Artenvielfalt: Brachen gesucht – Veranstaltung des Heimatvereins
Mehr Flächen für Wildkräuter

Verl (WB). Es ist eine unumkehrbare Wirkungskette: Wo blühende Pflanzen fehlen, können die Insekten nicht überleben. Und wo es keine Insekten mehr gibt, haben die Singvögel es schwer.

Donnerstag, 04.07.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 06:50 Uhr
Auf den Grasmeerwiesen sind noch viele Pflanzenarten zu finden. Neuerdings findet man dort das Schwarzkehlchen (rechts). Es ist ein Profiteur des Klimawandels. Dagegen geht der Bestand der Kiebitze zurück. Er braucht schlammige Flächen, das gibt es kaum noch. Wenn er dann auf einem Acker brütet stehen seine Chancen schlecht. Foto: Biologische Station Gütersloh/Bielefeld

Dass der Rückgang des Artenreichtums letztlich auch die Existenz des Menschen bedroht, muss Peter Rüther, Geschäftsführer der Biologischen Station Paderborn/Senne am Dienstagabend im Heimathaus gar nicht weiter betonen. Das ist den knapp 40 erschienenen Besuchern durchaus bewusst.

Rüther ist einer von vier Referenten einer Veranstaltung zum Thema Biodiversität in Verl, zu der der Heimatverein eingeladen hatte. »Dass Handlungsbedarf besteht, ist Konsens« hatte Matthias Holzmeier zur Begrüßung gesagt.

Rüther nennt die Bedrohungen der Artenvielfalt. Dass dazu auch die Lichtverschmutzung und der in der freien Natur Sport treibende Mensch gehören, ist sicher nicht jedem bewusst. Jahr für Jahr sterben weitere Arten. Und selbst Allerweltspflanzen wie die Wiesenmargerite, die Sumpfdotterblume, der Gold-Hahnenfuß oder das Tausendgüldenkraut sind schon auf der Vorwarnliste. »Es ist ein schleichender Prozess«, sagt Rüther.

Die Vorkommen gehen zurück

Claudia Quirin-Jürgens von der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld bestätigt Rüthers Ausführungen, hat jedoch die Zuversicht nicht verloren, obwohl die Landkarten, die sie in ihrer Präsentation zeigt, inzwischen viele weiße Flecken haben. Seien es Vögel, Falter oder Pflanzen, die Vorkommen gehen zurück.

Doch auf der anderen Seite lohne es sich, mit den Landwirten zu sprechen, viele seien mittlerweile bereit, etwas zu tun, oder eben auch gezielt nichts zu tun: Eine Fläche nicht mähen, um ein Kiebitznest auf den Acker einen großen Bogen fahren, damit der Bodenbrüter seine Brut durchbringen kann. »Viele Wildkräutersamen halten sich 50 bis 100 Jahre. Der Landwirt muss nur doppelten Saatabstand halten, nicht düngen, nicht spritzen, dann kommt vieles von allein wieder.« Quirini-Jürgens warnte vor Wildblumensamen aus der Tüte. Abgesehen davon, dass sie meist gar nicht nötig seien, seien häufig auch keine heimischen Arten darunter.

Landwirte in der Zwickmühle

Dass die Landwirte in einer Zwickmühle stecken, verdeutlicht nicht nur Thomas Großerüschkamp, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes, sondern auch mehrere im Raum anwesende Landwirte. Großerüschkamp verweist auf die historisch bedingten Mechanismen in der Landwirtschaft, den Nahrungsmittelproduktionsauftrag nach dem Krieg, das Geflecht aus Förderung und wirtschaftlichen Zwängen. »Wir sind verdammt zum Geldverdienen.«

Aber die Erkenntnis, dass etwas getan werden, sei bei den meisten angekommen. »Wir können was tun, nur nicht auf allen Flächen.« Claudia Quirin-Jürgens bestätigte das. Ein Ansatzpunkt seien aber auch die Außenflächen von Gewerbebetrieben, generell eigentlich brachliegende Flächen, überall wo es sie gibt. »Wir brauchen mehr Brachflächen.«

Darüber müsse es einen Austausch geben, meint Dr. Fabian Humpert, Klimaschutzmanager der Stadt. Er sei offen und ansprechbar für jeden. Biodiversität gehöre zum Klimaschutz. »Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wie brauchen Kommunikation.« Es bewege sich viel, weil der Druck wachse.

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