Rainer Landwehr tankt eigenen Strom und gilt in Verl als Pionier
Die ganz private Energiewende

Verl (WB). »Wir sparen nicht auf Teufel komm’ raus, wollen aber auch kein Geld unnütz ausgeben. Ein bisschen etwas kann jeder für die Umwelt tun.« Rainer Landwehr (49) gilt in Verl als Pionier in Sachen Solarstromnutzung. Ihm sollen viele folgen – auch deshalb hat die Stadt ein Förderprogramm aufgelegt.

Freitag, 07.06.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 07:50 Uhr
Rainer Landwehr hat eine eigene Stromtankstelle an seinem Haus am Jostweg und tankt die Energie, die die Anlage auf seinem Dach erzeugt. »Jeder kann ein bisschen was fürs Klima machen, man muss nur anfangen«, sagt er. Foto: Monika Schönfeld

Rainer Landwehr und seine Frau Christiane Toppka haben 2004 am Jostweg gebaut. »Wir haben ein Haus im Holzrahmen-Fertigbauweise. Ich wollte keine Ölheizung, meine Frau kein Gas. Deshalb haben wir für Warmwasser eine Solarthemieanlage ins Dach integriert und uns für eine Holzpelletsheizung entschieden.« Das Haus hat eine kontrollierte Wohnraumlüftung. »Eine gute Sache.«

Dr. Fabian Humpert, Ines Perschke, Rainer Landwehr und Sven Dönnewald zeigen die 5-kWp-Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Dr. Fabian Humpert, Ines Perschke, Rainer Landwehr und Sven Dönnewald zeigen die 5-kWp-Photovoltaikanlage auf dem Dach. Foto: Monika Schönfeld

Vor zweieinhalb Jahren hat Rainer Landwehr ein E-Auto gekauft, einen Peugeot. »Das ist als Zweitauto super.« Und seit einem Jahr tankt er den eigenen Strom. Den erzeugt eine 5-kWp-Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Der Strom wird zuerst im eigenen Haushalt verbraucht, wandert dann in einen 4,8-KwH-Speicher. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist.

Am Haus hat Rainer Landwehr eine eigene Ladesäule, die programmiert arbeitet. »Ein Elektro-Auto intelligent zu laden, ist extrem schwierig«, sagt Sven Dönnewald, Fachberater für Photovoltaikanlagen der Firma Ewenso aus Gütersloh, der die Anlage installiert hat.

Ganz autonom ist Rainer Landwehr nicht. Er erzeugt 4880 KWh pro Jahr, verbraucht davon 2110 KWh selbst, braucht aber für Haus und Auto 5700 kWh. »Der Speicher weiß, welchen Strombedarf das Haus hat«, sagt Dönnewald. Das »Smart Home« merke man gar nicht.

Registrieren ist Pflicht

Wer eine Photovoltaikanlage oder ein Blockheizkraftwerk hat, muss sie jetzt online im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur melden. »Die Meldepflicht gilt für alle, auch für die, die seit Jahren Strom erzeugen«, sagt Ines Perschke von der Verbraucherzentrale. Eingetragen werden müssen auch kleine Module und Batteriespeicher. Wenn das nicht geschehe, drohen Vergütungs-Verluste und Bußgelder.

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Die Investitionen von 21.000 Euro für die Photovoltaik-Anlage, für Speicher und Ladestation werden sich nach 14 Jahren amortisiert haben. Und die Lebensdauer von PV-Modulen wird mit 30 Jahren, die für Speicher mit 10 bis 15 Jahren gerechnet. Wobei der Austausch der Speichermodule dann nicht mehr so teuer ist. Zudem gibt es eine Menge Fördermöglichkeiten, auf die Klimaschutzmanager Dr. Fabian Humpert und Energieberaterin Ines Perschke hinweisen. Das neue Förderprogramm der Stadt stellt dieses Jahr 50.000 Euro zur Verfügung und fördert gestaffelt nach Leistung neue Anlagen auf bestehenden Gebäuden und Speicher.

»Rainer Landwehr ist noch einzigartig in Verl. Aber es werden mehr. In den vergangenen drei Wochen habe ich vier Anlagen verkauft«, sagt Dönnewald.

Ines Perschke wirbt für E-Mobilität: »Durchschnittlich fährt jeder am Tag 30 Kilometer mit dem Auto. Zeit genug, es aufzuladen.«

Wer mehr über die Möglichkeiten erfahren möchte, wendet sich an sie unter E-Mail: Ines.Perschke@Verbraucherzentrale.nrw.

Die Registrierung erfolgt über diese Internetadresse .

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Man muss kein Öko-Freak zu sein, um Spaß daran zu haben, seinen eigenen Strom zu produzieren, kostenlos Sonne in den Tank zu füllen und einfach mal auszuprobieren, was möglich ist. Mit guten Beratern verzettelt man sich auch nicht finanziell.

Denn es ist schon so: Jeder einzelne kann etwas fürs Klima tun. Auch wenn es global gesehen nur ein paar CO 2 -Moleküle weniger sind, so ist das deshalb so wichtig, weil sich nur Erprobtes weiterentwickelt und dadurch immer effektiver, leistungsfähiger und auch preiswerter wird, damit zum Massenprodukt und damit »normal«. 

Neben der technischen und wirtschaftlichen Seite stellt Rainer Landwehr auch fest, dass das Umdenken gelernt werden muss. Er sagt: »Die Stromfresser Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine programmiert man und lässt sie laufen, wenn Strom produziert wird. Dazu muss ich mich auch noch besser erziehen.«

 

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