Der Steinhagener Detlef Temme wählt beim CDU-Bundesparteitag den neuen Vorsitzenden mit – seine Erwartungen
„Er muss gesamte CDU vereinigen können“

Steinhagen -

Einen Namen will sich Detlef Temme zwar nicht entlocken lassen – schließlich sei sein Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen: CDU-Bundesparteitage seien stets spannend bis zuletzt. Am Freitag und Samstag, 15. und 16. Januar, ist der 57-jährige Steinhagener, Mitglied des Kreistages Gütersloh und seit 2010 Schatzmeister der Kreis-CDU, als einer von 1001 Delegierten beim 33. und erstmals virtuellen Bundesparteitag der CDU dabei.

Freitag, 08.01.2021, 18:31 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 18:34 Uhr
Ist einer von 1001 Delegierten beim virtuellen CDU-Bundesparteitag am 15. und 16. Januar: der Steinhagener Detlef Temme. Foto: Birgit Lutzer

Wenn auch (noch) keinen Favoriten, so hat er doch eine klare Erwartung an die Qualitäten des neuen CDU-Chefs, wie er im Interview mit WB-Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold erläutert.

 

Ist es das erste Mal, dass Sie als Delegierter an einem Bundesparteitag teilnehmen dürfen?

Detlef Temme: Nein, ich mache das schon seit 2010.

Ist es diesmal ein besonderer Parteitag? Vermutlich schon, weil er online ist...

Temme: Jeder Bundesparteitag hatte seine Besonderheiten. Schon vor zwei Jahren, als wir Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Vorsitzende nach Angela Merkel gewählt haben, war das etwas Besonderes. Diesmal gibt es zwei Besonderheiten: Es ist ein digitaler Parteitag und es wird neben dem Gesamtvorstand ein neuer Vorsitzender gewählt. Das ist immer spannend und hochinteressant.

Die Wahl erfolgt ja auch unter besonderen Voraussetzungen. Der Weg bis hierhin war ja schon nicht ganz einfach. Und das hatte nicht nur mit Corona, sondern auch mit anderen Dingen, teilweise Verwerfungen in der Partei, zu tun. Ist deshalb eine besondere Spannung dabei, auch mehr Druck auf den Delegierten?

Temme: Druck auf den Delegierten will ich nicht sagen, eher auf der Parteispitze. Eigentlich sollte schon auf einem Sonderparteitag im April 2020 gewählt werden, doch Corona kam dazwischen. Dann sollte die Wahl auf dem regulären Parteitag im Dezember in Stuttgart stattfinden. Man hatte gehofft, dann einen Präsenzparteitag durchführen zu können. Und wird es letztlich im Januar umgesetzt, weil die Parteimitglieder auch wissen wollen, woran sie sind. Wir haben ja seit fast einem Jahr eine kommissarische Vorsitzende.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Veranstaltung? Haben Sie beispielsweise schon eine eindeutige Meinung zu einem der Kandidaten?

Temme: Nein, ich werde das Ergebnis einer Befragung unter den CDU-Mitgliedern in meine Entscheidung einfließen lassen. Der Parteitag findet an zwei Tagen statt. Ich werde zusätzlich die Stimmungen und Meinungen sowie die Vorträge der Kandidaten aufnehmen und dann entscheiden.

Welcher der Kandidaten ist denn Ihr Favorit?

Temme: Die Wahl ist geheim.

Aber Sie haben ja sicherlich eine Vorstellung, wie er sein sollte. Was erwarten Sie von einem neuen Vorsitzenden? Und soll er auch der Kanzlerkandidat werden?

Temme: Der neue Vorsitzende muss Visionen und Perspektiven entwickeln können. Und nicht nur für ein Jahr oder zwei Jahre, sondern für einen längeren Zeitraum. Und er muss sicherlich die gesamte CDU hinter sich vereinigen können. Das hat Frau Kramp-Karrenbauer versucht und es ein Stück weit geschafft. Aber der Prozess der Nach-Merkel-Ära muss jetzt auch weitergehen.

Visionen und Perspektiven ist natürlich erst mal sehr abstrakt. Was ist das für Sie konkret? Wo muss Deutschland hin?

Temme: Genau das will ich ja von dem zukünftigen Parteivorsitzenden wissen. Ich möchte die Vorstellungen der drei, so es denn bei dieser Zahl bleibt, hören. Und zum Thema Kanzlerkandidat: Wir wählen ganz klar einen Parteivorsitzenden. Die Kanzlerkandidatur ist noch offen. Und sicherlich wird dieser gewählte Parteivorsitzende ein möglicher Kanzlerkandidat. Doch auch unsere Schwesterpartei CSU hat ein Wort mitzusprechen.

Wie schwierig schätzen Sie es denn ein, in die großen Fußstapfen der Angela Merkel zu treten? Sie ist ja nicht nur schon lange Kanzlerin, sondern war auch eine Bundesvorsitzende mit großer Kontinuität, bevor vor erst zwei Jahren Annegret Kramp-Karrenbauer als letztlich kurze Episode folgte.

Temme: Das ist schon eine Zäsur, ein großer Wandel. Gleichzeitig hat das Amt Potenzial. Der Amtsinhaber kann sich entwickeln. Und das ist gleichzeitig eine ganz große Chance.

Eine Frage zum Ablauf der Veranstaltung: Wie läuft das diesmal praktisch ab? Sitzen Sie gemütlich mit einem Kaffee zu Hause?

Temme: Genauso wird es sein. Vielleicht ein bisschen einsam und isoliert. Aber so ist es in Corona-Zeiten. Ich möchte noch einmal unterstreichen, dass wir am nächsten Samstag den Bundesvorsitzenden als am meisten herausragende Position wählen und gleichzeitig den gesamten Bundesvorstand. Diesem gehören 30 bis 40 Mitglieder an.

Wie läuft denn die Wahl überhaupt ab? Mit einem Tastenklick? Wie kommt ihre Stimme in der Messe in Berlin, wo ja nur das Präsidium der Bundespartei und die Kandidaten anwesend sind, überhaupt an?

Temme: Es gibt einen virtuellen Plenarsaal, wo man online abstimmen kann. Die Online-Abstimmung wird im Anschluss mit einer Briefwahl bestätigt. Deren Ergebnis liegt eine Woche später vor.

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