Neue Praxis von Dr. Verena Folkers lockt Patienten Dr. Verena Folkers: »Ich bin keine Landärztin«

Verl-Sürenheide (WB). Seit gerade mal einem Monat hat Dr. Verena Folkers ihre Praxis in Sürenheide geöffnet – und weiß nicht mehr wohin mit den Patienten. Der 42-jährige Verlerin sieht sich nicht als »Landärztin«, weiß aber um die Probleme der medizinischen Versorgung in der Region. Kritik übt sie unter anderem an der Ausbildungsstruktur.

Von Jan Gruhn
Dr. Verena Folkers ist seit etwa einem Monat in ihrer Praxis in Verl-Sürenheide – und schon kommen viele Patienten.
Dr. Verena Folkers ist seit etwa einem Monat in ihrer Praxis in Verl-Sürenheide – und schon kommen viele Patienten. Foto: Jan Gruhn

»Hier ist die Ärztedichte noch recht hoch«, meint Folkers. »Landärzte sind eher die Leute im Sauerland, die richtig lange Anfahrtszeiten haben.« Trotzdem lässt sich am Patientenzustrom ablesen, wie nötig eine neue Hausärztin im Verler Ortsteil war. »Ich hatte den Eindruck, viele Sürenheider haben gewartet, dass ich komme.«

Einige Patienten müssen warten

Das hatte die vierfache Mutter bereits im November 2015 bekannt gegeben: Seit Juni 2014 fehlte ein Allgemeinmediziner, Folkers wollte die Leerstelle füllen – doch die Praxis im Gebäude, in dem auch ein Nahversorger untergebracht ist, war noch nicht fertig. So lange praktizierte sie in Verl.

Die Patienten hätten den Umzug zum Teil mitvollzogen, aber auch viele neue kommen hinzu. Diejenigen, die zurzeit noch einen Hausarzt haben, aber in Folkers’ Praxis wechseln wollen, musste die Medizinerin bereits aufs nächste Quartal vertrösten.

Zweiter Arzt auf dem Weg

Sie hat in Münster mit dem Studium begonnen, es später in Lübeck fortgesetzt und dort auch gearbeitet. 2006 ging es zurück in den Kreis Gütersloh, ins St.-Vinzenz-Hospital in Rheda-Wiedenbrück. Ihr Grund, den Klinikdienst aufzugeben und sich niederzulassen: die Kinder. »Man kann hier deutlich besser leben als in der Stadt«, sagt Folkers mit Blick auf Mediziner-Hochburgen wie Münster.

Und sie will ihre Praxis demnächst sogar noch erweitern: Ein Weiterbildungsassistent – ein Mediziner auf dem Weg zum Facharzt – soll bald mit anpacken. Folkers hat schon einen Kandidaten im Auge, er kommt sogar aus der Gegend. Im besten Fall soll er später als Partner in den Betrieb einsteigen. Damit wäre die Hausärzteversorgung in Sürenheide für die nächsten Jahrzehnte erst einmal sichergestellt.

Folkers kritisiert Zugangsvoraussetzungen

Doch nicht überall finden sich bereitwillig Kandidaten. Das weiß auch Folkers. Das sei auch ein Ergebnis falscher Ausbildungsstrukturen. »Die Zulassungsvoraussetzungen fürs Studium sind vollkommen irrsinnig«, moniert die ausgebildete Diabetologin. Rein komme nur, wer einen Noten-Schnitt von 1,0 habe. »Und worauf kommt es in der Schule an? Auf Schön-Schreiben und gute Heftführung.« Handwerkliches Geschick würde nicht belohnt, ebenso wenig Einfühlungsvermögen oder Sensibilität.

Zudem warnt die 42-Jährige davor, medizinische Zentren als Allheilmittel anzusehen: Auch im Verler Rat wurde so ein Modell, in dem Ärzte vorwiegend angestellt arbeiten, diskutiert. Viele ihrer Kollegen wollen aber immer noch selbstständig tätig sein, verrät Folkers. Auf der anderen Seite sei so ein Arbeitsverhältnis natürlich familien-unfreundlich.

Wichtig: Chirurgen

Den Bedarf an Fachärzten sieht die Frau, die ihr Abitur am Verler Gymnasium abgelegt hat, soweit als gedeckt an. Wichtig sei ihr für die Zukunft, dass sich mehr Chirurgen für eine Niederlassung entscheiden. Es sei nicht gut, wenn man dafür immer in den nächsten Ort fahren müsse. Zumindest in Sachen Hausärztin hat sich das für die Sürenheider erst mal erledigt.

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