Entwürfe für den Gewerbepark in Steinhagen sind vom Kreis genehmigt
Pläne sehen große und lange Hallen vor

Steinhagen -

Der Abbruch schreitet voran, mehr oder weniger nur noch die Gebäudehülle einer Halle und das Verwaltungsgebäude sind von Gronemeyer&Banck übrig geblieben. Bis Ende April will das Gütersloher Unternehmen Hagedorn den Abbruch vollzogen haben. Derweil sind auch die Planungen für den Gewerbepark bekannt geworden, der auf dem 50.579 Quadratmeter großen Areal an der Bielefelder Straße/Waldbadstraße entstehen soll.

Mittwoch, 03.03.2021, 10:30 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 10:32 Uhr

 

 

 

Die Pläne sehen vor, dass drei große Hallen gebaut werden sollen. Halle 1, die direkt an der Waldbadstraße liegen soll, hat eine Grundfläche von 9.573 Quadratmeter, Halle 2 direkt daneben, getrennt durch eine Zuwegung und einen Wendehammer, ist mit einer Fläche von 10.160 Quadratmetern geplant.

Beide Hallen sind zwar in kleinere Einheiten von jeweils 24 Metern Breite aufgeteilt, ergeben aber für die Optik von der Waldbadstraße her einen durchgehenden Baukörper von knapp 200 Metern Länge. Halle 1 ist etwa zehn Meter hoch und liegt etwa 15 Meter von der Straße entfernt. Eine Baumreihe ist als späterer Sichtschutz vorgesehen. Eine dritte Halle mit 2.734 Quadratmetern Fläche soll im rückwärtigen Teil des Geländes entstehen. Insgesamt sind Hallengrundflächen von 22.467 Quadratmetern vorgesehen sowie 2.970 Quadratmeter in der Mezzanin-Ebene. Dazu kommen die Fahrbahnen und 174 Stellplätze.

 

Die Vorgaben

Der Vorbescheid des Kreises Gütersloh als Baugenehmigungsbehörde auf die Bauvoranfrage der Firma ist inzwischen positiv beschieden worden. Zwei Gutachten waren gefordert: ein Schallschutzgutachten und ein Verkehrsgutachten. Immissionsrichtwerte für die umliegende Bebauung, vielfach Wohnhäuser an der Waldbadstraße sowie an der Einmündung zur Osterfeldstraße, sind darin genau definiert. Darauf sind auch die Baukörper des Gewerbeparks auszurichten, so lautet die Festlegung des Kreises. An der Ein- und Ausfahrt muss zudem eine 22 Meter lange und 1,99 Meter hohe Lärmschutzwand errichtet werden.

Die Betriebszeiten für das Gelände sind von 6 bis 22 Uhr festgelegt, nachts darf es ausdrücklich nicht angefahren werden. Es gibt auch eine Maximal-Festlegung für den Verkehr: So dürfen in den 16 Stunden Betriebszeit jeden Tag insgesamt 72 Lkw das Gelände anfahren, beladen werden und wieder abfahren sowie 112 Kleintransporter. Lkw mit Kühlanhängern und Kühl-Aggregaten dürfen gar nicht auf das Betriebsgelände.

Das sind maximal 184 Fahrzeuge und 368 Fahrzeugbewegungen. Zum Vergleich: Bei der Diskussion 2016 um die Ansiedlung von Wahl&Co. – mithin eine Spedition – auf den Flächen Detert war immer von 250 Fahrzeugen und somit 500 Fahrzeugbewegungen die Rede.

 

 

Die Anlieger in der Nachbarschaft sind inzwischen angeschrieben und über die Planungen informiert worden. Dem Vernehmen nach sehen sie das Vorhaben kritisch.

Die Gemeinde Steinhagen ist außen vor im Genehmigungsverfahren. Es gibt für das Gelände nicht einmal einen Bebauungsplan. „Als sich Gronemeyer&Banck 1972 hier ansiedelte, geschah das ohne Bebauungsplan“, sagt der Steinhagener Bauamtsleiter Stephan Walter. Auch jetzt ist keiner aufgestellt worden. Die Entwicklung des Areals erfolgt über Paragraph 34 des Baugesetzbuches als ungeplanter Innenbereich ohne Bebauungsplanverfahren.

