Die Josef Henkenjohann GmbH ist eine Verler Erfolgsgeschichte Mit Fräse und Drehbank fing alles an

Verl (WB). Von der Garagenwerkstatt zum florierenden Unternehmen mit 140 Mitarbeitern: So könnte die Kurzversion der Firmengeschichte der Josef Henkenjohann GmbH lauten. Mit einer Kettenradfabrik im Ortszentrum von Verl fing alles an.

Von Kerstin Eigendorf
So hat alles begonnen – in einer kleinen Werkstatt am Friedhofsweg in Verl. Heute beschäftigt die Josef Henkenjohann GmbH 140 Mitarbeiter.
So hat alles begonnen – in einer kleinen Werkstatt am Friedhofsweg in Verl. Heute beschäftigt die Josef Henkenjohann GmbH 140 Mitarbeiter.

Nein, nicht ganz richtig. Eigentlich fing alles mit einer Fräse und einer Drehbank an. Die hatte August Friedrich Hark, der Besitzer eines Stahlkettenbetriebes in Gütersloh, seinem Mitarbeiter Josef Henkenjohann als eine Art Darlehen überlassen. So konnte Henkenjohann dann 1956 seine eigene Firma – eine Kettenradfabrik - gründen, an der Paderborner Straße 6 mitten in Verl.

Bereits zwei Jahre später wird es dort zu klein und es geht zum Friedhofsweg in die Alte Molkerei. 1962 sind es bereits bis zu zehn Angestellte, und das Unternehmen wächst immer weiter. Josef Henkenjohann baut an der Eiserstraße, gleich nebenan zieht sein Wegbegleiter Heinz Brummel mit Schwager Siegfried Siggemann ihr Firmengebäude hoch. Brummel und Henkenjohann werden lebenslang Weggefährten bleiben.

Mehr Sänger denn Metaller

1957 steigt Josef Henkenjohanns Sohn Reinhold mit 19 in die Firma ein. Er ist eher ein künstlerischer Typ, mehr Sänger denn Metaller. Doch er stellt sich in den Dienst der Familie. Und bringt so manch abenteuerlich anmutende Idee ein. 1968 gründet er eine Springbrunnenbau-Firma gemeinsam mit Siegfried Siggemann.

Alleine die Anschaffung einer Wasserorgel kostet ihn 35.000 Mark, eine unglaubliche Summe für diesen Exkurs in ungewohntes Gefilde. Die Idee: Der Springbrunnen mit Wasserorgelbetrieb wird vermietet, und das Geld kommt durch den Vertrieb von Pumpen rein. Ganz so erfolgreich läuft es nicht, dafür beschert die Wasserorgel den Henkenjohanns einen Märchenwald in Berlebeck. Denn die dort eingebaute Wasserorgel können die Besitzer nicht bezahlen, und somit werden die Henkenjohanns und Siggemanns Pächter eines Märchenwaldes als Gegenleistung.

»Ich erinnere mich, dass Firmenmitarbeiter im Märchenwald gearbeitet haben, an guten Tagen kamen mehr als 1000 Besucher«, sagt Anja Henkenjohann, Enkelin des Firmengründers. Sie ist im Unternehmen nicht nur Sprecherin der Familie, sondern auch in der Personalabteilung Ansprechpartnerin – vor allem für die Auszubildenden, die ihr am Herzen liegen und fast alle übernommen werden. Sie kann sich auch noch gut an die zehn Jahre erinnern, in denen ihr Vater das Kleinschwimmbecken in Verl immer dienstags mietete für das Betriebsschwimmen. »Auf diese Weise haben auch wir Kinder schwimmen gelernt«, erzählt sie.

Umzug an den Kapellenweg

Doch zurück zum Kerngeschäft: 1967 zieht sich Josef Henkenjohann aus dem gut laufenden Unternehmen zurück. 1987 wird eine Fertigung am Kapellenweg 44 in Betrieb genommen, die bis heute existiert. 2012/13 zieht das Unternehmen an den neuen, heutigen Firmensitz am Kapellenweg 41. Auf 7000 Quadratmetern Produktionsfläche wird hier ein Jahresumsatz von etwa 17 Millionen Euro gemacht.

Mittlerweile wird das 1992 zur GmbH umgewandelte Unternehmen von zwei Geschäftsführern – Bernhard Bartnick und Ralf Marzinkewitsch – geleitet, die zusammen mit der Gründerfamilie und Stefan Koch auch Gesellschafter sind. Aus der Garagenfirma ist ein Systemanbieter von Antriebstechnik geworden, der alle Branchen im Bereich Maschinenbau beliefert. Die Technik aus dem Hause Josef Henkenjohann findet sich überall: in landwirtschaftlichen Produkten, Windrädern, U-Bahnen, aber auch in Achterbahnen und Hebebühnen im Theater.

Bernhard Bartnick fasst es mit einem Augenzwinkern zusammen: »Es dreht sich ja eigentlich überall etwas.« Und bei der Firma Josef Henkenjohann gilt das seit mehr als 60 Jahren.

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