Planungswettbewerb um die Erweiterung der Gesamtschule und des Hallenbads ist abgeschlossen
Eins, zwei oder drei?

Verl (WB). Die erste Entscheidung ist gefallen: Im Planungswettbewerb um die Erweiterung der Gesamtschule und den Neubau des Hallenbades gibt es einen Sieger. Doch wie Bad und Schule künftig aussehen, ist noch offen.

Donnerstag, 07.03.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 08:02 Uhr
Transparent: Die Gebäude der Gesamtschule sollen laut der Arbeit des Gewinners eine Glasfassade erhalten, ebenso wie das Hallenbad.

Übersichtliche Gesamtanlage und kurze Wege: Das Konzept hat die Jury überzeugt. Vorgelegt hat es das Unternehmen »4a Architekten« aus Stuttgart. Sie haben den Wettbewerb und ein Preisgeld von 60.000 Euro gewonnen. Am Mittwoch war die Preisverleihung.

So plant der Gewinner

Die Vorstellungen des Siegers: Der Schulbau erhält ein Atrium, um das sich die Klassenräume gruppieren. Die ehemalige Realschule und die Werkräume der Hauptschule werden zurückgebaut. Alle übrigen Bereiche einschließlich des Verbindungsbaus bleiben erhalten. Die Hauptschule wird im Bereich der ehemaligen Werkräume aufgestockt.

Hier gibt’s die Modelle zu sehen

Die Wettbewerbsergebnisse werden im Rathaus der Stadt Verl präsentiert. Die Ausstellung ist bis zum 20. März zugänglich. Die Öffnungszeiten:

• Montag bis Mittwoch, von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 Uhr bis 17 Uhr.

• Donnerstag, von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 Uhr bis 18 Uhr

• Freitag, von 8 Uhr bis 12.30 Uhr

• Samstag, von 9.30 Uhr bis 12 Uhr

...

Der Verbindungsbau erhält über drei Geschosse Klassenräume. Der neue Haupteingang ist neben dem freigestellten Mensagebäude. Die Jury lobte bei der Preisverleihung vor allem die Idee eines verglasten Foyers. Zu transparent findet sie die Fassade des Hallenbades. Durch die Positionierung der Schwimmhalle parallel zum Friedhofsweg werde laut Jury die Verbindung vom Kühlmannplatz zur Schule betont.

In dem Preisgericht waren Bürgermeister Esken, Erster Beigeordneter Heribert Schönauer und Beigeordneter Thorsten Herbst sowie politische Vertreter. Zudem waren Mitarbeiter der Fachbereiche der Verwaltung vertreten. Unabhängige Architekten, Stadtplaner und Ingenieure komplettierten die Jury. Der zweite Preis ging an »FAR frohn&rojas + rheinpark_r« aus Berlin und Bochum. Die Arbeit des Büros »Schlattmeier Planungs GmbH & Co. KG« aus Herford kam auf Rang drei.

Der Sieger hat Vorsprung

Doch wer den Zuschlag für das Bauvorhaben bekommt, ist offen. »Der Sieger hat einen Vorsprung«, sagt Nina Vollmann vom Dortmunder Büro »post welters + partner«, das die Organisation der Jury und die Vorprüfung der Arbeiten übernommen hat. Nun holt sich die Stadt die Angebote der Preisträger ein. Neben dem Wettbewerbsergebnis zählen dann auch die Arbeitsweise, die Projektabwicklung oder die Baukosten als weitere Kriterien. Mitte des Jahres soll festehen, wer den Zuschlag für die Erweiterung und den Neubau bekommt.

 

Die Beurteilungen der Arbeiten

1. Preis: 4a Architekten GmbH, Stuttgart

Der Sieger-Entwurf.

Der Sieger-Entwurf.

