Ortsheimatpfleger Holzmeier möchte Vermittler und Mahner sein Nicht Doktor Allwissend

Verl (WB). Matthias Holzmeier ist im Rat einstimmig zum Ortsheimatpfleger gewählt worden. Im Gespräch mit dieser Zeitung spricht der Verler über seine neue Aufgabe und setzt sich Ziele.

Von Andreas Berenbrinker
Matthias Holzmeiers Elternhaus war die alte Schmiede, die sich bis 1982 an der Hauptstraße befand und wo nun das Schuhhaus »Peppermint« steht. Auch der Aspekt, dass sich Verl stark verändert hat, habe ihn bestärkt, Ortsheimatpfleger zu werden.
Matthias Holzmeiers Elternhaus war die alte Schmiede, die sich bis 1982 an der Hauptstraße befand und wo nun das Schuhhaus »Peppermint« steht. Auch der Aspekt, dass sich Verl stark verändert hat, habe ihn bestärkt, Ortsheimatpfleger zu werden. Foto: Berenbrinker

Einige Jahre war das Amt vakant. Nun gibt es mit dem gebürtigem Verler Matthias Holzmeier wieder einen Ortsheimatpfleger. Das Aufgabenfeld bezeichnet Holzmeier, der seit seiner Jugend im Heimatverein aktiv ist und schon einige Jahre Vorstandsarbeit verrichtet, als sehr breit. Zu seinen Sachgebieten gehören Natur und Landschaft, Ortsgeschichte, Boden- und Baudenkmalpflege, Volkskunde, Schrifttum, die Brauchtumspflege sowie die Jugendarbeit und die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen, Kirchen und der Kommune. Eine enorme Fülle, aber Matthias Holzmeier gibt sich bescheiden. »Ich bin mit Sicherheit nicht Doktor Allwissend.« Er sieht sich als erste Anlaufstation und Vermittler. »Wenn ich selbst über ein Thema nicht genau Bescheid weiß, dann kenne ich zumindest denjenigen, der sich bestimmt auskennt.«

Natürlich hat der gelernte Landschaftsgärtnermeister und Agrartechniker für Umweltschutz auch Spezialgebiete, die er einbringen möchte. So liegt Holzmeier die Ortskerngestaltung sehr am Herzen. »Die Zukunft der Bürmschen Wiese, ein Naherholungskonzept, die Umgestaltung am Verler See, ein fußläufige Verbindung am Ölbach entlang vom Mühlgrund bis zur Sürenheide: Das sind interessante Dinge«, sagt Holzmeier. Auch den Ausbau des Radwegenetzes möchte er begleiten.

Gerade beim Thema Ortskern greift Holzmeier auf enormes historisches Wissen zurück – zum Beispiel bei der Nutzung des Denkmalplatzes. Der wurde vor dem ersten Weltkrieg nur unter der Bedingung der Kirche an das Amt Verl verkauft, den Platz für alle Zeiten von der Nutzung profaner Zwecke freizuhalten. »Ein Karussell zur Kirmes fällt wohl unter diese Kategorie«, sagt Holzmeier.

Sehr wichtig ist Holzmeier der Denkmalschutz generell. Hier seien in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden. »Das 1648 gebaute Zweiständerhaus am Meierhof hätte man nicht abreißen müssen«, sagt er und meint damit das Haus, das zwischenzeitlich als Getränke-Scheune diente.

Der Angestellte der Umweltbetriebe Bielefeld hat schon weitere Gebäude im Blick, die er unter Schutz stellen würde. »Aber das ist noch nichts für die Öffentlichkeit«, betont er. Generell müsse man das kulturelle Erbe erhalten. Dazu gehöre der Denkmalschutz, aber auch die plattdeutsche Sprache sowie Natur und Landschaft. So gehe der Bestand des Kiebitzes (»Der Charaktervogel im Verler Land«) weiter zurück. »Solche Dinge treiben mich um.«

Als Ortsheimatpfleger sitzt Holzmeier als sachverständiger Bürger im 14-köpfigen Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Stadt. »Ich möchte mitgestalten und auch mahnen«, sagt er – wohl wissend, dass er polarisieren könnte. »Ich bin in Entscheidungsprozesse eingebunden, möchte Impulse geben und Aspekte einbringen, die ansonsten vielleicht vergessen würden.« Eine Stimme hat er im Ausschuss nicht. »Und das ist auch richtig so«, sagt er. Die politische Zusammensetzung sei schließlich von den Bürgern bestimmt worden. Die erste Ausschusssitzung als Ortsheimatpfleger besucht er Mitte April.

Gewählt wurde Holzmeier als Ortsheimatpfleger für fünf Jahre. Mitglied als sachverständiger Bürger im Bau- und Planungsausschuss ist er aber zunächst nur bis zum Ende der Wahlperiode. Nach der Kommunalwahl 2020 wird der Ausschuss neu besetzt und dann muss erneut über seine Mitgliedschaft abgestimmt werden.

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