Heimatverein lädt zum Tag des offenen Denkmals ein
Spuren der Moderne in Verl

Verl (WB). »Modern(e): Umbrüche in Kunst und Kultur«, so lautet das Motto des Tags des offenen Denkmals am kommenden Sonntag. Gibt es solche Umbrüche auch in Verl? Ja, sagt der Heimatverein und beteiligt sich zum dritten Mal an der Veranstaltung.

Mittwoch, 04.09.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 07:50 Uhr
Christel Schroeder und Matthias Holzmeier laden zum Tag des offenen Denkmals ein. Foto: Matthias Kleemann

Ortsheimatpfleger Matthias Holzmeier wird eine Stadtführung unter diesem Gesichtspunkt anbieten. Das Heimathaus wird von 13 bis 17.30 Uhr geöffnet sein. »Es gibt Kaffee und Pflaumenkuchen«, sagt Christel Schroeder, die darauf hinweist, dass auch Haus, Kellerei und Garten des Hauses Schroeder geöffnet sein werden.

Wo aber sind die Umbrüche der Moderne in Verl? »Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz denkt in erster Linie wohl an die Bauhaus-Architektur«, sagt Holzmeier. In dieser Hinsicht gebe es so gut wie nichts in Verl. Aber modern ist ja immer das, was das vorherige ablöst. Und da gibt es in Verl ein sehr prominentes Beispiel, nämlich die St.-Anna-Kirche. Ausgerechnet Wenzel Anton, der Landesherr aus dem fernen Böhmen, hat 1792 verfügt, dass die Kirche im Stil des Klassizismus errichtet werden solle. Und er ließ den Wiener Architekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg Pläne liefern, nach denen die Kirche gebaut werden sollte.

Dabei hatten sich Verler so sehr eine Barockkirche gewünscht. Sie bekamen aber eine klassizistische Hallenkirche, was man auch heute noch sieht, auch wenn der reine Baustil im Nachhinein doch wieder durch Barock-Elemente verwässert wurde. Überhaupt hat jeder Gemeindepfarrer im Laufe der Jahrhunderte seine Handschrift in der Kirche hinterlassen.

Auch Beispiel aus der Gegenwart

Es gibt ein anderes Beispiel aus der Gegenwart. Das Gebäude, das auf der Ecke Bahnhofstraße/Paderborner Straße steht, hat bis in die 90er-Jahre die Sparkasse beherbergt. Es war ein Flachbau mit Sichtbeton-Elementen. »Das als Brutalismus zu bezeichnen, wäre zu hoch gegriffen«, meint Holzmeier. Dennoch gab es seinerzeit, als die Sparkasse auszog, und die Gemeinde das Haus als weiteres Verwaltungsgebäude nutzen wollte, Stimmen, die die äußere Form des Gebäudes nicht verändern wollten, auch den damaligen Ortsheimatpfleger, Bernhard Klotz. Am Ende siegte der Zeitgeschmack, wie man heute sieht.

»Die ganze Kreuzung ist eigentlich ein Beispiel für moderne Umbrüche«, sagt Christel Schroeder. »Eine geplante Straßenführung hatte früher absolute Priorität.« Dafür wurden auch Häuser abgerissen.«

Der Stadtrundgang beginnt um 14.30 Uhr am Kirchplatz. Holzmeier wird etwas zur Kirche sagen, dann geht es »zu Schroeders«, wo in der Halle und im Wintergarten Biedermeier- und Jugendstil-Elemente zu finden sind. An der Hauptstraße will Holzmeier auf ein paar interessante Fassaden hinweisen, beispielsweise das Haus Kampwirth. Hinter der Kreuzung soll noch die Fabrikantenvilla Tausch in Augenschein genommen werden.

Auch wenn Verl dabei wohl nicht mit architektonischen Glanzlichtern anderswo mithalten kann, rechnet der Heimatverein mit gutem Zuspruch. »Es kommen immer sehr viele interessierte Besucher von außerhalb, die eine Rundreise geplant haben und mehrere Orte abfahren.«

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