Die Schulen bleiben geschlossen – in Steinhagen ist man gut eingestellt auf digitalen Unterricht
„Wir kennen das Szenario eigentlich schon“

Steinhagen -

Lange haben die Schulleiterinnen und Schulleiter gewartet – am Donnerstagmittag kam sie dann endlich: die inzwischen nur noch „Schulmail“ genannte verbindliche Information des Ministeriums zu den neuen Regelungen für den Unterricht im Corona-Shutdown. „Wir hängen total in der Luft“, sagte der Steinhagener Realschulleiter Frank Kahrau noch am Vormittag. Indes hatte er sich insgeheim ebenso wie seine Amtskollegen schon darauf eingestellt: Schulen bis 31. Januar geschlossen, Notbetreuung für die Klassen 1 bis 6, Unterricht in Distanz, die Eltern aufgerufen, die Kinder zu Hause zu betreuen.

Donnerstag, 07.01.2021, 20:42 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 20:46 Uhr
Wie Millionen von Schülern in ganz Deutschland lernen die Steinhagener zumindest bis Ende Januar wieder im Homeschooling digital. Foto: dpa

 

Insofern sagte er: „Ich sehe die Realschule gut aufgestellt.“ Und auch sein Amtskollege Stefan Binder, Leiter des Steinhagener Gymnasiums, nahm das Warten gelassen: „Wir kennen das Szenario eigentlich schon.“ Einige Lockdowns liegen schließlich hinter den Schulen, und längst sind sie in Steinhagen technisch wie inhaltlich bestens auf Distanzunterricht eingerichtet. „Dank unseres Schulträgers. Die Gemeinde investiert viel Geld“, so Kahrau. Und: Steinhagen hat alle Schulen an die datenschutzkonforme Kommunikationsplattform iServ angeschlossen.

Steinhagen hat zudem einen Medienentwicklungsplan, der auch die Ausstattung der Schulen mit Tablets vorsieht. „Wir haben gerade noch acht iPad-Koffer bekommen. Die sind zwar eigentlich für den Präsenzunterricht gedacht, aber die Geräte können nun natürlich auch für den Distanzunterricht genutzt werden“, sagte Schulamtsleiterin Gabi Schneegaß.

Und so ist Stefan Binder gewiss: „Ich gehe davon aus, dass der Distanzunterricht überall klappt.“ In der Oberstufe sei er ohnehin unproblematisch, weil alle ab Klasse 10 ihre eigenen iPads hätten. Zudem sind über das Sofortprogramm des Landes weitere Geräte angeschafft worden, die an Schüler ausgegeben werden. „Wir stehen in Kontakt mit den Familien. Bei Schwierigkeiten können sich die Eltern melden“, so Binder. Schwachpunkt aus seiner Sicht: „Worauf wir keinen Einfluss haben, ist die Anschlussstärke der Leitungen zu Hause.“

Doch die ist auch nicht in jeder Schule gut. In Amshausen etwa machen die Lehrerinnen besser von Zuhause aus ihren digitalen Unterricht: „Denn wir haben in der Schule noch ein großes Problem mit den Datenleitungen“, sagt Grundschulleiterin Annette Hellmann. Ansonsten hat sie ebenfalls schon vor der „Schulmail“ des Ministeriums ihren Distanzunterricht durchgeplant und jedem Mitglied ihres Kollegiums bestimmte Kinder zur Betreuung zugeordnet. Die Lehrer haben Dienst-Tablets, die Kinder nutzen die heimische Hardware oder haben Tablets ausgeliehen bekommen. Etwa zehn Familien nehmen dieses Angebot wahr. Zum Lernen sagt sie mit Blick auf den in Amshausen ohnehin sehr stark individualisierten Unterricht: „Unsere Kinder sind es gewohnt, in Plänen zu arbeiten, so dass sie online oder telefonisch von den Lehrern begleitet werden können“, so Annette Hellmann zum Selbstlernen. Indes: „Erst- und Zweitklässler brauchen eigentlich ein menschliches Gegenüber zum Lernen.“

Und dann ist da auch noch die Notbetreuung: Zwölf Kinder waren schon über die Ferien angemeldet, 20 weitere kamen am Donnerstag hinzu. Das übernehmen die OGS-Kräfte, während die Lehrerinnen und Lehrer mit dem Distanzunterricht beschäftigt sind.

Notbetreuung heißt nicht Präsenzunterricht, sondern ist nur eine Betreuung mit Anleitung zum Lernen im Distanzunterricht von der Schule aus. In der Realschule waren vier Fünft- und Sechstklässler bis Donnerstagmittag angemeldet.

Auch die Realschule verleiht Tablets an Schüler, die zu Hause nicht ausreichend technisch ausgestattet sind. Was dafür an Programmen aufgespielt werden muss, das erledigt der Fachmann der Gemeinde. Die gute digitale Ausstattung der Schulen – „Bei uns ist das Alltag. Das ist aber nicht in jeder Stadt der Fall“, so Kahrau.

Und wie funktioniert der Distanzunterricht? „Nach dem regulären Stundenplan“, sagt Stefan Binder. Sprich: Lehrer und Schüler sind online – zur Begrüßung in einer Konferenzschaltung, dann gibt es Aufgabenstellungen, die die Schüler erledigen und zur Kontrolle wegschicken. Je nach Bedarf schließt sich am Ende eine weitere Konferenzschaltung an, bevor es mit dem nächsten Lehrer zur nächsten Stunde geht. Das Stundenplan-Prinzip zur Strukturierung ist in beiden weiterführenden Schulen das gleiche. „Manche Lehrer verweisen auch zusätzlich auf Videos auf Youtube. Es ist heute viel mehr möglich als im Frühjahr“, so Kahrau. Und jetzt werden die digitalen Aufgaben auch bewertet. Wichtig ist ihm aber auch im Online-Kontakt: „dass man mit dem Kindern auch privat spricht.“ Wenigstens ein bisschen soziale Nähe, die Schule doch sonst ausmacht.

So furchtbar viel Zeit und Lernstoff wie man vielleicht denken könnte, ist Kahraus Meinung nach in diesem Schuljahr nicht verloren gegangen – noch nicht. Aber das hänge natürlich auch an der weiteren Entwicklung. „Die Klassenarbeiten waren größtenteils geschrieben, und jetzt hätten wir noch nicht einmal mehr zwei Wochen bis zur Zeugniskonferenz“, rechnet er vor.

„Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und noch drei Monate durchhalten“, sagt er mit Blick auf höhere Temperaturen im Frühjahr und die Zahl der Impfungen. „Ich verstehe die Probleme der Eltern mit der derzeitigen Situation. Für manche hängt der Arbeitsplatz an der Betreuung der Kinder.“

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