Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr
»Da hat es schon geknallt«

Verl/Rietberg (WB/cas). Als die Rietbergerin am späten Nachmittag des 17. April 2018 in Verl mit ihrem BMW von der Bahnhof- auf die vorfahrtsberechtigte Österwieher Straße einbiegen wollte, sah sie zu spät das herannahende Motorrad. »Ich dachte, der sieht mich und kommt noch locker an mir vorbei. Doch dann hat es schon geknallt«, gab die 48-Jährige am Montag vor dem Amtsgericht Gütersloh zu Protokoll.

Dienstag, 09.04.2019, 06:15 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 06:50 Uhr
Tragischer Unfall im April 2018 in Verl: Der verunglückte Motorradfahrer kam dabei ums Leben. Foto: Matthias Kleemann

Eine Sekunden-Fehleinschätzung von ihr mit tragischen Folgen: Der 56 Jahre alte Honda-Fahrer krachte in das Auto der Angeklagten, flog rund neun Meter durch die Luft. Die lebensgefährlichen Verletzungen führten später zum Tod des Güterslohers . So musste sich die gelernte Außenhandelskauffrau, die inzwischen zur Projektleiterin aufgestiegen ist, wegen fahrlässiger Tötung vor dem Gericht verantworten.

»Egal, wie die Strafe ausfällt, ich nehme sie an«, erklärte die Beschuldigte in ihrem Schlusswort. Die von Staatsanwalt Nils Wennemann geforderte Geldstrafe (»Sie muss spürbar sein«) fiel dementsprechend aus: 150 Tagessätze zu jeweils 90 Euro wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr. Wennemann: »Keine Strafe kann einen Tod sühnen.«

»Schuldvorgang an der unteren Schwelle«

Vor der Urteilsverkündung lehnte der zuständige Richter Markus Seib einen von Wennemann gestellten Beweisantrag ab – der Staatsanwalt hätte gern noch Zeugen zum Unfallvorgang gehört. Den Antrag aber hielt der Richter für »bedeutungslos«. Eine vollständige Tataufklärung, so Seib, sei nicht möglich gewesen.

Für den Vorsitzenden Richter sei es ein »Schuldvorgang an der unteren Schwelle« gewesen, zumal eine Mitschuld des tödlich Verunglückten nicht ausgeschlossen werden konnte. Laut Zeugenaussagen hätte der Motorradfahrer »stark nach Alkohol« gerochen. Und laut Gutachten wäre der Unfall vielleicht vermeidbar gewesen, wenn die Geschwindigkeit des Bikers unter 45 km/h betragen hätte. Sein vom Gutachter ermitteltes Tempo bewegte sich zwischen 49 und 62 km/h.

Doch Fakt ist, dass der tragische Unfall ohne Wenn und Aber vom Fehlverhalten der bis dahin unfallfrei gefahrenen Rietbergerin ausging – was die Mutter eines zehnjährigen Sohnes auch einräumte und zugleich bereute. Der von ihr gewünschte Kontakt zur Familie des Verstorbenen kam nicht zustande: »Sie haben sich leider nicht gemeldet.« Das Unglück habe ihr Verhalten im Straßenverkehr verändert. »Ich fahre jetzt viel aufmerksamer«, versicherte die 48-Jährige.

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