Ehemaliger Landrat Franz-Josef Balke wird 80 Jahre alt
Sein Abgang bleibt in Erinnerung

Verl (WB). Franz-Josef Balke wird am Mittwoch, 6. Februar, 80 Jahre alt. Er war der letzte ehrenamtliche Landrat des Kreises Gütersloh, sechs Jahre lang, von 1988 bis 1994. Mit einem Paukenschlag hat er sich aus seinem Amt verabschiedet: Bei der Wahl seines Nachfolgers, des ersten hauptamtlichen Landrates, gab CDU-Mann Balke seine Stimme der SPD-Kandidatin Ursula Bolte.

Mittwoch, 06.02.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 08:00 Uhr
Franz-Josef Balke wird heute 80 Jahre alt. Das Bild zeigt ihn vor seinem Meisterstück, einem Schrank. Balke war einige Jahre als Tischler selbstständig. Foto: Matthias Kleemann

Bolte wurde Landrätin, durch Losentscheid nach einem Stimmenpatt. Um Balke ist es danach still geworden. Immerhin gehörte er noch bis zum Jahr 2000 dem Landtag an und erhielt dort im Oktober 1998 das Bundesverdienstkreuz. Und sein Engagement für die Partnerschaft des Kreises Gütersloh mit Valmiera ist im September 2013 mit dem lettischen Verdienstkreuz vierter Klasse, der höchsten Ordensstufe für einen Ausländer, belohnt worden.

Die Anfänge der Partnerschaft fallen in Balkes Amtszeit, eine turbulente Zeit. Es wurde um die Müllentsorgung diskutiert. Eine Müllverbrennungsanlage sollte in Gütersloh gebaut werden, später auf der Marburg in Rheda-Wiedenbrück. »Die Fronten waren verhärtet«, erinnert Balke sich. Er habe versucht, vermittelnd zu handeln.

Das war auch seine Intention, als es darum ging, den Neubau des Kreishauses in Gütersloh umzusetzen und voranzutreiben. Rivalitäten zwischen den ehemaligen Altkreisen hatten solche Pläne immer wieder verzögert, Balke gab den Anstoß, endlich Taten folgen zu lassen.

Rivalitäten

Rivalitäten gab es nicht nur zwischen Nord- und Südkreis, auch innerhalb der CDU-Fraktion. »Es gab eine stramme Hackordnung«, erinnert sich Balke, der 1973 in den Kreistag gewählt wurde. »Die neuen, jungen Abgeordneten mussten hinten sitzen. Ich bin aber schnell aufgerückt.« Vor seiner Wahl zum Landrat war er bereits der Stellvertreter seines Vorgängers, Fritz Ostmeyer.

Dr. Gregor Johannwille aus Verl führte die CDU-Kreistagsfraktion mit eiserner Hand. Als Oberkreisdirektor Dr. Werner Sturzenhecker starb, wollte auch Ostmeyer nicht mehr weitermachen. Günter Kozlowski wurde neuer OKD und Balke Landrat. »Am Anfang lief es gut«, erzählt Balke. Später habe es immer häufiger Meinungsverschiedenheiten gegeben. »Kozlowski meinte, der Kreistag habe das Verwaltungshandeln mitzutragen.« Das habe ihm nicht gepasst, so Balke, was letztlich den Ausschlag für sein Verhalten bei der Wahl des ersten hauptamtlichen Landrats gab.

Franz-Josef Balke ist gebürtiger Paderborner, wächst jedoch in Sende und im Bielefelder Süden auf. Es ist Krieg. Der Vater arbeitet bei Windel und die Familie zieht von einer Wohnung in die nächste. »Ich bin auf fünf Volksschulen gegangen«, sagt Balke. Zuletzt landet er auf der Grundheideschule. »Da waren tolle Lehrer.« Nach der neunten Klasse macht er 1954 seinen Abschluss und geht bei einer Bautischlerei in Friedrichsdorf in die Lehre. Die Bundeswehrzeit kommt dazwischen (»Ich war der einzige meines Jahrgangs, der gezogen wurde.«), aber Balke ist ehrgeizig, arbeitet bei einem Möbeltischler im Bielefelder Süden und besucht die Meisterschule auf der Sparrenburg.

Im Außendienst

1963 macht er seine Meisterprüfung. Da hat er schon seine künftige Ehefrau Ida aus Verl kennen gelernt. Die beiden heiraten, und auf dem Grundstück der Schwiegereltern an der Sender Straße macht Balke sich zusammen mit einem Kompagnon selbstständig. Die Firma läuft gut, bis der Kollege Anfang der 70er-Jahre andere Pläne hat. Balke gibt den Betrieb auf und arbeitet einige Jahre bei der Firma Hülshörster in Lette als Handelsvertreter, ab 1975 ist er bei Münkel (Rollläden und Fenster) 25 Jahre im Außendienst. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter und lebt seit 2002 am Strothweg.

Sprungbrett für die Parteikarriere des Handwerkers ist die Mitgliedschaft in der Kolpingsfamilie, wo er schnell in den Vorstand aufrückt. 1965 tritt er in die CDU ein, dem Stadtrat in Verl gehört er von 1975 bis 1990 an, dem Landtag in Düsseldorf von 1990 bis 2000, die letzten fünf Jahre als Mitglied des Präsidiums. Den Geburtstag feiert Franz-Josef Balke groß mit Nachbarn und Freunden.

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