Stammtische in Verl, Bad Oeynhausen und Espelkamp
Leben mit Multipler Sklerose: Keiner sieht’s, einer spürt’s

Verl (WB). Multiple Sklerose (MS) ist eine Krankheit, die viele Ausprägungen haben kann. »Keiner sieht’s, einer spürt’s«, beschreibt die MS gut. Für Betroffene, die sich außerhalb der Selbstgruppen und Kontaktkreise treffen wollen und auch mal über etwas anderes als ihre Krankheit reden wollen, hat Sonja Mursch Stammtische eingerichtet.

Samstag, 01.06.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 01.06.2019, 09:44 Uhr
Zum Tag der Multiplen Sklerose berichtet die Betroffenenberaterin Sonja Mursch über Möglichkeiten in der Region. Foto: Monika Schönfeld

Der Stammtisch für Verler und Schloß Holte-Stukenbrocker im Bistro Le Coq in Kaunitz war der erste. Hier treffen sich zwanglos Teilnehmer jeden dritten Donnerstag im Monat ab 18.30 Uhr. Das Konzept ist erfolgreich, inzwischen lädt Soja Mursch auch ein zu Stammtischen in Bad Oeynhausen (jeden ersten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr im Kulturzentrum Druckerei) und in Espelkamp (jeden zweiten Donnerstag im Monat im Brauhaus ab 19 Uhr).

Selbst betroffen

Die Diakonin und Sozialpädagogin ist selbst von der Krankheit betroffen und hat die Unsicherheit und Angst erfahren, als Multiple Sklerose bei ihr diagnostiziert wurde. Inzwischen sieht die 44-Jährige ihre Krankheit als dritte Kompetenz. Seit September 2017 ist sie als Mitarbeiterin für Ostwestfalen-Lippe beim Landesverband NRW der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) mit 15 Stunden pro Woche beschäftigt. Seit August 2018 hat sie im Haus der Stille in Bethel, Am Zionswald 5, ein Büro. Hauptsächlich macht sie allerdings Hausbesuche und berät Betroffene und Angehörige, begleitet Kontaktkreise und deren Leitungen, organisiert Sprechertreffen. In Ostwestfalen-Lippe gibt es sechs Kontaktkreise und freie Gruppen, die aber noch nicht vernetzt seien.

Stammtische eingerichtet

Die MS-Stammtische richten sich an jüngere, berufstätige, noch nicht so schwer Betroffene. »Da ist eine andere Ebene als die in einer Selbsthilfegruppe«, sagt Sonja Mursch. »Viele MS-Erkrankte trauen sich nicht, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen, weil sie vor allem im beruflichen, aber auch gesellschaftlichen Leben Angst vor Vorurteilen, Diskriminierung und Benachteiligung haben. MS-Erkrankte leiden ja nicht nur an ihrer Erkrankung, den Symptomen oder den Behinderungen. Sie müssen auch wesentlich mehr Kraft und Energie, Zeit und Geld in ihren Alltag investieren, um mit der Erkrankung zu leben.«

Sonja Mursch ist schwerbehindert. Das sieht man ihr nicht an. Und das macht es schwierig für die Außenwelt, die Krankheit nachzuvollziehen. »Ich habe Phasen, in denen ich nicht gut gehen oder stehen kann, und andere Symptome sich verstärken. Es ist für mich deshalb wichtig, damit offensiv umzugehen.« Sie ist das beste Beispiel dafür, dass MS nicht bedeuten muss, auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. »Ich habe das Glück, zu 100 Prozent arbeiten zu können.«

Sonja Mursch macht zurzeit eine Fortbildung »systemische Beratung«, um mit Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen arbeiten zu können. Als Diakonin bewegt sie auch die Frage nach Spiritualität und Krankheitsbewältigung. »Ich würde gern ein Seminar zur Seelsorge anbieten. Das bietet sich im Haus der Stille an, einem Seminarhaus, Mutterhaus der Sarepta-Schwesternschaft.« Wer mehr über den Stammtisch wissen will, kontaktiert Sonja Mursch, per E-Mail .

»Krankheit der tausend Gesichter«

Die »Krankheit der tausend Gesichter«, wie die Multiple Sklerose (MS) auch genannt wird, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Symptome von MS können Einschränkungen beim Gehen und beim Sehen, beim Sprechen oder Schlucken sein, aber auch starke Erschöpfung und Konzentrationsstörungen.

Die Krankheit ist nicht ansteckend und nicht zwangsläufig tödlich. Schätzungen der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) zufolge leben weltweit 2,5 Millionen Menschen mit MS, in Deutschland sind laut Bundesversicherungsamt mehr als 200.000 MS-Erkrankte. Jährlich werden 2500 Menschen neu mit MS diagnostiziert. In der Regel tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer. Mehr Infos gibt es hier.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6656449?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F
Auf Bürger kommen massive Einschränkungen im Alltag zu
Der Bund will nur noch die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause erlauben.
Nachrichten-Ticker