Was sagen die Fraktionen zu den Entwürfen für einen Gewerbepark an der Waldbadstraße 88?
Gut für Steinhagen, aber nicht transparent

Steinhagen (WB) -

Die Unternehmensgruppe Hagedorn in Gütersloh will das 50.000 Quadratmeter große Gronemeyer&Banck-Areal an der Waldbadstraße 88 mit einem Gewerbepark reaktivieren – die ersten Entwürfe liegen jetzt vor und sind vom Kreis mit einem Vorbescheid genehmigt worden. Wie kommen Planung und Entwürfe bei den Fraktionen an? Das WESTFALEN-BLATT hat nachgefragt.

Donnerstag, 04.03.2021, 19:49 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 20:16 Uhr
Die Räumung an der Waldbadstraße 88 ist weit fortgeschritten: Nur noch Gebäudehüllen stehen. Hagedorn macht Platz für den Gewerbepark. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Die CDU findet das Engagement von Hagedorn grundsätzlich gut für Steinhagen, wie Fraktionsvorsitzende Dr. Mechthild Frentrup sagt. „,Recyceln‘ ist ein richtiger Ansatz für den nachhaltigen Umgang mit Flächen“, sagt auch CDU-Bauausschuss-Sprecherin Dr. Birgit Lutzer. Aber: „Wünschenswert wäre die vorherige Einbeziehung des Bauausschusses gewesen, gerade in Hinblick auf die ökologische Bebauung, die wir parteiübergreifend für das Gewerbegebiet Detert planen. Auch mit den Hagedorn-Verantwortlichen sollte über dieses wichtige Thema gesprochen werden, und zwar, bevor ihr Vorhaben in Stein gemeißelt ist.“

„Wir waren überrascht, jetzt aus der Presse von der Planung zu erfahren. Denn die CDU hat zweimal nachgefragt, wie die Pläne aussehen und darum gebeten, dass Hagedorn in den Ausschuss kommt. Und wir sind zweimal vor die Wand gelaufen“, so Frentrup. Die Einbindung des Bauausschusses finden beide unerlässlich: Rein rechtlich möge das Verfahren in Ordnung sein. Aber gerade in einer sensiblen Phase, in der ökologische Standards für die Gewerbeflächen Detert und der Regionalplan mit dem übergreifenden Ziel der Raumordnung beraten werden, hätte man die Chance nutzen müssen, dass Hagedorn seine Planung offen lege: „Als Politiker sind wir auch Sprachrohr nach außen und hätten die Planung den Bürgern vermitteln können, wenn wir sie selbst gekannt hätten“, so Frentrup.

 

 

FDP-Fraktionsvorsitzende Silke Wehmeier sieht zwar noch Gesprächsbedarf in der Fraktion, begrüßt die Planung aber vom Grundsatz her: „Wir machen das, was überall gefordert wird, nicht zuletzt durch den Landesentwicklungsplan: Es werden Brachflächen reaktiviert.“ Auch die bisherigen Gebäude seien zehn bis 15 Meter hoch gewesen, und die geplanten langen Gebäude, die innen unterteilbar seien, seien deutlich ressourcenschonender als Einzelgebäude.

Letztlich fehle genau das in Steinhagen: die Vermietung kleinerer Einheiten. „Eine Marktlücke, die in der Konsequenz bedeutet, dass Firmen wegziehen“, so Wehmeier.

 

Die Grünen sind mit der Planung nicht einverstanden. Sie haben vor allem ein Problem damit, „dass wir als Kommune keinen Einfluss auf die Planung haben“, sagt Fraktionssprecher Detlef Gohr und bemängelt das Verfahren als „sehr intransparent“. Er sagt: „Es ist bedauerlich, dass wir keinen Bebauungsplan haben. Das hat die Verwaltung geschickt umgangen.“ Es habe immer geheißen, dass ein Bebauungsplan nicht nötig sei. „Da sind wir von der Verwaltung nicht gut beraten worden. Wir sind im Corona-Wahlkampf-Tiefschlaf erwischt worden und müssen uns auch selbstkritisch sagen, dass wir mehr hätten nachfragen müssen.“

Die Grünen hätten indes in jeder Bauausschusssitzung nach dem Stand der Planungen gefragt: „Wir möchten, dass die Verwaltung noch einmal genauer berichtet.“ Zumal für Detlef Gohr auch die Sorge der Anwohner vor einem Logistiker auf der Fläche im Raum steht: „Dann wären wir wieder da, wo wir schon einmal waren“, sagt er mit Blick auf den Streit um Wahl&Co. Sicherlich heiße es, dass die genehmigten Betriebszeiten und Fahrzeugbewegungen das unwahrscheinlich machten: „Aber ganz beruhigt bin ich noch nicht.“

Inhaltlich haben die Grünen vor allem Probleme damit, das vermehrte Verkehrsaufkommen sowie den hohen Versiegelungsgrad von 80 Prozent der Fläche zu akzeptieren. „Wir haben ökologische Standards in Steinhagen. Wie werden die umgesetzt?“ Gohr überlegt, noch einmal prüfen zu lassen, ob nicht ein aufschiebender Bebauungsplan möglich sei. In jedem Fall wollen die Grünen dran und in Kontakt mit den Anwohnern bleiben: „Vielleicht organisieren sie sich ja.“

 

Fraktionschef Carsten Heidemann und SPD-Bauausschusssprecherin Hildegard Fuest haben die Entwürfe ebenfalls im WESTFALEN-BLATT-Bericht zum ersten Mal gesehen: „Wir haben zwar durch das Bauamt erfahren, dass dort Hallen mit Einheiten für kleine, nicht-störende Betriebe gebaut werden sollen, aber nichts Konkretes gewusst“, so Fuest. Beide finden die Planung dort wichtig: „Es fehlt in Steinhagen an Gewerbeflächen.“ Und wo wolle man Gewerbe ansiedeln, wenn nicht auf bestehenden Flächen, so Heidemann.

Das Verfahren ist nach Meinung der SPD völlig korrekt abgelaufen und beim Kreis gut abgewogen worden: „Die Kollegen haben sehr genau geprüft und alle relevanten Punkte abgearbeitet“, sagt Hildegard Fuest mit Hinweis auf zwei Gutachten zum Schallschutz und zum Verkehr und zu deren bindender Aussagekraft.

Zudem gibt sie zu bedenken: „Wir sind in einer relativ frühen Phase der Planung. Es ist bisher nur ein Vorbescheid erteilt worden, das ist keine Baugenehmigung. Und es ist Spekulation, ob am Ende die Hallen wirklich so gebaut werden oder Mieter auch Freiflächen brauchen.“ Jede einzelne Nutzung müsse später genehmigt werden. Dann sei auch die Gemeinde involviert. Indes verstehe sie auch die Sorgen der Anwohner etwa vor dem Verkehrsaufkommen: „Aber das ist geregelt.“

 

Die Fraktionsgemeinschaft UWG/Die Partei findet es, wie Kai Funke sagt, nicht schlecht, dass Kleingewerbe an die Waldbadstraße auf eine ohnehin schon versiegelte Fläche kommt. „Wir haben in Steinhagen 30 Betriebe, die sich erweitern wollen, viele wollen nur einen oder zwei Hektar“, sagt er. Wichtig wäre, dass beim Bau der Gebäude ökologischen Standards wie Photovoltaik umgesetzt würden.

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