Reporter berichten über junges Paar auf der Flucht nach Europa Titelseite des Time-Magazins zeigt syrische Familie aus Verl

Verl (WB). Sie haben es auf die Titelseite des weltbekannten Time-Magazins geschafft. Gerissen hat sich Nour Altallaa nicht darum. Reporter haben die Syrerin und ihren Mann auf der Flucht nach Europa begleitet – bis nach Verl.

Von Kerstin Eigendorf
Fühlen sich in einem der Schwedenhäuser in Verl wohl: Nour Altallaa und Yousef Alarsan mit Tochter Rahaf. Die Familie zeigt die Titelseite des Time-Magazins, auf dem die 23-Jährige mit ihrer einjährigen Tochter in Verl zu sehen ist.
Fühlen sich in einem der Schwedenhäuser in Verl wohl: Nour Altallaa und Yousef Alarsan mit Tochter Rahaf. Die Familie zeigt die Titelseite des Time-Magazins, auf dem die 23-Jährige mit ihrer einjährigen Tochter in Verl zu sehen ist. Foto: Kerstin Eigendorf

Seit November sind sie in Verl. Sie haben einen langen Weg hinter sich. Flucht aus Syrien über die Türkei nach Griechenland – Nour Altallaa ist damals schwanger.

Tochter kommt im Flüchtlingscamp zur Welt

Eineinhalb Jahre in einem griechischen Flüchtlingscamp folgen. »Es war grausam, man spürt trotz aller Hoffnungen immer wieder eine solche Wut«, sagt ihr Mann Yousef Alarsan auf Arabisch. Es sei kalt gewesen.

Besonders schlimm für die neugeborene Tochter Rahaf, die in dieser Zeit zur Welt kommt. Das ist auch der Grund, weshalb das Time-Magazine auf die Familie aufmerksam wird. Reporter besichtigen das Camp, suchen nach Frauen, die hochschwanger sind.

Reporter begleiten junge Familien

Sie wollen drei junge Familien begleiten auf ihrer Flucht und ihrem Weg in Europa. Und so ziert die europäische Weihnachtsausgabe des Magazins ein Foto aus Verl, auf dem Nour Altallaa und ihre Tochter Rahaf zu sehen sind, die vor Kurzem ein Jahr als geworden ist. Es hat etwa eine halbe Million Auflage.

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Deutsch lernen ist sehr schwer, aber es ist der einzige Weg, um irgendwann einmal einen Job zu bekommen.

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Beim Anblick dieses friedvollen Fotos, auf dem die Mutter ihrer Tochter sanft ein Küsschen auf die Wange gibt, erinnert nichts mehr an das, was die jungen Eltern in ihrer Heimat erlebt haben. »Syrien ist Krieg, Bomben, Tote«, sagt Yousef Alarsan. Er soll zum Militär eingezogen werden und weigert sich, seine Frau studiert Wirtschaftsmanagement und protestierte gegen das Regime von Bashar al-Assad. Was folgt, kann sich jeder vorstellen, der weiß, was ein diktatorisches Regime an brutalen Mitteln hat, um Menschen zu unterdrücken. »Es blieb nur noch die Flucht«, sagt Nour Altallaa.

Hoffnung und Sorge sind ständige Begleiter

Seit diesem Tag begleiten sie Hoffnung und Sorge zugleich. »Einerseits war die Aussage von Kanzlerin Angela Merkel, dass jeder willkommen ist in Deutschland eine große Hoffnung, andererseits haben wir unsere Familien in Syrien zurückgelassen«, erzählt die 23-Jährige. Aber die Aussicht, dass ihre damals noch ungeborene Tochter in einer Welt ohne Krieg und Gewalt aufwachsen könne, habe sie beide angetrieben.

Kampf mit der deutschen Sprache ist hart

Wenn sie von Deutschland spricht, hört man heraus, dass sie froh ist, in einem sicheren Land zu sein. »Es ist schön hier, die Menschen in Verl sind so nett«, sagt Nour Altallaa. Doch der Kampf mit der deutschen Sprache ist hart. Im Treffpunkt »Grenzenlos« lernt sie Deutsch. »Das ist so schwer«, gibt sie zu. Ihr Mann hofft, dass er bald eine Schule besuchen kann oder einen Job bekommt.

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Ohne die deutsche Sprache zu beherrschen, ist das nahezu unmöglich

Yousef Alarsan

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Sechs Monate dürfe seine Familie noch in Deutschland bleiben – erst einmal, sagt Yousef Alarsan. Was danach komme, wisse er nicht.

Deutschland sei der Ort, »an dem wir leben wollen«, sagen sie. Und fügen leiser hinzu: »Zumindest solange es in unserer Heimat Syrien so ist, wie es ist.«

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