Vortrag zum Wandel des Zusammenlebens der Generationen
Viele Ältere auf sich gestellt

Verl (WB). 95 Prozent der Deutschen möchten den Lebensabend zuhause im Kreise der Familie verbringen. Einer Studie zufolge leben jedoch aktuell etwa 50 Prozent der über 85-Jährigen in Pflegeheimen. Über Wunsch und Wirklichkeit, sowie die ideale Versorgung im Alter sprach Bernd Meißnest im Rahmen des Verler Gesundheitsforums.

Freitag, 08.02.2019, 11:42 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 11:50 Uhr
Experten für Vorsorge: Sandra Hasenbein (Fachbereich Soziales der Stadt), Bernd Meißnest und Dr. Anke Reinisch (VHS). Foto: Alexandra Wittke

Das Thema ist aktuell. Bereits am Montag war der ärztliche Leiter des Zentrums für Altersmedizin und Chefarzt an der LWL-Klinik Gütersloh in Verl zu Besuch. Im Rahmen der Diskussion um den Bau einer Seniorenresidenz in Sürenheide hatte er von seinen Erfahrungen im Umgang mit älteren, pflegebedürftigen Patienten berichtet. Die Frage, was genau Versorgung im Alter bedeutet und wie man die Voraussetzungen dafür schafft, waren nun das zentrale Thema.

Idealer Ort

Ein Blick 2000 Kilometer gen Süden lohne sich, meinte Meißnest zu Beginn seines gut andert­halbstündigen Vortrags. »Dort gibt es das, was wir hier in Deutschland schon lange nicht mehr haben, nun aber wieder mühsam aufbauen müssen.« Gemeint sind die Marktplätze in Barcelona, Rimini oder Rom. Orte, an denen sich Menschen treffen, sich austauschen und neue Kontakte knüpfen können. »Da sitzen die Älteren und spielen Karten, während Mütter mit ihren Säuglingen spazieren gehen und die älteren Kinder am Brunnen plantschen«, erzählte Meißnest. Ein idealer Ort also, »um am Leben teilzunehmen«. Denn gerade das sei ein wichtiger Faktor für die Älteren.

Zusammenleben geändert

Tatsächlich habe sich das Zusammenleben der Generationen gewandelt. Während es früher unausgesprochen, aber dennoch klar gewesen sei, wer für die Versorgung der Alten zuständig ist, habe die demografische Entwicklung dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen im Alter auf sich allein gestellt sind. Pflegeangebote, Reha-Maßnahmen und Dinge des täglichen Lebens müssten aber, so Meißnest in seinem Vortrag, leicht erreichbar sein. »Der Aktionsradius jedes Einzelnen beträgt etwa drei Kilometer«. Eine »Ghettoisierung«, wie es etwa von Befürwortern der Residenz in Sürenheide befürchtet würde, sei daher ein »falscher Ansatz«.

Medizinische Versorgung

Eine weitere Herausforderung sei die Sicherstellung einer ganzheitlichen, medizinischen Versorgung, die den Blick auf den Patienten richte und seine individuellen Bedürfnisse in den Fokus stelle. Bestimmte Alterungsprozesse wie etwa eine nachlassende Konzentration, Gedächtnisschwierigkeiten oder eine abnehmende Bewegungsfähigkeit seien – in einem gewissen Rahmen – normal. Schwierig sei es allerdings, die normalen Alterserscheinungen von den wirklichen Erkrankungen zu unterscheiden. Nur eine kompetente medizinische Versorgung könne hier helfen. Tatsächlich, so Meißnest, »stellen wir aber fest, dass die Anzahl der Arztbesuche mit steigendem Alter und fortschreitender Krankheit eher abnimmt«.

Im Kreis Gütersloh und speziell in Verl sei man, was die Pflege bedeutet, auf einem guten Weg. Beispiele für Begegnungsstätten und Aktivitätszentren für Senioren gebe es auch andernorts zuhauf. Wichtig sei nun – und da waren sich auch die Zuhörer einig –, dass Vorhaben diskutiert, Vorschläge eingebracht und Einrichtungen errichtet würden.

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