Das „Süßeichel-Experiment“ der Amshausener Gruppierung „Umwelt trifft Technik“ ist gut angelaufen
In 30 Blumentöpfen keimen Bäume

Steinhagen-Amshausen -

Die Resonanz hat die Initiatorinnen der Amshausener Gruppierung „Umwelt trifft Technik“ überrascht und gefreut: „Auf unser ‚Experiment Süßeichel‘ haben sich 30 Menschen aus dem ganzen Altkreis gemeldet. Sie wollen je drei Bur-Eicheln zu Hause in einen Topf pflanzen und später auf dem eigenen Hof oder im Garten aussetzen“, zieht Dr. Birgit Lutzer, Koordinatorin der Aktionsgruppe und des gleichnamigen Online-Magazins, eine erste Bilanz.

Freitag, 05.02.2021, 19:14 Uhr
Eine der 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das „Bur-Eichen-Projekt“ unterstützt, ist Helga Retzlaff. Foto: WB

 

Wie berichtet hat die Amshausener Biologin Cora Brandt die essbaren, süßlich schmeckenden Eicheln in Spanien bei einem Projekt in der Halbwüste von Tabernas entdeckt, will aus ihnen Bäume ziehen und im optimalen Fall in Amshausen anpflanzen.

Und das will auch Ernst Niedermeyer. Der Amshausener Waldbauer ist interessiert vor allem an klimaresistenten Bäumen. „Wir sehen, dass die Vegetation mit jedem Grad Klimaerwärmung 750 Kilometer nach Norden wandert“, sagt er. Er glaube nicht an den Optimismus, dass die heimischen Wälder auch mit heimischen Bäumen zu retten sein werden. „Mein Vater hat als Förster schon mit Bäumen experimentiert.“ Mit Douglasien etwa. Die ältesten in Niedermeyers Bestand sind 70 Jahre alt. Und so sagt er nun: „Wir müssen einfach 1000 Kilometer nach Süden schauen auf das, was dort wächst.“

Ist das die Zukunft des deutschen Waldes?

Ist das auch die Zukunft des deutschen Waldes? Den Bur-Eichen traut er einiges zu, würde aber auch andere Bäume auf seine Flächen pflanzen. Für Cora Brandt ist das in Amshausen ein Pilotprojekt: „Ich habe noch von keiner Bur-Eichen-Anpflanzung in Deutschland gehört.“

Auch für Helga Retzlaff ist die Pflanze aus dem Süden faszinierend. Als Eigentümerin eines landwirtschaftlichen Betriebes, zu dem auch Wald gehört, hat sie miterleben müssen, wie Fichtenbestände dem Borkenkäfer zum Opfer fielen. „Wir suchen nach Gehölzen, die sich erfolgversprechender anbauen lassen als die Bäume, die unsere Vorfahren vor 80 bis 90 Jahren angepflanzt haben“, sagt sie. Von der Bur-Eiche erhofft sie sich Potenzial wegen ihrer Pfahlwurzel. Sie weiß auch: „Der Wald hilft sich schon selbst.“

Solawi-Mitglieder sind sehr interessiert

Helga Retzlaff ist zudem Mitbegründerin der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) „Crowd & Rüben“: „Wir sind 20 Mitglieder, und einige sind sehr interessiert an dem Projekt“, sagt sie. Ein Grund: „Wir können dabei nicht nur Ackerfrüchte bieten, sondern Bäume.“ Aber auch die können zur Versorgung von Menschen beitragen, wie Cora Brandt weiß: Süßeicheln kann man essen.

Drei Eicheln hat jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhalten. Die sollen nun zunächst im Blumentopf keimen, befüllt mit Maulwurfserde und moderigem Eichenlaub – wegen der Nährstoffe. Erst in einem Jahr erfolgt die Anpflanzung im eigenen Garten oder auf Ernst Niedermeyers Flurstück.

Drei Eicheln sollen auch bei Julia Karnath Wurzeln schlagen: „Ich hatte mich auf den Aufruf hin gemeldet, weil ich einen Beitrag leisten will, um die Umwelt zu unterstützen. An der Süßeichel-Aktion gefällt mir, dass ich hier vor Ort in Steinhagen etwas tun kann“, sagt sie. Sie sei gut in den Schulen und Kitas am Ort vernetzt und könnte sich vorstellen, die Schulen, wenn es denn nach Corona wieder möglich ist, mit ins Boot zu holen bei dem Projekt. Schließlich seien Bäume attraktiv: „Als Schattenspender, Windschutz und Heim für Tiere.“ Helga Retzlaff bringt auch die Grundschule Brockhagen ins Spiel, wo sie selbst Lehrerin ist.

Umweltverbände wollen lieber heimische Gehölze

Letztlich ist die Bur-Eiche aber hierzulande ein Exot – wie auch die bereits erwähnte Douglasie. Deshalb wird sie auch kritisch gesehen. „Umweltverbände legen Wert auf heimische Gehölze“, weiß Ernst Niedermeyer. Und auch der Landesbetrieb Wald und Holz fördert nur die Neuanpflanzung von heimischen Bäumen auf Flächen, die abgeholzt werden mussten. „Es ist ein Konflikt“, sagt Ernst Niedermeyer, betont aber: „In meinen Wald pflanze ich, was ich für richtig halte.“

Cora Brandt sagt: „Wir brauchen Bäume, um das Klima abzukühlen. Das können die heimischen nicht leisten.“ Der Naturschutz sei eine wichtige Sache: „Aber jetzt sind wir in der Situation, dass sich das Klima in atemberaubendem Tempo wandelt, und die Bäume brauchen viele Jahre, bis sie herangewachsen sind. Die Zeit haben wir nicht.“

Das „Bur-Eichen-Projekt“ hat zwar die maximale Teilnehmerzahl erreicht. Aber wer sich für die Initiative interessiert und sich einbringen möchte, kann mit Birgit Lutzer unter 05204/921296 oder per E-Mail an redaktion@umwelt-trifft-technik.info Kontakt aufnehmen.

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