Zum Weltfrauentag veröffentlichen Frauen der SPD Steinhagen ein Video – Thema wird politisch aufgegriffen
Weiter kämpfen für Gleichstellung

Steinahgen (WB) -

Deutschland hat seit 16 Jahren eine Kanzlerin, Steinhagen seit November eine Bürgermeisterin – doch das sind einsame Spitzen.

Sonntag, 07.03.2021, 17:36 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 17:40 Uhr

Auch noch mehr als 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts und damit der Staatsbürgerrechte für Frauen besteht eine Kluft zwischen Gleichberechtigung de jure und Gleichstellung de facto. „Nur 27 Prozent der Abgeordneten im NRW-Landtag sind Frauen“, hat SPD-Ratsdame Sabine Nolting jüngst beim NRW-Paritätsgipfel erfahren. Und nicht nur das: „Frauen sind auf allen Ebenen unterrepräsentiert.“

Die Steinhagener SPD will das zumindest in ihrem Einflussbereich ein Stück weit ändern. Zum Auftakt gehen Frauen aus dem Ortsverein an diesem Montag anlässlich des Weltfrauentages an diesem 8. März mit einem Videoclip online: Auf der Homepage der SPD Steinhagen und in den Sozialen Medien machen sie deutlich, welche Themen ihnen am Herzen liegen: „Weil freie Berufswahl ein Grundrecht ist“, „Weil die Entscheidung für Familie nicht in Altersarmut enden darf“, „Weil gleiche Arbeit gleicher Lohn bedeuten muss“, „Weil es zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt“ und „Weil Frauen in der Politik unverzichtbar sind“ – das sind nur einige Beispiele.

Ein wichtiges aktuelles Moment, warum es sich zu kämpfen lohnt, ist: „Weil Frauen die Corona-Krise hauptverantwortlich mittragen.“ Gerade in der Pandemie zeige sich die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen besonders deutlich, wie SPD-Ratsdame Hildegard Fuest sagt. Denn Frauen verdienen erheblich weniger als Männer – weil sie bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit häufig schlechter bezahlt werden, weil sie vermehrt im Einzelhandel und in sozialen Berufen arbeiten, die ein geringeres Einkommensniveau haben, oder weil sie vermehrt in Teilzeit beschäftigt sind. „Da trifft auch Kurzarbeit besonders die Schlecht-Bezahlten“, so Fuest. Davon abgesehen: „Ein Pflegeberuf muss ausreichen, um eine Familie zu ernähren“, fordert sie auch im Hinblick auf Bekämpfung der Altersarmut.

Frauen tragen in Corona-Zeiten zudem die volle Mehrbelastung durch Homeschooling und geschlossene Kitas. Und sie brauchen auch in „normalen“ Zeiten die Entlastung etwa durch die Betreuungsmöglichkeiten in Kita und OGS.

„Es braucht auch weibliche Vorbilder“, sagt Bürgermeisterin Sarah Süß, die deutlich macht, dass eine Frau in diesem Amt nicht normal ist: „Unter den Vertretern der 18 Kommunen unserer Regiopol-Region bin ich die einzige Frau.“ Die Vorbilder gibt es etwa mit den heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Elvan Korkmaz-Emre und Wiebke Esdar durchaus. Und mit der früheren Landrätin und Landtagsabgeordneten Ursula Bolte und der langjährigen Fraktionsvorsitzenden Sabine Godejohann hat gerade die Steinhagener SPD starke Frauen. Und sie setzt auch im aktuellen Gemeinderat die Parität um: sechs Frauen, sieben Männer – und in der 22-köpfigen Fraktion sind es je elf Frauen und Männer.

Doch tatsächlich bräuchten Frauen mehr Unterstützung, um politisch tätig sein zu können – und zu wollen. Verena Venjakob ist junge Mutter und hat in der Corona-Krise zu schätzen gelernt, dass so viele Sitzungen online oder hybrid abgelaufen sind. „Selbst bei der Haushaltsklausur hat das funktioniert. Und so musste ich gar nicht aus dem Haus.“ Ihr Wunsch: das Digitale beibehalten. Und Sabine Nolting betont die Willkommenskultur für Frauen in ihrem Ortsverein.

Frauen Mut zusprechen, ihre Fähigkeiten zu erkennen und diese zu nutzen, wünscht sich Hildegard Fuest. Doch Ratsmitglied Gabriele Hartleif, hauptberuflich Grundschullehrerin, kritisiert: „Warum muss man Frauen überhaupt Mut zusprechen, zu ihren Fähigkeiten zu stehen? Man muss vielmehr gegen die tief sitzenden Rollenbilder vorgehen. Mütter erziehen ihre Töchter auch heute noch anders als ihre Söhne.“ Also: Da ansetzen, wo Erziehung stattfindet und wo die Erzieher*innen ausgebildet werden – in den Unis.

Sie benennt ein weiteres Problem: „Dass wir nicht gleichberechtigt sind, sehen viele nicht.“ Es geht also darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Und daran sollte nach Meinung von Hildegard Fuest die Steinhagener Gleichstellungsstelle noch erheblich mehr Anteil haben: „In anderen Städten gibt es ganz andere Angebote, um Mädchen und Jungen zu zeigen, was in der Zukunft relevant ist.“

Das Engagement der SPD-Frauen soll über den Internationalen Frauentag weit hinaus reichen. Projekte und Anträge, um das Thema auch in die Tagespolitik zu bringen, sind in Planung.

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