Wintersport im Naturschutzgebiet in Amshausen umstritten
„Jakobsberg ist kein Freizeitpark“

Steinhagen-Amshausen -

Das Wetter verlockt zum Rodeln. Die Massen an Schnee, die sonnenbeschienene Winterlandschaft: Was könnte es Schöneres geben als die Hänge im Teuto? Aber Vorsicht: Einfach auf den Schlitten setzen und den nächstbesten Hang hinuntersausen, das geht zumindest im Naturschutzgebiet wie am Jakobsberg in Amshausen eigentlich nicht. Denn dort ist es verboten, die gekennzeichneten Wege zu verlassen, somit ist Rodeln tabu. In der Umweltbehörde des Kreises sieht man das hingegen gelassener.

Dienstag, 09.02.2021, 18:59 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 19:02 Uhr

 

Doch Jäger, Förster und Landwirte haben nach Auskunft eines Jagdschutzbeauftragten bereits in den vergangenen Wochen, als immer mal wieder etwas Schnee auf der Grasnarbe lag, am Amshausener Leberblümchenberg ein Verhalten beobachtet, das sie als rücksichtslos gegenüber der sensiblen, der schützenswerten Natur ansehen – mehr noch: als illegal. Darunter versteht der Jäger nicht nur mit Blick auf das Landesnaturschutzgesetz das Verlassen der Wege, sondern er berichtet auch, dass sich Besucher durch Heruntertreten oder Zerschneiden von Zäunen und Herausreißen von Pflöcken zur Zaunbefestigung Zutritt zu Flächen verschafft hätten: „Ich frage mich, ob manche schon eine Zange mitgebracht hatten.“

Ein Problem ist aus seiner Sicht, dass gerade das Rodeln auf der in den vergangenen Wochen minimalsten Schneedecke deutliche Schäden am Untergrund verursacht hat. An der Kaistraße etwa seien auf Wiesen die Grasnarbe und die Wintersaat zerstört worden, was auch finanzielle Schäden für den betreffenden Landwirt bedeute. Der Jäger weist darauf hin, dass die Flächen im Naturschutzgebiet auch sonst strengen Reglementierungen unterliegen: „In den Sommermonaten werden auf den umzäunten Wiesen Rinder gehalten. Aber auch nur in einer bestimmten Zahl, die für die Natur verträglich ist.“

„Überall stehen Tafeln, die auf den sensiblen Bereich des Naturschutzgebiets hinweisen. Aber ich habe das Gefühl, dass Werte verflogen sind und alle nur noch Spaß haben wollen“, so der Jagdpächter. Dass es die Menschen, gerade in Corona-Zeiten mit wenig Freizeitangebot, in die Natur zieht, findet er verständlich: „Es ist gut, dass sich die Menschen bewegen. Aber sie sollten sich so verhalten wie man sich verhält, wenn man irgendwo zu Besuch ist. Und sie sind hier zu Besuch.“ Es sei eben ein Unterschied, ob auf Flächen im Naturschutzgebiet oder auf Hängen, die nicht dem strengen Schutz unterlägen, gerodelt werde.

Auch der hohe Schnee ändert seiner Ansicht nach daran nichts: „Ein Naturschutzgebiet ist kein Freizeitpark, in dem Wintersport betrieben werden darf.“ Zudem: „Aufgrund der nun extremen winterlichen Verhältnisse sollten die ausgewiesenen Wege keinesfalls verlassen werden, um wildlebende Tiere nicht unnötig zu beunruhigen, denn durch jede Störung verbrauchen die Tiere wertvolle Energie, die ihnen eigentlich in dieser Jahreszeit als Reserve dient und vor Schwächung schützen soll.“

Der Kreis Gütersloh kommt zu einer anderen Einschätzung der Lage. „Wir nehmen das hin“, sagt Kreissprecher Jan Focken. Seit 30 Jahren werde am Jakobsberg gerodelt: „Das ist historisch gewachsen. Es ist nicht verhältnismäßig, das zu unterbinden“, so Wilhelm Gröver, Leiter der Abteilung Umwelt beim Kreis. Schaden für das Leberblümchen, das am Waldessaum wächst, befürchtet er nicht. Der Kreis nimmt das Rodeln hin: „Wo ist auch die Alternative?“, heißt es.

Dass Kontrollen nicht durchführbar sind, weiß auch der Jäger: „Ich spreche mit den Leuten, mache auf das Verhalten in diesem sensiblen Bereich aufmerksam, verweise auf die Hinweistafeln und appelliere an das Verantwortungsbewusstsein.“

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