Nur 50 Zuhörer bei VHS-Lesung von Guido Knopp in der Kreissparkasse Mr. History zu Gast am Ölbach

Verl (WB). Geschichte hat ein Gesicht: Professor Guido Knopp. Seit Jahrzehnten lässt er im ZDF Geschichtsunterricht anschaulich werden. Auf Einladung der Volkshochschule kam er in die Kreissparkasse Verl, um beim VHS-Forum aus seiner Autobiografie »Mein Leben« zu lesen.

Von Jan Hermann Ruthmann
Publikumsnah: Nach der Lesung signiert Guido Knopp (rechts) noch die Bücher seiner Zuhörer.
Publikumsnah: Nach der Lesung signiert Guido Knopp (rechts) noch die Bücher seiner Zuhörer. Foto: Jan Hermann Ruthmann

Etwa 50 Zuschauer kommen. Guido Knopp beginnt ganz am Anfang seiner Karriere: In der Schule wird er mit der »bayrischen Apartheid« konfrontiert: Weil er evangelisch war, musste er auf eine andere Toilette gehen als die katholischen Schüler. Offen erzählt er, dass er durchs Abitur gefallen ist, die 13. Klasse wiederholt hat, um im darauffolgenden Jahr seine Schullaufbahn mit einem Abitur von 1,4 zu beschließen.

Mit 17 Jahren nahm er einen Nebenjob bei einer Brauerei an. Damals war es üblich, dass die Fahrer bei jedem Kunden einen halben Liter Bier bekamen. Nach 20 Kunden lieferte ihn der Fahrer am Ende seines ersten Tages stockbetrunken Zuhause ab.

Wirklich interessant sind diese Erzählungen aus seiner Jugend nicht zwingend, für Knopp scheinen es wichtige Erfahrungen gewesen zu sein, ansonsten hätte er sie wohl kaum in seiner Biografie aufgeschrieben. Nach einem Studium in Frankfurt und Würzburg sowie Anstellungen bei der »Bild am Sonntag« und der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« leitete er ab 1980 Sendungen beim ZDF.

Mehr als 70 Mal ist er für seine Arbeit nach Russland gefahren. Dort konnte er lernen, dass die Anzahl der Telefone auf dem Schreibtisch zeigt, wie viel Macht derjenige hat, der hinter dem Schreibtisch sitzt.

In den 1990er- Jahren musste er 25.000 Schweizer Franken an die russische Mafia zahlen, damit sie die Produktion einer Sendereihe nicht gefährdete. Die unterschiedlichsten Dinge hat Knopp in Russland erlebt. So hat er ein Interview im Katharinenzimmer des Kremls nur drehen dürfen, weil er 20 Kärcher-Staubsauger von Frankfurt nach Moskau brachte (wir berichteten im Interview mit Knopp).

Besonders ist ihm die Nacht des Mauerfalls in Erinnerung geblieben. Er saß zuhause und verfolgte in der ARD die Liveberichte aus Berlin, während im ZDF eine Sendung von ihm lief. Niemand hatte anscheinend die Kompetenz, darüber zu entscheiden, ob man beim Programm bleiben oder live von der Maueröffnung berichten sollte. »Es war die schönste Nacht der deutschen Geschichte und die schwärzeste des ZDF«, sagt Knopp schmunzelnd.

Während seiner Arbeit durfte er alle Kanzler außer Konrad Adenauer interviewen. Auch internationale Politiker hat er getroffen, Michail Gorbatschow sieben Mal.

Auch im weiteren Verlauf gewinnt die Lesung nicht richtig an Fahrt, plätschert vor sich hin, so dass man sich wundert, dass eine Stunde so schnell umgehen kann. Irgendwie hat es Knopp dann am Ende aber doch geschafft, die Zuhörer mit seiner Art zu lesen in seinen Bann zu ziehen.

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