Auftritt vor 500 Zuschauern – Nur 15 Männer sitzen im Publikum
Flecks frivoles Frauenkabarett

Verl (WB). Gut zwei Stunden zwischen virtuellem Verkehr und »Trockenpflaumen al dente«: Simone Fleck hat den 500 Zuschauern am Freitagabend im Pädagogischen Zentrum alles abverlangt.

Dienstag, 02.04.2019, 11:45 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 11:50 Uhr
Oma Wallys Bratpfannen-Tanz liefert den gelungenen Auftakt zu rund zwei Stunden abwechslungsreichem Programm. Simone Fleck meistert den Spagat zwischen frivolem Klamauk und augenzwinkernder Gesellschaftskritik. Foto: Alexandra Wittke

Die zwei Ringelpullis aus Reihe 3 konnten einem schon fast leidtun. Nicht nur, dass die beiden Männer zu einer absoluten Minderheit gehörten, nur 15 Männer insgesamt hatte Gastgeberin Sabine Heethey zu Beginn gezählt, sie waren das Ziel, auf das Simone Fleck sich eingeschossen hatte, getragen vom schlüpfrigen Humor aller Anwesenden.

Flecks Programmankündigung zu »Lieber ohne Mann als gar kein Mann« klingt ambitioniert. Kuschelige Aufmerksamkeit wolle sie schaffen, Hitze auch im Publikum entfachen. Schwer vorstellbar, das steril wirkende Auditorium der ehemaligen Verler Hauptschule in einen riesigen Mädelsabend zu verwandeln.

Aber sie schafft es. Innerhalb von Minuten wandelt sich die homogene Zuschauermasse in tobende und kreischende Frauen, die der Kabarettistin an den Lippen hängen und auf den nächsten Knalleffekt warten. Und sie liefert. Dabei wechselt sie ständig die Rolle. Als Oma Wally, benebelt vom Eierlikör, knöpft sie sich die Bewohner des örtlichen Pflegeheims »Turne in die Urne« vor.

Gebiss-Grapscher Wilhelm ist nur einer von ihnen. Auch »Brischitte«, Oma Wallys auserkorene Intimfeindin, bekommt ordentlich ihr Fett weg, als diese völlig overdressed zur Hochzeit des Pflegers Mario erscheint. Ob der sich wohl zwischen seiner Braut und »dem Stapel Altpapier« entscheiden kann?

Die Menge tobt bereits, als Fleck weitermacht, dieses Mal als Pflegerin Angelina. Mit überdimensionalen Plateauschuhen, in grell gemusterter Bluse und mit exzellent gesäuseltem französischem Akzent, startet sie einen weiteren Angriff auf die Lachmuskeln. Ihr Tipp, Cocktailtomaten für hohe Wangen zu nutzen, kommt auch im Publikum an, die erste Reihe macht direkt die Probe aufs Exempel. Aber damit noch nicht genug, Fleck verteilt großzügig weitere, nicht immer ganz ernst gemeinte Stylingtipps an die Damen im Publikum. Querstreifen auf der Hose sollte man übrigens nur tragen, wenn man sich ausschließlich seitlich zeigt. Und Vorsicht auch beim Tragen von Fellkragen! Es könnte sein, dass das Fell nach oben ins Gesicht wächst.

Dem Publikum fällt es zunehmend schwerer, nicht in die Lachkrämpfe anderer einzufallen, Fleck setzt ohnehin noch einen drauf. Spielend leicht gelingt ihr ein punktgenauer Ritt auf der messerscharfen Schneide des frivolen Klamauks und hält ihren Zuschauern ganz nebenbei auch noch den nicht immer ganz ernst gemeinten, gesellschaftlichen Spiegel vor.

Bereits zum dritten Mal gastierte Fleck in Verl, zuletzt war sie 2017 mit ihrem Programm »Nacktgeflüster« in der Ölbachgemeinde zu sehen. Mit 500 Zuschauern war die Veranstaltung bereits seit Wochen ausverkauft. Organisiert wurde das Frauenkabarett von der Gleichstellungsstelle der Stadt Verl in Kooperation mit dem Musik- und Kulturverband und der Bibliothek.

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