Mehrheit im Bauausschuss lehnt 50-Euro-Idee der SPD ab
Osterfeuer weiter ohne Gebühr

Verl (WB). Knapp 80 Osterfeuer in Verl sind zu viele. Da sind sich alle Fraktionen einig. Jedes Jahr verschwinden Teile von Verl unter einer Dunstwolke. Bei der Frage, wie die Zahl reduziert werden kann, sind die Parteien aber uneins. Die Mehrheit findet eine Anmeldegebühr von 50 Euro, wie sie die SPD vorgeschlagen hat, unsinnig.

Samstag, 02.02.2019, 11:45 Uhr aktualisiert: 02.02.2019, 12:00 Uhr
Schöner Brauch oder illegales Entsorgen von Gartenabfall? Die Meinungen gehen auseinander. Die Zahl der Osterfeuer in Verl ist wieder gestiegen: Waren es 2017 noch 70, so sind es 2018 knapp 80 gewesen. Eine Dunstwolke über Verl ist jedes Jahr zu sehen. Foto: dpa

Jährlich grüßt das Murmeltier: So könnte die Geschichte rund um die Osterfeuer in Verl betitelt werden. »Seit 30 oder 50 Jahren sprechen wir hier über das Thema«, sagte Helmut Kaltefleiter (CDU). »Und wir haben es immer noch nicht geschafft, hier zusammen was daran zu ändern«, entgegnete Doris Clasbrummel (SPD).

Anlass der erneuten Diskussion um die Osterfeuer ist ein Antrag der SPD-Fraktion im Bauausschuss, in dem sie unter anderem eine Anmeldegebühr von 50 Euro für jedes Osterfeuer in der Stadt fordert. »Oftmals wird dieser schöne Brauch dafür genutzt, Schnittgut und andere Sachen zu verbrennen«, heißt es in dem Antrag. Darin gaben die meisten Ausschussmitglieder den Sozialdemokraten recht. Die vorgeschlagene Maßnahme passte den übrigen Parteien allerdings nicht. »Das Ziel ist gut, aber mit dem Weg dahin über Verbote sind wir nicht einverstanden«, sagte Matthias Humpert (CDU). Und sein Parteikollege Kaltefleiter murmelte empört: »Der Punkt mit den 50 Euro geht gar nicht.« Laut fügte er hinzu: »Wir machen hier einen Popanz bei dem Thema, unglaublich.«

Zahl der Osterfeuer eindämmen

In der Sache an sich sind auch die Christdemokraten dafür, die Zahl der Osterfeuer einzudämmen. Ihr Vorschlag: Der Klimaschutzmanager der Stadt, Dr. Fabian Humpert, solle sich des Themas annehmen und eine Strategie ausarbeiten, wie mit verschiedenen Maßnahmen das Bewusstsein der Bürger geschärft werden können bei dem Thema, damit die Zahl der Osterfeuer nicht mehr so ausufert wie aktuell. Denn die Zahl der Feuer ist wieder gestiegen: Waren es 2017 noch 70, so sind es im vergangenen Jahr 77 gewesen.

Auch Ortsheimatpfleger Matthias Holzmeier sprach von einer »Dunstwolke über der Stadt« und dass man auch über die Größe der Osterfeuer nachdenken solle. Burkhard Reineke (SPD) sprach aus Erfahrung: »Es kann doch kein Brauchtum mehr sein, wenn bei mir in der Nachbarschaft auf einem Kilometer acht Osterfeuer abgebrannt werden.« Parteikollegin Clasbrummel fügte hinzu: »Ich habe noch keine andere Stadt erlebt, in der so viele Osterfeuer abgebrannt werden wie in Verl.«

Knapp 80 Osterfeuer

Der erste Beigeordnete Heribert Schönauer sah es ähnlich: »Vieles wird unter dem Begriff Brauchtum versteckt.« Und Beigeordneter Thorsten Herbst machte keinen Hehl daraus, dass »die Zahl von knapp 80 Osterfeuern einfach zu hoch« sei. Schönauer brachte zudem die Meinung der Mehrheit und den größten Kritikpunkt am SPD-Antrag auf den Punkt: »50 Euro Anmeldegebühr schrecken keinen ab.«

Am Ende der Sitzung stimmte nur die SPD für den Antrag aus ihren Reihen. Alle anderen Parteien stimmten dem abgespeckten und ergänzten Antrag zu, der eine Onlineanmeldung ins Spiel bringt und den Klimaschutzmanager Fabian Humpert mit ins Boot holt. Dieser nahm den Auftrag gerne auf, goss aber gleich Wasser in den Wein: »Alleine mit PR wird sich die Zahl der Osterfeuer nicht eindämmen lassen.«

Und schon jetzt gehen wohl alle Parteien jede Wette ein, dass sich der Bauausschuss auch in einem Jahr bei den Haushaltsberatungen wieder mit den Osterfeuern in der Stadt beschäftigen wird.

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