Die Leitidee der Arbeit 4002 ist es, eine übersichtliche Gesamtanlage mit möglichst kurzen Wegen zu schaffen und durch eine zentrale Erschließung zu organisieren. Die neu zu ergänzenden Gebäudeteile sollen die vorhandene Baustruktur ergänzen und sich darüber hinaus erkennbar als neue zeitgemäße Architektur zeigen. In Anlehnung an das Gebäudekonzept des Bestandsbaus erhält der Schulneubau ein Atrium, um das sich die Klassenräume gruppieren. Zurückgebaut werden die ehemalige Realschule und die Werkräume der Hauptschule. Alle übrigen Bereiche des Bestandes einschließlich des Verbindungsbaus bleiben erhalten und werde für die neue Nutzung ertüchtigt.

Die Hauptschule wird im Bereich der ehemaligen Werkräume aufgestockt und erweitert. Der Verbindungsbau erhält über drei Geschosse Klassenräume. Der offene Zugang zum Hofbereich hinter der Mensa wird aus Sicherheitsgründen kritisch gesehen. Das neue, in zwei Höhen gestaffelte Hallenbad schließt sich mit dem niedrigeren Baukörper städtebaulich in selbstverständlicher Weise an die Bestandsstraße an und führt so über einen trapezförmigen Platzraum in den rückwärtigen Grundstücksbereich. Der vorgeschlagene Entwurf des Schulbaus organisiert die gewünschten Funktionsbereiche in sinnvoller Weise, die Verwaltung liegt richtig am Eingangsbereich, hier sind nur wenige Ergänzungen notwendig, wie zum Beispiel die Erschließung zur Schulleitung über das Sekretariat.

Von hervorragender Qualität ist das verglaste Foyer, das einen inneren Überblick ermöglicht und einen Bezug zur Straße herstellt. Hier liegt eine großzügige Treppe in einem Luftraum, die in die oberen Geschosse führt. Neben dem Eingangsfoyer liegt das pädagogische Zentrum, ebenfalls mit transparenten Wänden zum Außenbereich. Hier sollte über die Organisation der Bühne und der Nebenräume noch weiter nachgedacht werden. Auf der gegenüberliegenden Seite vom PZ führt der Weg zu den Klassenräumen, die um einen Treppenhof mit Ausblicken in die Umgebung angeordnet sind. Leider ist die Wegeführung dorthin mit wenig Fenstern versehen.

Positiv werden die vielen Nischenangebote auf den inneren Erschließungswegen bewertet. Kritisch ist jedoch das Fehlen eines Rundweges im EG und 1. OG, was zu längeren Wegen führt. Das Hallenbad ist funktional richtig organisiert, lediglich der Aufsichtraum und der Lagerraum sollten getauscht werden. Kritisch wir die völlige Transparenz der Fassade bewertet, es sollten blickdichte Maßnahmen ergriffen werden, um Außeneinsichtsmöglichkeiten zu verhindern. Die gleichen Gestaltungsprinzipien der Baukörper als Pavillons erscheinen zu lassen, mit horizontal gegliederten Fassaden sowohl im Schulbau als auch im Hallenbad erfüllen die Erwartungen einer aussagekräftigen, zeitgemäßen Architektursprache auch in der gewählten Materialität.

Freiraum

Die Arbeit bettet den Schulkomplex in einen kontinuierlichen Freiraum ein, der die städtebauliche Verbindung vom Kühlmannplatz zur Schule herstellt. Betont wird dies noch durch die Positionierung der Schwimmhalle parallel zum Friedhofsweg. Der Erweiterungsbau schiebt sich als Solitär in diesen Freiraum hinein. Die Freistellung des Mensagebäudes wird kontrovers diskutiert – während sie aus Sicht der Volumenkomposition begrüßt wird, wird die Zugänglichkeit des kleinen Hofs hinter der Mensa aus Sicherheitsgründen kritisch gesehen.

Insgesamt entstehen um den Komplex gut proportionierte Freiräume, in denen in der weiteren Ausarbeitung differenzierte Angebote für unterschiedliche Schulgruppen entstehen können. Der neue Haupteingang neben dem Mensagebäude ist durch die Lage von Fahrradständern und Baumbeet eindeutig definiert. Das Motiv der Bauminsel ist zwar ausgearbeitet, aber wenig differenziert. Städtebaulich, organisatorisch und gestalterisch erfüllt die Arbeit in besonderem Maße hohe funktionale und architektonische Standards.

