen, Berlin zum Beispiel. Selbst München, Hamburg oder Köln sind Kooperationen eingegangen. Der Klärschlammkooperation OWL gehören mehr als 70 Kommunen aus OWL und angrenzenden Regionen an. Zusammen produzieren sie etwa 40.000 Tonnen Klärschlamm-Trockensubstanz (Klärschlamm, dem bereits eine gewisse Menge Feuchtigkeit entzogen wurde). Verl allein kommt auf gerade mal 670 Tonnen.

Mit 40.000 Tonnen sei man für gewisse Anbieter jedoch ein Partner auf Augenhöhe, so Till Elgeti. Das zu gründende Gemeinschaftsunternehmen müsse als erstes einen Standort finden. Der soll so gewählt werden, dass die insgesamt anfallenden Transportkosten möglichst gering gehalten werden. Damit alle Kommunen daran ein Interesse haben, sollen die Transportkosten solidarisiert werden, das heißt: Jede Kommune zahlt gleich viel, egal, wie weit sie vom Standort der Verbrennungsanlage entfernt liegt.

Verwertung von Phosphor?

Eine Verwertung des Klärschlamms ist nach derzeitigen technischem Stand keine Option. Angestrebt wird die Rückgewinnung von Phosphor, da werde viel geforscht, es gebe aber noch kein praktikables Verfahren, auch keines, das wirtschaftlich wäre. Dafür müsse der Phosphorpreis noch steigen.

Auch eine thermische Verwertung sei nicht möglich, da Klärschlamm zu viel Feuchtigkeit enthält. »Das bisschen Wärme und Strom, was anfällt, kann man gerade nutzen, um den noch nicht entwässerten Schlamm zu trocknen.«

Neben der Kooperation steht aber nach wie eine Entsorgung nach bisherigem Muster im Raum, also kurzfristige Verträge, oder eine Entsorgung über den Anbieter Westfalen Weser Energie. Dieses Unternehmen will früher in die Phosphorrückgewinnung einsteigen. Preislich gibt es zurzeit keine großen Unterschiede.

Die Politik will nun über die verschiedenen Modelle beraten, bevor sie zu einer Entscheidung kommt.

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