Hilfe für Nina Schmidt: Labrador-Pudel-Mischling erhält eine Ausbildung zum Diabetiker-Warnhund »Frau Holle« ist bald unverzichtbar

Verl (WB). Interessiert blickt der Labradoodle hoch zu seinem Frauchen. Alles ist okay – also legt sich der Hund in seine Lieblingsecke und döst ein bisschen vor sich hin. Dem treuen Vierbeiner ist nicht bewusst, wie wichtig er für Nina Schmidt ist. Die Verlerin leidet an Diabetes, ihre »Frau Holle« wird zum Diabetiker-Warnhund ausgebildet.

Von Andreas Berenbrinker
Labradoodle-Hündin »Frau Holle« trägt ein leuchtendes Spezialgeschirr, das sie als Assistenzhund ausweist. Mit ihrem Hund darf Nina Schmidt auch in Supermärkte oder Restaurants. Auch zur Arbeit nach Gütersloh begleitet »Frau Holle« ihr an Diabetes erkranktes Frauchen.
Labradoodle-Hündin »Frau Holle« trägt ein leuchtendes Spezialgeschirr, das sie als Assistenzhund ausweist. Mit ihrem Hund darf Nina Schmidt auch in Supermärkte oder Restaurants. Auch zur Arbeit nach Gütersloh begleitet »Frau Holle« ihr an Diabetes erkranktes Frauchen. Foto: Andreas Berenbrinker

Seit ihrem elften Lebensjahr weiß die Verlerin Nina Schmidt (36), dass sie an Diabetes mellitus Typ eins leidet, einer Autoimmunstörung. Hierbei erkennt der Körper die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse als Fremdkörper und stößt sie ab, so dass in der Drüse kein Insulin mehr produziert wird.

Angst vor Krampfanfall

»Meinem Vater ist damals aufgefallen, dass ich ständig Durst hatte und sehr viel getrunken habe«, erzählt Nina Schmidt, »der Urintest aus der Apotheke schlug sofort voll aus und es ging schnell zum Arzt.« Im Krankenhaus wurde die Insulinzufuhr eingestellt. Das Insulin schließt die Zellen auf, um Zucker hineinzulassen, der dann in Energie umgewandelt wird.

Geschieht dies nicht, fließt der Zucker sofort mit dem Urin ab. Jahrelang lebte Nina Schmidt mit ihrer Krankheit und spritzte, heute trägt sie eine programmierte Pumpe am Körper, die Insulin abgibt. »Aber meine Diabetes ist sehr zickig und lässt sich schwer einstellen«, sagt Nina Schmidt, die oft Angst vor Unterzuckerung und einem damit verbundenen Krampfanfall hat.

Seit Februar mit Hund

Immer im Gefrierfach: Fetzen von T-Shirts, die Nina Schmidt während einer Unterzuckerung getragen hat. Labradoodle-Hündin »Frau Holle« riecht die körperliche Veränderung und soll Alarm schlagen.

Seit Februar gehört ein Hund zu der Familie mit Nina Schmidt, ihrem Ehemann René und der kleinen Tochter Lilly (20 Monate). Der Labradoodle ist eine Mischung aus einem Pudel und einem Labrador, bekam wegen seines Aussehens den Namen »Frau Holle« verpasst und wird nun zum Assistenzhund für Nina Schmidt ausgebildet.

»Wir haben uns ganz bewusst für diese Hündin entschieden«, sagt die Marketingleiterin, die bei der Firma Hermann Sewerin in Gütersloh angestellt ist. »Ein Pudel gilt als sehr intelligent und lernfähig, ein Labrador wird häufig als Assistenzhund eingesetzt und möchte dem Herrchen von Natur aus gefallen.«

Geruchssinn ist wichtig

Mit Hilfe der Hundetrainerin Sula Waßen aus Herdecke bildet Nina Schmidt ihre Hündin in Etappen aus. Der Geruchssinn von »Frau Holle« spielt hier eine große Rolle. Zum Training benutzt Nina Schmidt tiefgefrorene Fetzen von T-Shirts, die sie während einer Unterzuckerung getragen hat. Im ersten Schritt hat »Frau Holle« die Textilien nicht nur gerochen, sondern auch gesehen.

Sobald der Hund angeschlagen hat, gab es eine leckere Belohnung. »Mittlerweile verstecke ich die Fetzen aber auch schon unterm Shirt oder hinter meinem Rücken, und sie erriecht sie dennoch«, freut sich Nina Schmidt, die ihrem Labradoo­dle nun geduldig die nächsten Schritte beibringt. »Wenn ›Frau Holle‹ merkt, dass ich Hilfe brauche, soll sie mir einen Beutel mit Traubenzucker und ein Blut­zuckertestgerät bringen.«

Hund drückt Taster

Der letzte Schritt wird sein, dass der Assistenzhund bei Not einen Funkklingeltaster drücken kann, um Hilfe zu rufen. »Da kann man zum Beispiel eine Funkklingel an einer Hotelrezeption abgeben«, erklärt Nina Schmidt. »Spürt der Hund meine Not, drückt er den Taster im Zimmer, und von der Rezeption aus kann ein Krankenwagen gerufen werden.«

Diesen Schritt lernt »Frau Holle«, indem sie spielerisch auf eine Frisbeescheibe klopft, die nach und nach kleiner geschnitten wird und letztlich sehr klein ist. Sehr wichtig sei, dass die Labradoodle-Hündin sich bemerkbar macht, indem sie Nina Schmidt bei Unterzuckerung leicht kratzt. Nina Schmidt: »Zurzeit stelle ich mir noch zweimal pro Nacht den Wecker. Mit der Beruhigung durch den Hund kann ich dann hoffentlich besser schlafen.«

Infos auf der Homepage

Laut Trainerin Sula Waßen macht »Frau Holle«, die im vergangenen Dezember zur Welt kam, große Fortschritte. Nach einem halben Jahr Ausbildung sollte sie anzeigen, wenn ihr Frauchen unterzuckert ist. »Aber natürlich ist es ein Tier und keine Maschine«, sagt Nina Schmidt, die in ihren Labradoodle nicht nur einen Assistenzhund, sondern einen Familienhund und Spielgefährten für ihre Tochter Lilly sieht.

Die Fortschritte der Ausbildung von »Frau Holle« dokumentiert Nina Schmidt übrigens ausführlich auf ihrer Homepage .

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