Zwar hat die Gemeinde die Planungshoheit. Und auch die Entscheidung, ob eine Planungserfordernis vorliegt, muss im Rathaus getroffen werden. „Diese Planungserfordernis wurde hier nicht gesehen. Denn das Gelände war bisher gewerblich genutzt, der Regionalplan und der Flächennutzungsplan sehen auch weiterhin ist eine gewerbliche Nutzung vor“, sagte Stephan Walter dem WESTFALEN-BLATT. Die Entscheidung, kein Bebauungsplanverfahren einzuleiten, sei verwaltungsseitig getroffen worden, so Walter. Bauausschuss und Gemeinderat waren nicht eingebunden. Die Pläne sollen aber zu gegebener Zeit laut Stephan Walter im Bauausschuss vorgestellt werden. Der positive Vorbescheid des Kreises hat Gültigkeit und die Firma nun Anrecht auf ihre Planung. Anlieger könnten sich noch ins Verfahren einbringen, auch mit Klagen, so Walter.

 

 

Die ersten Vorgespräche haben nach Auskunft von Bernhard Bußwinkel, Leiter der Bauabteilung beim Kreis, Ende 2019 stattgefunden. Die Bauvoranfrage wurde im Oktober 2020 gestellt. Schon während der ersten Vorgespräche sei die Beibehaltung einer gewerblichen Prägung des Geländes unstrittig gewesen. Mit gewissen Vorgaben, wie Bußwinkel betont, was die Höhen der Hallen, die Abstände zur Straße und die Nutzung selbst betrifft. Die Baugenehmigungsbehörde habe geprüft, ob sich die Pläne in das Bisherige einfügen und ob sie zumutbar seien. „Die Waldbadstraße ist eine Trennlinie. Südlich Gewerbe, nördlich Wohnen. Da ging es um das Abwägen von Belastungen“, so Bußwinkel, der aber auch deutlich macht: „Wir hätten keine Wohnbebauung auf das Gelände setzen können, weil sich zu beiden Seiten und nach hinten Gewerbeflächen befinden.“

Zu Schallimmissionen und zur Verkehrsbelastung hat es gesonderte Gutachten gegeben. „Die Werte sind bindend“, so Bußwinkel. Das Thema Lärm des Gewerbeparks beschränke sich auf den Verkehr. „Das wesentliche ist die Summe der Lkw, der sensibelste Punkt die gebündelte Ausfahrt“, so Bußwinkel. Laut Bußwinkel sind die Belastungen nicht problematisch: „Wir reden nicht über eine Spedition, sondern über einen Gewerbehof“, sagte er.

Den Anliegern, die am meisten betroffen sind, hat der Kreis die Genehmigung zugestellt und weitere Informationen auch mit Rechtsmittelbelehrung an die Hand gegeben. Die Frist für Klagen beläuft sich auf vier Wochen. „Wir stehen beim Kreis den Anwohnern für alle Fragen zur Verfügung“, sagte er.

Weil es keinen Bebauungsplan für das Areal gibt sagt Bernhard Bußwinkel: „Unsere Messlatte bei der Entscheidung war das Einfügen der Planung. Wenn man stärker gestalten will, dann muss man einen Bebauungsplan machen.“ Mit einem Bebauungsplan könne die Gemeinde strukturierende Vorgaben machen.

 

 

Die Unternehmensgruppe Hagedorn hat am Dienstag ein kurzes Statement abgegeben: „Auf der Fläche soll ein Businessparkkonzept für gewerbliche Nutzer verwirklicht werden. Die jeweiligen Einheiten für regionale Betriebe sind jeweils etwa 1300 Quadratmeter groß und können beliebig erweitert werden. Wichtig ist auch zu betonen, dass die angedachte Bebauung so geplant ist, dass die Geräuschentwicklung bestmöglich eingedämmt wird, um auf die anliegende Wohnbebauung besondere Rücksicht zu nehmen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7847315?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516077%2F
Weitere Schulen in NRW schließen
Viele Klassenzimmer in NRW bleiben leer.
Nachrichten-Ticker