Leidenschaftliche Sammler treffen sich beim Kaunitzer Spielzeugmarkt »Im Inneren Kind bleiben«

Verl-Kaunitz (WB). Als Robert Groß (47) beginnt, von seiner Modelleisenbahn zu erzählen, leuchten seine Augen. Er gerät ins Schwärmen.

Von Manuela Fortmeier
An seinem Stand kommen echte »Freaks« ins Staunen: Aussteller Knut Pappe zeigt den Besuchern Gregor Heikenfeld und Axel Niehling, wie es aussieht, wenn ein Profi ein Modellhaus zusammenbaut und nicht ein Tüpfelchen Kleber zu sehen ist.
An seinem Stand kommen echte »Freaks« ins Staunen: Aussteller Knut Pappe zeigt den Besuchern Gregor Heikenfeld und Axel Niehling, wie es aussieht, wenn ein Profi ein Modellhaus zusammenbaut und nicht ein Tüpfelchen Kleber zu sehen ist. Foto: Manuela Fortmeier

Er erzählt von seinen außergewöhnlichen Lokomotiven wie einer Tri Plex oder den Wiking-Autos, die er seiner Tante aus der Sammlung seines Onkels nach dessen Tod abgekauft hat. Und trotzdem ist die Liste der Wünsche zur Erweiterung seiner Anlage noch lang. Beim Modelleisenbahn- und Spielzeugmarkt in Kaunitz findet der Sauerländer reichlich Material, nachdem er lange gesucht hat – Schienen und Oberleitungen, zwei volle Tüten.

Für den Feinmechaniker für Sondermaschinen ist sein Hobby der perfekte Ausgleich zum schnelllebigen Alltag. Schon mit sieben Jahren sei er von Eisenbahnen und Schienen in Miniaturausgabe fasziniert gewesen. Märklin H0 muss es sein, originalgetreu, versteht sich. Ein »Nietenzähler«, der mit einem Längenmaßstab nachmisst, sei er aber nicht. »Ein kleines Vermögen« habe er in sein Hobby investiert.

Noch in diesem Jahr der 100. Spielzeugmarkt

Mit seiner Spielzeug-Sammelleidenschaft steht er aber nicht alleine. »Da gibt es viele, die Modelleisenbahnen, alte Modellautos, Motorräder, Puppen, oder andere Raritäten sammeln«, weiß Joachim Eilers, Organisator des Modelleisenbahn- und Spielzeugmarktes. Zumeist seien es Männer, die das vierzigste Lebensjahr bereits überschritten haben, die ihre Freude an der Modelleisenbahn leben. Noch in diesem Jahr wird der 76-Jährige, der den mehr als 30 Jahre existierenden Spielzeugmarkt vor 13 Jahren übernommen hat, zum 100. Markt einladen. »Dazu lasse ich mir etwas einfallen«, kündigt er an.

Und während die Aussteller an diesem Tag aus Frankfurt, Hamburg Berlin, Wuppertal, Kassel, oder Berlin kommen, haben auch die Besucher weite Fahrten auf sich genommen – wie Gregor Heikenfeld. Auch er ist Modelleisenbahner aus Leidenschaft, war im Berufsleben Kameramann. Er und sein Freund Axel Niehling haben früher alles nur gesammelt. Jetzt haben sie endlich die Muße, auch alles aufzubauen.

Wer sich auskennt, kommt nicht am Stand von Knut Pappe aus Wuppertal vorbei. Ein Blick, und die echten »Freaks« wissen, was sie bei ihm in den Händen halten. Schon sein Opa war Lokomotivführer, sein Onkel war es auch und sein Vater arbeitete in einem Stellwerk. Es gebe Kunden, die Anlagen im Wert von einigen hunderttausend Euro besitzen.

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»Künstler kaufen Legofiguren oft, um sie später in eine Skulptur umzusetzen.«

Michael Stallmann

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Ein Stand, der viele anzieht, ist der von Michael Stallmann, der Legosteine, aber auch Faller-Modelleisenbahnen in die ganze Welt verkauft. »Künstler kaufen Legofiguren oft, um sie später in eine Skulptur umzusetzen.« Dabei seien vielfach tausende Legosteine notwendig. So kennt Stallmann eine Familie aus Herford, die aus Legosteinen die Insel Langeoog nachgebaut hat. Die Frage, was sein Leben mit dem Handel von altem Spielzeug ausmacht, beantwortet er so: »Ich will tief im Inneren Kind bleiben, offen für Neues und Überraschungen sein.«

So wie der neunjährige Lauren. Ihm hat seine Mutter auf dem Spielzeugmarkt in Kaunitz gerade ein Mercedes-Modellauto gekauft, das er stolz in Händen hält. Das Bild bei Groß und Klein ist dasselbe: Lauren strahlt mindestens genauso wie die älteren Semester.

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