An der Gesamtschule treffen sich Schüler und Pädagogen jede Woche zur Crossfit-AG
»Lehrer sind cooler als im Unterricht«

Verl (WB). Lehrer Robert Baumann zieht sich mit den Armen an der Stange hoch. Neben ihm sein Schüler Nick Heitmeyer. In diesem Moment ist es mit der Hierarchie Lehrer-Schüler vorbei. Auf einmal sind beide nur noch Sportler. Wer schafft die Kniebeugen schneller, wer hält länger durch?

Mittwoch, 03.04.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 07:50 Uhr
Wer schafft mehr Wiederholungen? So macht das Schülerdasein doch richtig Spaß, wenn man sich wie Nick Heitmeyer (13) direkt mit Lehrer Robert Baumann messen kann. Foto: Kerstin Eigendorf

Das ist keine normale Schulsportstunde. Die etwa 15 Schüler unterschiedlichen Alters kommen freiwillig. Und das am Freitagnachmittag. Die Crossfit-Arbeitsgemeinschaft (AG) ist nicht wie jede andere. Sie ist speziell als Projekt von Schülern und Lehrern ins Leben gerufen worden. Hier wird gemeinsam Sport gemacht, kein klassischer Unterricht. Mindestens vier bis fünf Lehrer sind auch immer dabei. Unter ihnen David Scheid, dem diese AG unübersehbar ans Herz gewachsen ist. Lehrergehabe? Fehlanzeige! Hier wird auf Augenhöhe trainiert. »Schüler und Lehrer begeben sich in dieser gemeinsamen AG auf einer ganz andere Ebene«, sagt David Scheid, der Englisch und Sport studiert hat. Man lerne die Schüler anders kennen. »Der gemeinsame Sport führt oft dazu, dass die Schüler viel offener einem gegenüber sind.« Und auch direkter, sagt er mit einem Lachen. »Einige Schüler erzählen mir auf einmal viel mehr, als sie es in der klassischen Unterrichtssituation tun würden.«

Für die AG extra Material angeschafft

Für die Crossfit-Arbeitsgemeinschaften – es gibt auch klassische AGs dazu, die nicht als Schüler-Lehrer-Sport angelegt sind – hat die Gesamtschule mit Unterstützung der Stadt extra Material angeschafft. Dazu gehören spezielle Medizinbälle, Springseile, die besondere Übungen zulassen, Rudertrainingsgeräte oder auch Kugelhanteln, »Kettlebells« genannt. Denn Crossfit ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining. Elemente des Programms sind Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen sowie Turnen.

»Bodybuilding-Elemente treffen auf Cardio-Fitness«, fasst es Tanja Heinemann, Leiterin der Gesamtschule zusammen. Rettungskräfte nutzen Crossfit nicht selten als Hochleistungstraining. Und so machen die einen 50 Seilsprünge, während die anderen an den Rudergeräten trainieren.

An anderer Stelle in der Sporthalle hält ein Schüler einen Stab quer über den Kopf und macht Kniebeugen gleichzeitig, während sich eine Schülerin an einer Stange hochzieht und 25 Mal die Knie anhebt. »Entweder geht es um Geschwindigkeit, oder es geht um die Zahl der Wiederholungen«, erklärt Robert Baumann, der Sport und Biologie an der Gesamtschule unterrichtet. Das Ziel sei individuell abgesteckt.

Freitag ist ideal

Wer den 13-jährigen Nick Heitmeyer beobachtet, weiß schnell: Seine Ziele steckt er möglichst hoch. »Ich will schneller werden«, sagt er. Ein echter Sprinter eben. Aber gegen ein paar mehr Muskeln hat der Verler auch nichts einzuwenden. Seine Lieblingsübungen bringen Muckies in den Beinen – Kniebeugen und Seilsprünge.

Der Lehrer-Schüler-Sport gefällt ihm total. »Im Unterricht sind die Lehrer ernsthafter, hier haben wir viel mehr Spaß zusammen«, sagt er. Romy Bergen (12) sieht das ähnlich: »Hier sind die Lehrer viel cooler als im Unterricht.« Auf die Frage, ob man ausgerechnet Freitagnachmittag nicht was Besseres zu tun habe, als freiwillig Sport mit den Lehrern in der Schule zu machen und somit länger zu bleiben, haben die beiden Schüler eine klare Antwort. »Das ist der beste Tag in der Woche, da freue ich mich die ganze Woche drauf«, sagt Nick Heitmeyer. »Stimmt, der krönende Abschluss«, pflichtet auch Romy Bergen bei.

Genau darum gehe es, sagt Schulleiterin Heinemann. »Lehrer wollen Schüler begeistern. Und wo klappt das besser als beim gemeinsamen Sport?« Außerdem sei das Tolle an dieser AG, dass Kinder und Jugendliche unterschiedlichsten Alters hier zusammen kämen, die »sonst wahrscheinlich auf dem Schulhof nichts miteinander zu tun hätten«. Aber das Spannendste für die Schüler bringt Nick Heitmeyer auf den Punkt: »So können einmal die Lehrer gucken, wie sie mit uns Schülern mithalten können.«

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