Der Verler Christian Loska wirbt um Verständnis für seinen Berufsstand – mit Video Dieser Lkw-Fahrer will nicht immer der Buhmann sein

Verl (WB). Christian Loska (49) kann sie nicht mehr hören – die ewigen Klagen über Lkw-Fahrer wie ihn. Mit deutlichen Worten wirbt er deshalb um Verständnis für seine Zunft.

Von Jan Gruhn
Christian Loska fährt Lkw. Er ist es eigenen Angaben zufolge gewohnt, angefeindet zu werden.
Christian Loska fährt Lkw. Er ist es eigenen Angaben zufolge gewohnt, angefeindet zu werden. Foto: Jan Gruhn

»Tödliche Gefahr im Nacken – Abgelenkte Lkw-Fahrer sind größtes Problem für Straßenwärter«, so lautete die Schlagzeile in dieser Zeitung, die das Fass für Loska zum Überlaufen brachte. Zu lesen war sie am 26. September. Loskas Vorwurf: In der öffentlichen Debatte um Verkehrssicherheit werden die Lkw-Fahrer beinahe reflexhaft zu Buhmännern erklärt. Nicht nur von der Politik, auch von Verbänden, Behörden und Medien. Doch nach der Meinung der Beschuldigten frage niemand. »Jeder kann meckern, aber der Kleinste hält am Ende den Hintern hin«, so formuliert es Loska.

Schon sein Vater sei Lkw gefahren, erklärt Loska. Er ist gerade auf einer Tour in Richtung Versmold. »Deshalb wollte ich auch immer nur fahren.« Mittlerweile ist er aber nicht mehr im Fernverkehr, sondern für die Verler Baustoffspedition Pähler in OWL und Niedersachsen unterwegs. 2000 Kilometer pro Woche. In der restlichen Zeit arbeitet er auf dem Hof der Spedition. Es ist noch früh, die Sonne geht gerade auf. Über den Äckern hängt Nebel. »Solche Momente sind natürlich schön«, gibt Loska zu. »Aber mit Cowboy­romantik hat der Job nicht mehr viel zu tun.«

»Da giltst du einfach als Störfaktor«

Als Lkw-Fahrer sei er Hass­objekt für viele Autofahrer. »Beim Abladen zum Beispiel«, sagt Loska. »Da giltst du einfach als Störfaktor.« Deshalb muss es schnell gehen, der Zeitdruck ist groß. Auch hier, in einem Neubaugebiet in Versmold. Mit dem Kran wuchtet Loska mehrere Paletten Klinker neben einen Rohbau. Dabei blockiert er die Straße. Doch heute ist nicht viel los, nur der Fahrer eines anderen Baufahrzeugs muss kurz warten. Doch im Berufsverkehr seien Hup-Serenaden, Beschimpfungen und ungeduldige Drängler die Regel. »Die Fahrkultur hat nachgelassen«, sagt Loska.

Aber auch mit seinen Kollegen geht der durchtrainierte Verler, der optisch nicht ins Klischee des übergewichtigen Fernfahrers passt, ins Gericht. »Klar, es gibt viele, die hier hinter der Scheibe alles zugehängt haben«, sagt der gelernte Kfz-Mechatroniker, als er wieder hinterm Lenkrad sitzt. »Eben weil sie Fernsehen gucken, am Handy spielen oder weiß ich was machen.« Wäre es an ihm, würde er solche »schwarzen Schafe gleich rauswinken«. Gleiches gelte für Kollegen, die die Raststätten völlig zugemüllt hinterlassen oder es zum Pinkeln nicht mal in die Häuschen schaffen. Besonders die Fahrer aus Osteuropa seien ein Problem, sagt Loska. »Aber bei denen sind das auch Arbeitsbedingungen wie auf einer Galeere. Die bekommen wenig Geld.«

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Wenn ich mich auf einer Party als Spediteur oute, dann bekomme ich erst mal Haue.

Christian Loska

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Es sei falsch, alle Fahrer über einen Kamm zu scheren, sagt Loskas Chef Matthias Pähler. Aber es stimme schon, dass der Beruf ein Imageproblem habe. »Wenn ich mich auf einer Party als Spediteur oute, dann bekommen ich erst mal Haue.« Immer diese vielen Lkw, die Unfälle bauen und Staus verursachen, so lauteten die Vorwürfe. Pähler stimmt jedoch teilweise zu, dass der Schwerlastenverkehr die Infrastruktur überlaste. Aber für ihn liegt das Problem auf Seiten der Kunden. »Wenn die etwas bestellen, dann wollen sie es möglichst schnell haben.« Die Folgen seien jeden Tag auf den Straßen zu beobachten.

Loska sagt, dass niemand Schwerlastverkehr wolle, doch jeder darauf angewiesen sei. »Klar, was kümmert es die Leute, wenn der Lkw steht?«, fragt er zynisch. Das tue auf den ersten Blick nicht weh. »Aber wenn die letzte Klopapierrolle im Halter hängt...«

Von Versmold aus geht’s für ihn weiter nach Bad Laer. Klinker beim Großhändler aufladen. Die Ampel springt gerade auf Grün, da zieht von hinten ein Caddy an Loskas Lkw vorbei. Quer über die Linksabbiegerspur, über mehrere durchgezogene Linien. Nur mit Glück kommt es nicht zum Kontakt mit dem Gegenverkehr. Es wird die einzige gefährliche Situation an diesem Tag bleiben. Aber solche Szenen meine er. Am Ende hätte es dann wieder geheißen: »Unfall mit Lkw«.

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