2. Preis: ARGE FAR frohn&rojas + rheinpark_r, Berlin & Bochum

Die Planung des Zweitplatzierten

Die Planung des Zweitplatzierten

Die Verfasser der Arbeit prägen den Begriff der »Schulpromenade« mit deren Hilfe sie die Ordnung und Orientierung im Gesamtkonzept der neuen Gesamtschule herstellen. Entlang der Ost-West-Achse sind nachvollziehbar und gut lesbar die Haupteingänge und die wichtigen Orte der Schule und auch die des Hallenbades aufgereiht. Die Eingänge orientieren sich großzügig und richtig nach Süden und erschließen auf direktem Wege das Foyer, das PZ sowie die dreigeschossige Halle des Neubaus. Das freie Atrium, genannt Lerngarten, schafft auch innenräumlich eine jederzeit leichte Orientierung. Das PZ wird durch mobile Glaswände und optionale Hubpodeste funktional aufgewertet und gewinnt durch die Öffnung des Daches.

Der dreigeschossige Neubau, der die Klassen- und Differenzierungsräume aufnimmt, ist geprägt durch die dreigeschossige Halle sowie durch die differenzierte Gliederung der geschlossenen und offenen Räume im Klassenraum/Gruppenraum/individuelle Lernräume. Die Struktur wird kontrovers diskutiert: die vielfältigen Möglichkeiten der Differenzierung wurden gewürdigt, kritisiert wird die Kleinteiligkeit und die fehlende Übersicht, kritisiert wird auch der eingeschränkte Bezug zum Tageslicht bei den Gruppenräumen. Die Verfasser bieten für den dreigeschossigen Neubau einen konsequenten Holzbau an, der sich in einer sehr klar gegliederten aber dennoch ausreichend differenzierten Fassade darstellt. Der große Unterschnitt des südlichen Eingangs ist funktional nachvollziehbar, wird jedoch bezüglich der Raumqualität und bezüglich des Motivs der Kreuzstützen auch kritisch gesehen.

Ebenfalls kritisch wird, hinsichtlich der Sicherheitsaspekte, der offene Zugang zum Hofbereich hinter der Mensa gesehen. Das Hallenbad wird mittels der Promenade und der damit verbundenen Duchwegung in das Konzept gut integriert. Es ist gut nachvollziehbar orthogonal in den Entwurf integriert, kritisch gesehen wird jedoch der östlich entstehende dreieckige Stadtraum. Der Raum zwischen Schule und Hallenbad wiederum und auch der Bezug zum Kühlmannplatz werden gewürdigt. Die Hauptnutzebene des Hallenbades ist in das 1. OGbergeschoss verlegt, wodurch die Durchwegung ermöglicht wird. Das Konzept ist nachvollziehbar, die Frage des Einblickschutzes ist damit gelöst. Die Frage der Barrierefreiheit und die Erfordernis eines Aufzuges werden jedoch kritisch bewertet.

Freiraum

Die Arbeit versucht mit der Idee eine in Ost-West-Richtung verlaufende Schulpromenade ein ordnendes Element in dem komplexen Gebäudegefüge zu etablieren. Die Ost-West-Verbindung findet sich einerseits im Gebäudeinneren, aber auch als lineare Erschließung vor dem Gebäudekomplex. Von hier aus werden die Hauptzugänge der Gebäude erreicht. Die Darstellung der äußeren Funktionslinie bleibt dabei allerdings schematisch und geht über die grafische Darstellung nicht hinaus.

Die Freiflächen der Schule gliedern sich in den bestehenden Schulhof an der Sporthalle im Westen, dem Lerngarten im Innenhof sowie dem Schulhof zwischen Erweiterungsbau und Schwimmhalle. Die Freiräume scheinen gut und übersichtlichproportioniert, sind aber weiterhin räumlich separiert und bleiben in der Darstellung schematisch. Eine Nutzung des eher urbanen Innenhofes als Schulgarten erscheint unrealistisch. Der Eingangsbereich zur Schwimmhalle vom Friedhofsweg aus, sowie die Anordnung von Parkplätze im Grundstückszwickel können zu Konflikten mit der angrenzenden Wohnbebauung führen. Die Arbeit überzeugt vor allem durch ihr konsequentes Grundkonzept und stellt damit einen wertvollen Beitrag im Verfahren dar.

