Mopedfreunde Verl mit 50-Kubik-Schätzchen auf Tour zum Diemelsee
Der Duft der Pubertät

Verl (WB). Sie sind wieder startklar. Die Verler Mopedfreunde haben den Tank gefüllt, den Reifendruck geprüft, Zündung und Vergaser justiert. Denn am Wochenende gehen die Schätzchen der Marke Kreidler, Zündapp, Vespa, Simson oder Puch auf große Fahrt.

Donnerstag, 01.08.2019, 03:00 Uhr
Einige der Mopedfreunde sitzen schon mal zur Probe in der Bergabfahrtsposition: Am Samstag geht’s mit den 50-Kubik-Oldtimern an den Diemelsee. Getreu dem Motto: »Egal, ob Regen, Sturm und Schnee, mit Moped und Zelt zum Diemelsee«. Sprecher Dirk Müller (hinten, 2. von links) verweist aufs Vereinslogo, das da postuliert: Ein knallharter Kerl ist immer aus Verl. Foto: Monika Schönfeld

Zum 42. Mal ist der Diemelsee das Ziel. Was im Jahr 1977 aus der spontanen Idee einer neun Mann starken Clique geboren wurde, und auch ein großes Stück Rebellion gegenüber den Eltern war, ist inzwischen Tradition.

Marius Müller lässt mal an der Zweitaktmischung schnuppern.

Marius Müller lässt mal an der Zweitaktmischung schnuppern. Foto: Schönfeld

»Der Weg ist das Ziel«, sagt Dirk Müller, Sprecher der Mopedfreunde Verl. Er freut sich schon darauf, wenn die 50-Kubik-Maschinen, die alle schon um die 50 Jahre auf dem Buckel haben, im ersten Gang mit fünf km/h im Sauerland den Berg hochächzen. »Und dann wird ausgekuppelt. Bergab mit 100 Sachen und einem Jodeln im Wald. Da wird man wieder zum Kind.«

Nachwuchs vibriert schon

Besonders stolz ist Müller, dass die Mopedfreunde überhaupt keine Nachwuchssorgen haben. »Total gegen den Trend. Die Szene lebt auf.« Jüngster ist Laurenz Dickhut. Der ist 14 und darf noch nicht selbst fahren. »Er vibriert schon«, sagt Müller. Zu den jungen Mitfahrern gehören Ben Peterhanwahr (18) und Heinz Koch (19) und das Findelkind. »Vor zwei Jahren stand an der Ampel ein Schwarzgekleideter. Der hat sich eingereiht. Ich hob sein Visier und fragte, was er hier will. Er sagte: ›Ich find’ euch so cool. Meine Freunde sitzen nur am Computer.‹ Seitdem haben wir den jetzt 18-jährigen Marvin Friedrich aus Fürstenberg adoptiert.«

Wie der Vater, so der Sohn: Dirk Müller, Sprecher der Mopedfreunde Verl, und sein Sohn Marius.

Wie der Vater, so der Sohn: Dirk Müller, Sprecher der Mopedfreunde Verl, und sein Sohn Marius. Foto: Schönfeld

Die Mopedfreunde haben ihr Clubhaus und ihr »Museum« mit unzähligen Oldtimern am Tulpenweg in einer alten Werkshalle, die Sascha Dickhut zur Verfügung gestellt hat. »Uns verbindet die Liebe zur Zweitaktszene. Das ist der Duft der Pubertät. Wenn wir am Hahn drehen, fühlen wir uns jung«, sagt Dirk Müller. Früher nannte man sie die Halbstarken, die Mütter mit Kinderwagen von der Straße pusteten. »Heute erzeugen wir 30 Leute mit Knatterkisten ein Lächeln auf dem Gesicht der Leute. Man guckt uns hinterher. Wir stehlen den knallharten Rockern die Schau. Denn Kubik ist nicht alles.«

Nur fürs Foto ohne Helm.

Nur fürs Foto ohne Helm. Foto: Schönfeld

Maschinen zum Leben erweckt

Am  hessischen Ufer des Sees, auf dem Campingplatz Goldbreite in Heringhausen, werden die Verler schon erwartet. Dann sind sie zu Gast beim am ersten Augustwochenende stattfindenden Event »Diemelsee in Flammen«. Auf dem Platz wird gefeiert, Essen und Zapfanlage stehen bereit. Campingwirtin Gisela (80) backt dann wieder Schnitzel, so groß wie Klodeckel. Doch zuvor muss die Entfernung von gut 100 Kilometern überwunden werden. Deshalb müssen die Kreidlers und Zündapps technisch in Schuss sein. Für die Tour werden einige Maschinen extra zum Leben erweckt. »Auf dem Trailer des Besenwagens haben wir drei Ersatzmopeds, vollgetankt und zugelassen. Denn es kann schon mal passieren, dass die Oldtimer es nicht schaffen.« Der Besenwagen transportiert auch Schlafsäcke, Zelte, Gummiboote und Verpflegung, schirmt aber vor allem die Fahrer ab, die ja sehr langsam unterwegs sind.

Das Vereinslogo mit coolen Sprüchen.

Das Vereinslogo mit coolen Sprüchen.

Brötchen mit Männer-Marmelade

Los geht’s am Samstag. Um 9 Uhr wird am Kapellenweg in Kaunitz bei Johannes Gerlach ein üppiges Frühstück eingenommen. Auf »Brötchen mit Männer-Marmelade« (sehr fleischhaltig, Anmerkung der Redaktion), freut sich die Gruppe schon. Und dann geht’s stilecht gekleidet in Lederjacke und Halbschalenhelm mit 50 km/h über Delbrück und Salzkotten Richtung Sauerland. Etwa drei Stunden rechnet Dirk Müller für die Tour. Eine längere Pause wird es auch geben – vor allem, um anderen die Gelegenheit zu geben, sie ausgiebig zu bewundern.

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