Delphos-Partnerschaft: Frithjof Meißner macht nach 25 Jahren Schluss Die Geschichte einer Freundschaft

Verl-Kaunitz (WB). Im Sommer ist endgültig Schluss. Die amerikanisch-deutsche Tour durch Norddeutschland wird Frithjof Meißner noch planen und mitmachen, danach will er die Betreuung der Partnerschaft zwischen Delphos und Verl in andere Hände legen.

Von Andreas Berenbrinker
Fast 25 Jahre lang hat der Kaunitzer Frithjof Meißner die Städtepartnerschaft zwischen Verl und Delphos betreut. Mit dem Besuch der Amerikaner im Sommer 2018 endet sein Engagement. Im Rathaus Verl wird nach einem Nachfolger gesucht.
Fast 25 Jahre lang hat der Kaunitzer Frithjof Meißner die Städtepartnerschaft zwischen Verl und Delphos betreut. Mit dem Besuch der Amerikaner im Sommer 2018 endet sein Engagement. Im Rathaus Verl wird nach einem Nachfolger gesucht. Foto: Andreas Berenbrinker

Die Geschichte reicht bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1993 konnte es Frithjof Meißner (62) kaum glauben. Seine Ehefrau Christine sollte eine Ahnin des Stadtgründers von Delphos in Ohio sein.

Und tatsächlich: Es stellte sich heraus, dass der ausgewanderte Johannes Otto Bredeick vom selben Hof wie Christine Meißner stammte und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten Verls Partnerstadt Delphos gründete. Bredeick, auf dem heutigen Hof Meermeier an der Lindenstraße aufgewachsen, war zuvor Domkapitular in Osnabrück und reagierte auf die bittere Armut in seiner Heimat.

Das Herz gehört Delphos

Gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand organisierte er die Auswanderung – die »Stadt der Freunde« (Delphos) wurde gegründet. Über einen langen Zeitraum ahnte in Osnabrück und Verl niemand etwas von dieser außergewöhnlichen Geschichte.

Bis 1993 zwei Ehepaare aus Delphos den Hof sehen wollten, auf dem ihr Stadtgründer geboren wurde. Durch seine familiären Bande zu der Hofstelle nahm sich der pensionierte Englisch-, Italienisch-, Französisch- und Informatiklehrer der Sache an. Eine privat organisierte Freundschaft zwischen Verl und Delphos entstand. »Schon 1995 sind wir mit einer Gruppe des Heimatvereins rüber in die USA geflogen und haben uns Delphos angeschaut«, erinnert sich Meißner. Im Laufe der vergangenen fast 25 Jahre habe er Städte wie New York, Washington oder San Francisco gesehen. »Aber das Herz gehörte Delphos.«

Eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Verl und Delphos wurde im Rathaus zunächst kritisch gesehen. Meißner: »Das war sehr schwierig, man konnte sich mit unserem Anliegen nicht anfreunden.« Ein Argument sei gewesen, dass das Droste-Haus genug internationale Beziehungen pflege. Am 2. November 1998 fiel im Rathaus dann doch die Entscheidung, eine Partnerschaft einzugehen, die Urkunden wurden am 31. März 1999 in Ohio unterzeichnet.

Noch kein Nachfolger gefunden

Für Frithjof Meißner bedeutet diese Verbindung mehr als eine Partnerschaft. »Es sind viele Freundschaften entstanden, der persönliche Kontakt ist uns sehr wichtig«, so der Kaunitzer. Auch seine Kinder seien über längere Zeiträume in Delphos gewesen. Meißner: »Sie sind als Kinder gegangen und als junge Erwachsene heimgekehrt.« Der Schüleraustausch sei sowieso immer wichtig gewesen, sagt er. Seit 1995 seien gut 60 Verler Schüler für mehrere Monate in dem Städtchen mit etwa 7000 Einwohnern gewesen.

»Eigentlich wollte ich nach un­serem USA-Besuch 2017 aufhören, aber der Bürgermeister hat mich überzeugt, bis 2018 weiterzumachen.« Nach der Tour durch Norddeutschland wird er die Arbeit in andere Hände geben. »Aber bisher haben wir noch keinen Nachfolger gefunden.« Bestenfalls soll der Nachfolger – auch ein Team ist möglich – aus dem Heimatverein kommen. »Gelingt dies nicht, hat mir Herr Esken versichert, dass sich die Stadt der Sache annehmen wird«, so Meißner, der große Fußstapfen hinterlässt.

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