Breitband in Verl: Stadtverwaltung sucht die grauen Flecken Das Betriebsgeheimnis der Telekom

Verl (WB). Es ist ein kompliziertes und nicht immer konfliktfreies Geschäft, Verl mit leistungsstarkem Internet auszurüsten. »Wir sind weit vorn, fühlen uns aber manchmal wie ein Versuchskaninchen der Fördergeldgeber«, sagt Bürgermeister Michael Esken.

Von Monika Schönfeld

In einer weiteren Marktanalyse sollen jetzt die »grauen Flecken« erfasst werden, um auch denen die Technik zu bieten, die bisher »vergessen« worden sind.

Sachstand ist, dass Verl Fördergelder bekommt, um 384 Gebäude in der Stadt mit Glasfaser bis ins Haus auszustatten. Das sind Häuser in Gebieten, die bis 2020 keine Bandbreiten von mehr als 30 Mbit/s erhalten werden. Dafür hat die Stadt 90 Prozent Förderung (3,6 Millionen Euro) erhalten, 10 Prozent, also 400.000 Euro, zahlt Verl selbst. Parallel dazu hat die Deutsche Glasfaser Verträge mit 40 Prozent der anderen Haushalte in Verl abgeschlossen, so dass der Ausbau im ganzen Stadtgebiet erfolgen soll.

Stadt besitzt nicht alle Daten

Wirtschaftsförderin Sandra ­Claes berichtet im Haupt- und Finanzausschuss, dass mit dieser ersten Markterkundung unterversorgter Gebiete nicht alle erfasst worden seien, was zu Ärger mit den Bürgern oder zumindest Unverständnis führt. Die erste Markterkundung, die 2017 erfolgt war, enthält offenbar Lücken. Bei einigen Adressen sind zum Beispiel von der Telekom überhaupt keine Bandbreiten hinterlegt. Diese Daten besitzt die Stadt nicht, sondern allein die Telekom. Zudem fehlen alle Haushalte, die eine andere als die Verler Vorwahl 05246 haben. Das sind eine ganze Menge Haushalte in den Randgebieten zu Schloß Holte-Stukenbrock mit der Vorwahl 05207, zu Gütersloh-Friedrichsdorf mit 05209 und zu Rietberg 05244. Auch Haushalte in unmittelbarer Nähe von geförderten Adressen sind nicht erfasst, meist sind das die Häuser mit Nummernzusätzen wie a, b, c und so weiter. Unklar ist auch noch, ob die geförderten Trassen von anderen mitbenutzt werden dürfen.

Michael Esken sagte, es sei verständlich, wenn sich ein privates Unternehmen nicht überschlage, um der Stadt vollständige Daten zur Verfügung zu stellen, die damit einem anderen privaten Unternehmen die Geschäftsgrundlage verbesserten. Die »vergessenen Anschlüsse« in unterversorgten Gebieten seien wohl das Betriebsgeheimnis der Telekom.

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»Die Förderbescheide sind hausscharf.«

Michael Esken

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Sandra Claes sagte, dass sich einige Bürger im Rathaus gemeldet haben. Die habe sie aufgenommen. Jetzt stelle sich die Frage, ob für die weiteren unterversorgten Gebiete ein erneuter Förderantrag gestellt werden kann. Michael Esken: »Die Förderbescheide sind hausscharf.«

Auch wenn das Ganze viel Zeit und Aufwand in der Stadtverwaltung und viel Nerven von Seiten der Bürger erfordert, lohnt sich die Sache, ist sich der Haupt- und Finanzausschuss einig. Robin Rieksneuwöhner (CDU): »Wir wollen jede Möglichkeit nutzen, die sich bietet, um den Bürgern Glasfaser zu bieten. Wir stehen fest an der Seite der Bürger. Deshalb informieren wir diesen Mittwoch noch mal in der Schützenhalle.« Uwe Hasler (SPD): »Das ist zukunftsweisend. Die Stadt ist auf gutem Wege.«

Michael Esken kritisierte »die Leute, die aggressiv sagen, wir brauchen den Ausbau nicht«. Die Stadt wolle sich die Chance nicht entgehen lassen, ganz vorn dabei zu sein.

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