Rudelsingen von »Tulpen aus Amsterdam« über »SOS« bis hin zu »Perfect« Der spontanste Chor der Stadt

Verl (WB). Freitagabend, 19.30 Uhr. Jubel brandet auf, David Rauterberg betritt die Bühne des Pädagogischen Zentrums. Direkt schallt es stimmgewaltig aus hunderten Kehlen: »Music was my first love«. Kein Zweifel: Wer hier ist, will singen. Bereits zum vierten Mal hieß es Rudelsingen in Verl.

Von Jan Hermann Ruthmann

Menschen jeden Alters singen gemeinsam Volkslieder, Oldies und modernen Chartpop. Der Zulauf ist gewaltig. Insgesamt 25 Lieder stimmt Rauterberg, der Initiator des Rudelsingens, mit seinem Pianisten Matthias Schneider an. Auf »Music« von John Miles, was als Einstieg nur zur Hälfte ge­sungen wird, folgt Deutschrock. »Altes Fieber« von den Toten Hosen passe perfekt zum Rudelsingen, sagt Rauterberg: »Denn es geht nie vorüber, dieses alte Fieber, was immer dann hochkommt, wenn wir zusammen sind.« Beim Rudelsingen werden auch Lieder angestimmt, mit denen keiner rechnet wie »Veronika, der Lenz ist da«. Bei »Tulpen aus Amsterdam« wird zum Schunkeln eingeladen. Ein gewaltiges Bild. Ebenso bei Gilbert o’Sullivans »Get down«. Immer wenn die Wörter »Get down« kommen, machen die Sänger eine Kniebeuge.

Valentinos »Im Wagen vor mir« liebt man oder man hasst es. In Verl wird es im Duett gesungen. Die Männer singen den Text des schwärmenden Mannes, die Frauen den des jungen Mädchens. Ein Spaß für alle Beteiligten.

Karnevalsfans brechen in Jubel aus, als der Text zu »Leev Marie« von den Paveiern auf die große Leinwand projiziert wird. Auch die Region OWL wird als Schmiede besonderer Texte nicht vergessen. Hannes Wader aus Bielefeld singt »Heute hier, morgen dort.« Dieses Lied steht ebenso auf dem Programm wie das italienische Volkslied »Funicoli, funicola«.

Das Programm wird in drei ­Blöcke aufgeteilt mit zwei Pausen. Die brauche man, um sich mit seinem Nachbarn auszutauschen, meint David Rauterberg. Ulrike Trapphoff, Bettina Meier, Sandra Mettenborg, Sabine Riewenherm, Nicola Brink und Andrea Klues sind nicht zum ersten Mal dabei. »Jedes Jahr ist es der Hammer«, sind sie sich einig. Gerne hätten sie wieder etwas von Mark Forster gesungen. Der war dieses Jahr nicht Teil des Programms.

Irmgard Avenwedde und Hermann Werhahn sind Mitglieder im Chor »S(w)inging Voices«, die für das Rudelsingen sogar ihre Chorprobe haben ausfallen lassen. Hermann Werhahn verrät: »David Rauterberg ist gewissermaßen der Chef des Rudelsingens, denn es gibt verschiedene Teams die durch Städte reisen. Ihm gefällt es hier so toll, dass er jedes Jahr wieder selbst hierherkommt.« Peter und Doris Johann-Vorderbrüggen sind zum ersten Mal dabei. »Einfach super. Für meine Frau ist es wahrscheinlich furchtbar, weil ich nicht singen kann. Aber Hauptsache, es macht Spaß«, sagt Peter Johann-Vorderbrüggen lachend.

Bei jedem Rudelsingen sind zwei Bands vertreten: Die Beatles und ABBA, diesmal mit »With a little Help from my Friends« und »SOS«. David Rauterberg: »Wir haben mal beschlossen, wir singen so lange ABBA-Hits, bis sie sich wieder vereinigen.« Nach zweieinhalb Stunden drehen die Verler noch einmal richtig auf. »Perfect« von Ed Sheeran wird mit aufwendigem Lyric-Video untermalt, Mary Hopkins »Those were the Days« soll Schlusslied sein.

Bei Westernhagens »Freiheit« als Zugabe flammen die Feuerzeuge, leuchten die Handytaschenlampen. Ein großer Abend des spontansten Chores in ganz Verl geht zu Ende.

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