Verlerin schreibt Buch über Landhausgärten – gegen die barocke Strenge Von der Sehnsucht nach Grün

Verl (WB/jmg). Den Pflanzen Raum bieten, sie nicht in ein enges Korsett zwängen: Landhausgärten sind der Gegenentwurf zum akkuraten Barock-Stil. Die Verlerin Daniela Toman hat dem Traum vieler Hobbygärtner ein ganzes Buch gewidmet.

Daniela Toman präsentiert das Werk: Es soll kein Rezeptbuch für einen schönen Garten sein, sondern Inspirationsquelle.
Daniela Toman präsentiert das Werk: Es soll kein Rezeptbuch für einen schönen Garten sein, sondern Inspirationsquelle. Foto: Jan Gruhn

Ja, es gibt sie. Diese schlimmen Klischees: die kniehohen Hecken in Bauerngärten, die den Fußweg von den Nutzpflanzen trennen. Oder die bepflanzte Schubkarre. Auch wenn die Accessoires unter Umstände die Grenze zum Kitsch streifen: Landhausgärten sind modern. »Seit zwei, drei Jahren sind sie en vogue«, sagt Daniela Toman (46).

Menschen in den Städten suchten Ausgleich zum urbanen Grau

Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsarchitektur muss es wissen. Zusammen mit Autoren-Kollegin Karin Stückemann hat sie alles Wissenswerte zu den Pflanzen des Landhausgartens in einem Buch zusammengefasst. »Landhausgärten: Rendezvous mit bewährten Klassikern. Pflanzenporträts – Gartenpraxis – Kreative Ideen« ist vor wenigen Wochen im Busse-Verlag erschienen.

Es ist die Sehnsucht nach Grün, die während der Zeit der Indus­trialisierung aufkam. Die Menschen in den Städten suchten Ausgleich zum urbanen Grau. »Der Gütersloher Stadtpark ist ein klassisches Beispiel«, erklärt Toman. Der Landhausgarten steht für die Rückkehr in die Natur, zurück zum Ursprung. Kein Wunder, denn seine Wurzeln hat er in England, wo sich Gartenbesitzer vom Barock verabschiedeten. Der Barock machte sich die Pflanzen untertan, genau wie die Royalität das Volk. Neben Erholung bedeutet der Landhaus-Stil also auch: Umwälzung der Gesellschaft.

»Es ist zur Sucht geworden«

Es ist nicht das erste Buch der gebürtigen Friedrichsdorferin, die auch Gartenfotografie betreibt und darin sogar Kurse gibt. Doch es ist das erste Mal, dass sie die Texte selbst geschrieben hat. Zuvor sei ihr Stil knapp und bündig gewesen, eher wissenschaftlich, gesteht die 46-Jährige. Aber mit dem neuen Werk hat sie sich auch ins blumige Schreiben verliebt. »Es ist zur Sucht geworden«, gibt sie zu. Die Fotos, vorwiegend im Kreis Gütersloh aufgenommen, haben sowohl Toman als auch Stückemann beigesteuert, letztere war zuständig für das Layout.

»Ein ›Do-it-yourself‹-Buch ist es nicht«, meint Toman. »Das wollten wir auch nicht.« Wer eine Art Rezept-Sammlung für den schönen Garten sucht, muss sich woanders umschauen. Vielmehr geht es ums Schmökern, Genießen und davon, vom eigenen Garten zu träumen. Inspiration liefern die farbenprächtigen Bilder genug. Der Inhalt ist durch die Pflanzenarten gegliedert. »Hier haben wir zum Beispiel das Thema Leitstaude«, sagt Toman und schlägt das Buch auf. Was macht die Pflanze aus? Welche Pflanz- und Pflegeeigenschaften hat sie?

Persönliche Geheimtipps

Ein paar ganz persönliche Geheimtipps für einen schicken, kleinen Landhausgarten verrät die Autorin dann aber doch noch. »Es gehört auf jeden Fall ein blühendes Gehölz in den Garten.« Es muss kein Baum sein, bei wenig Fläche reicht auch ein etwas größerer Strauch. Ein Spalier an der Wand, an dem vielleicht eine Rose wachsen kann, ist wichtig. »Es geht darum, Räume zu schaffen«, erklärt Toman, auch in Richtung Himmel. Und mit Accessoires lasse sich gut arbeiten. »Aber man muss immer schauen, dass es nicht kitschig wird«, mahnt die Fachfrau. Doch letztlich ist auch Gartenmode eine Geschmackssache. Erlaubt ist, was gefällt.

Das Buch

»Landhausgärten: Rendezvous mit bewährten Klassikern. Pflanzenporträts – Gartenpraxis – Kreative Ideen« von Daniela Toman und Karin Stückemann ist im Busse-Verlag erschienen und kostet 19,95 Euro. Es ist unter anderem erhältlich in der WESTFALEN-BLATT-Geschäftsstelle in Gütersloh, Strengerstraße 16 bis 18.

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