Katja Oehler-Reipschläger hat sich 366 Tage lang die Temperatur notiert – für ihr besonderes Häkelprojekt
Hier wird einem heiß und kalt

Steinhagen -

Heißer Sommer, milde Winter? Wer sich noch einmal mit den Temperaturen des vergangenen Jahres auseinandersetzen will, kann bei Wetterdiensten im Internet recherchieren. Katja Oehler-Reipschläger kuschelt sich lieber in ihre neue Decke ein, da hat sie die gleichen Informationen – schließlich hat sie in ungezählten Handarbeitsstunden eine „Temperaturdecke“ gehäkelt.

Sonntag, 07.02.2021, 20:09 Uhr
Sie stecken unter einer Decke: Katja und Hans-Heinrich Reipschläger können es sich gerade in diesen winterlichen Wochen unter der Temperaturdecke gemütlich machen. Foto: Volker Hagemann

 

Eine was? Richtig gelesen, denn dafür wird nicht einfach nach Lust und Laune gehäkelt; vielmehr hat sich die Steinhagenerin die Mühe gemacht, an jedem der 366 Tage des Schaltjahres 2020 die durchschnittliche Steinhagener Tagestemperatur zu notieren. Ein bestimmter Temperaturbereich wird jeweils durch eine Farbe dargestellt. „Für jeden Tag wird eine Reihe gestrickt“, erklärt Katja Oehler-Reipschläger – macht 260 Luftmaschen, 366 Reihen und damit insgesamt exakt 80.520 Maschen.

Für so viel Disziplin muss man schon ein Handarbeitsnarr sein: „Ich häkle und stricke schon seit meiner Kindheit liebend gerne“, schwärmt die 72-Jährige, die früher in der Frühgeborenenstation des Kinderkrankenhauses in Bethel gearbeitet hat. Oft holt sie sich in der Steinhagener „Wollstube“ Nachschub für ihr Hobby: „Für die Temperaturdecke habe ich 30 bunte Wollknäuel à 50 Gramm verbraucht. Schurwolle und Merino, ich musste oft neue Wolle kaufen.“ Egal, ob zu Hause, im Eiscafé, bei einer ihrer drei Töchter in Wolfsburg oder im Urlaub – „ich habe mir jeden Tag die 13-Uhr-Temperatur notiert“, beteuert sie.

Als „Gimmicks“ nähte sie in die Decke Jahreszahl und Thermometer ein – und obendrein ein kleines Coronavirussymbol: „als Erinnerung an viel Krankheitsleid in 2020“. Und wie war das Jahr temperaturmäßig in Steinhagen? „Mit milden Wintern und einem warmen, aber nicht übermäßig heißen Sommer. Nur kurzzeitig habe ich kräftiges Rot gebraucht, als hier im August vorübergehend knapp über 30 Grad herrschten“, berichtet die Steinhagenerin. Langweilig sei ihr Projekt nie geworden: „Ich habe es bis zum Schluss genossen!“ Sogar so sehr, dass sie obendrein parallel dazu ihren Töchtern Schals nach gleichem Prozedere häkelte: „Nach den im Internet recherchierten Temperaturen ihrer Geburtsjahre 1975, 1978 und 1980“, erklärt Oehler-Reipschläger. „Diese Jahre waren vielfältiger: Der Sommer 1975 war sehr heiß, und vor allem der Winter 1978 recht kalt, auch mit Tagesdurchschnitten unter null Grad – deswegen gibt‘s auch etwas graue Wolle.“

Und weil ihr längst nicht langweilig geworden ist, häkelt die Steinhagenerin fleißig weiter: In Arbeit ist gerade eine Temperaturdecke für den 2003 geborenen Enkel, die jüngeren Enkelkinder bekamen nach gleichem Muster Perlenvorhänge.

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