3. Preis: Schlattmeier Planungs GmbH & Co. KG, Herford

Der Entwurf des Drittplatzierten

Der Entwurf des Drittplatzierten

Die Verfasser der Arbeit 4003 verfolgten einen starken konzeptionellen Ansatz. Das heute sehr heterogene städtebauliche Gefüge des Bestandsbaues mit nutzbaren Raumzuschnitten und vielfältigen funktionalen Defiziten wird zu einem ablesbaren städtebaulichen Ensemble zusammengefasst. Die Erweiterungsflächen der Schule werden östlich an den Bestand angebunden und in das offene Oberstufenprogramm organisiert.

Zusammen mit dem Pädagogischen Zentrum, das funktional um zwei Musikräumen und die Musikarena ergänzt wird, fungiert das Forum als das neue »Herz der Schule«. Weiteres Alleinstellungsmerkmal dieser Arbeit ist der Erhalt der heutigen Aula und der angrenzenden Außenraumes. Die Aula erhält eine separate nutzbare Erschließung und Nebenräume und schafft damit zusätzlich Angebote für die Stadt Verl und externe Nutzungen. Durch den vorgelegten Aulagarten vom Schulgebäude getrennt, bildet das Hallenbad den baulichen Abschluss des Ensembles im Osten.

Sowohl in der städtebaulichen Figur als auch in der Ausbildung der Fassaden wird das Konzept der Bildung einer homogenen Figur klar und eindeutig ablesbar. Die große formale Klarheit der Arbeit und der städtebaulichen Setzung findet in der inneren Struktur und Organisation der Schule leider nicht seine Entsprechung. Die Verknüpfung von PZ, Musikräumen und Arena wirken als Barriere für ein sinnfällige Organisation der Grundrisse. Der Haupteingang ist sehr weit im westlichen Gebäudeteil angeordnet und zusätzlich durch die aus Sicht der Jury falsch positionierten Lehrerräume von den Erweiterungsflächen räumlich getrennt.

Dadurch ergeben sich unklaren Wegebeziehungen und eine schwierige Orientierung. Die Flure scheinen darüber hinaus zu klein dimensioniert. Eine intuitive und sinnfähige Verknüpfung der Bereiche scheint nur bedingt gegeben. Das Hallenbad ist sehr gut organisiert und verfügt über zusätzliche, attraktive Außenfläche, die eine besondere Qualität dieser Arbeit darstellen.

Freiraum

Die Arbeit setzt im Freiraum auf ein in Ost-West-Richtung verlaufendes Erschließungsband, von dem aus die wichtigsten Zugänge erreicht werden. Parallel dazu verläuft eine offene überdachte Verbindung zwischen Schulbau und Schwimmhalle. Neben dem bestehenden Schulhof im Osten entsteht ein neuer Innenhof, in den die Stufenanlage der Musikarena hinein ragt, sowie ein Freiraum zwischen Schulgebäude und Hallenbad. Die Flächen sind nicht verbunden und die als Schulhof nutzbare Fläche scheint zu gering dimensioniert, da der westliche Freiraum als mit Hecken eingefasste »Relaxzone« eher der Schwimmhalle zugeordnet ist.

Die Zuordnung der Außenbereiche zum Hallenbad überzeugen nicht. Die Fläche zwischen Schulgebäude um alter Schwimmhalle ist zum größten Teil durch Fahrradstellplätze belegt. Die in den Obergeschossen dargestellten begrünten Dachflächen sind mit der im Schnitt dargestellten extensiven Dachbegrünung nicht als Aufenthaltsflächen konzipiert. Insgesamt erscheint das Freiraumkonzept der Arbeit zu gering. Die in der Grundrissgrafik suggerierte großzügige Musikarena ist durch drei Raumabtrennungen unterteilt und in der Realität schwer als räumliche Einheit erlebbar. Insgesamt ein guter und klarer konzeptioneller Ansatz, der jedoch in der Struktur und Organisation größere Schwächen offenbart.

 

 

 

 

 

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