Stadt besitzt Hochhaus jetzt und will Geld nach Costa Rica überweisen
Das kommt weg

Verl (WB). In der Sürenheider Helfgerd-Siedlung wissen die Bewohner des Hochhauskomplexes, dass ihr Zuhause abgerissen werden soll. Währenddessen weiß eine Frau in Costa Rica noch nichts von ihrem Glück. Denn sie soll Geld von der Stadt bekommen.

Samstag, 06.04.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 06.04.2019, 08:01 Uhr
Soll abgerissen werden: Die Stadt hat den Hochhauskomplex an der Libellenstraße in Sürenheide gekauft. Foto: Hendrik Fahrenwald

3760 Euro. Diesen Betrag könnte die Stadt Verl bald einer Frau in Costa Rica überweisen. Über die Person gibt es nicht viele Informationen. Der neueste Stand: »Wir wissen, die Frau gibt es und sie lebt«, sagt Beigeordneter Thorsten Herbst. Bekannt ist nun auch, wo sie wohnen soll. Doch wer ist sie? Sie ist die Erbin eines Mannes, dem der Großteil des Stichwegs an der Grillenstraße gehörte (wir berichteten). Deshalb ist sie auch für die Umgestaltung der Helfgerd-Siedlung interessant.

Ihren Anteil an der Straße möchte die Stadt kaufen, dann setzt sie sich mit dem Mann zusammen, dem der Rest der Straße und ein Haus an der Sürenheider Grillenstraße gehören. Der Erwerb des Weges wäre die einfachste Lösung, die Umgestaltung der Siedlung voranzutreiben. Über einen Notar soll nun mit der Frau Kontakt aufgenommen werden.

Es riecht nach Marihuana

Für ihr Projekt hat die Stadt den roten Hochhauskomplex gekauft. Seit dem 1. April gehört es der Kommune – kein Scherz –, damit es abgerissen wird. »Das tut schon weh«, sagt Jiyan Caliskan.

Der 24-jährige lebt seit seiner Kindheit in dem Komplex. Zog dort schon um. In der unteren Etage riecht es manchmal nach Marihuana. In den oberen Fenstern kommt manchmal der Regen durch. »Das Ding ist veraltet«, sagt Caliskan. Auf dem Dach kann man über ganz Verl gucken. 28 Wohnungen gibt es darunter. Wohnen mit Seeblick war die Idee, als es 1974 erbaut wurde. Nun soll der Blick bald nicht mehr so weit gehen. Sein »Ghetto«, wie Caliskan den Hochhauskomplex beschreibt, wird verschwinden.

Stattdessen sollen dort Mehrfamilienhäuser gebaut werden. »Mit sechs bis acht Wohnungen«, sagt Herbst. Ein Grundstück hinter dem Hochhaus gehört der Stadt schon. 2002 hatte die frühere Gemeinde Verl einen Hochhauskomplex gekauft und noch im selben Jahr abgerissen. Heute ist da eine Wiese. Dort sollen vor dem Abriss des roten Hochhauses die ersten Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Der Weg, dessen Großteil der Costa Ricanerin gehört, grenzt hier dran.

Mieter sollen raus

Weitere kleinere Häuser sollen später auch auf dem Gelände des Hochhauses entstehen. Zuvor sollen die Mieter die Möglichkeit bekommen, in die neuen Mehrfamilienhäuser umzuziehen. »Ich finde es besser, wenn etwas Neues kommt«, sagt Caliskan. Doch lieber hätte er, dass der Neubau wieder ein Hochhaus wird. »Die Stadt will die Hochhäuser nicht mehr«, sagt Herbst. Geförderter und frei finanzierbarer Wohnungsbau sollen entstehen. Nachdem der Bebauungsplan für das Grundstück mit der Wiese geändert worden ist, wird die Stadt für ihr Projekt Investoren suchen. Herbst rechnet damit, dass in den nächsten vier Jahren die ersten Häuser stehen werden.

»Früher waren hier viele Kriminelle«, sagt Caliskan. Heute würden mehr Gastarbeiter als Familien im Hochhaus wohnen. Herbst betont, bei der Veränderung der Siedlung gehe es allein um das »städtebauliche Umfeld«. Das heißt, das Hochhaus ist nicht mehr so schön und zeitgemäß – trotz des Seeblicks. Zumindest in diesem Punkt sind sich Caliskan und Herbst einig.

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