Bielefelder Straße in Steinhagen: Verkehrszählung soll Daten liefern – neue Demos fürs Frühjahr geplant
„Wir müssen einfach weitermachen“

Steinhagen -

Bürgermeisterin Sarah Süß hat es im Interview mit dem WESTFALEN-BLATT (WB vom 29. Dezember) angekündigt: Die Gemeinde Steinhagen wird in diesem Jahr noch einmal Verhandlungen mit dem Landesbetrieb Straßen NRW zur Sanierung der Bielefelder Straße aufnehmen. Denn dort ist man in entscheidenden Punkten unterschiedlicher Meinung. Vor allem bei der Radverkehrsführung – plant doch Straßen NRW, diese auf so genannten Schutzstreifen in die Fahrbahn zu integrieren.

Dienstag, 05.01.2021, 19:40 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 19:42 Uhr
Fahrraddemo am 15. Oktober: ein Radfahrer im fließenden Verkehr, der Abstandshalter zeigt 1,50 Meter an - soviel ist Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

 

Seit 2017 kämpfen Politik und Verwaltung dagegen, hatten einen 14-Punkte-Plan erarbeitet – den Straßen NRW im August 2020 schließlich abschlägig beschied. „Wir fordern Radwege auf dem Hochbord. Das ist unser Kernwunsch“, sagte Steinhagens Bauamtsleiter Stephan Walter. Er will wie die Bürgermeisterin erneut in den Dialog mit dem Landesbetrieb: „Wenn 2022 gebaut wird, muss es eine Verwaltungsvereinbarung geben.“ Deshalb werden nun Argumente gesammelt.

Das wohl wichtigste: Der A33-Zubringer Bielefelder Straße ist viel zu stark befahren als dass Radverkehr integriert möglich wäre. Deshalb hat die Gemeinde Ende 2020 auf eigene Rechnung eine Verkehrszählung veranlasst, die derzeit ausgewertet wird. Klar scheint zu sein: Die Zahlen des Landesbetriebs und Prognosen im Zusammenhang mit der A33 sind zu niedrig. Von 10.000 Kfz pro Tag ging man aus. „12.500 haben aber unsere Berechnungen im Zuge der Forderung nach einem Kreisel am Hilterweg schon ergeben“, so Walter. Er verweist auf die Vorschriften: „Abhängig von der Belastung einer Straße und der zulässigen Geschwindigkeit gibt es Empfehlungen, ob es noch sinnvoll ist, Radverkehr auf der Straße zu führen.“

Dass das nicht sinnvoll ist, hat nach Ansicht der Fahrradinitiative um den Steinhagener Horst Remer die Praxis längst gezeigt: bei der Fahrraddemo, als sich 70 bis 80 Radler, unter ihnen viele Politiker und die gewählte Bürgermeisterin Sarah Süß in den fließenden Verkehr einreihten (WB vom 16. Oktober 2020). Remer will auch weiterhin nicht locker lassen. Für das Frühjahr – wenn die Coronazahlen hoffentlich gesunken sind – kündigt er weitere Demos an. „Wir müssen einfach weitermachen.“

Derweil hat er die Erfahrungen aus der ersten Demo zusammengestellt. Es waren unfreundliche Szenen, die sich auf der Woerdener und Bielefelder Straße am 15. Oktober 2020 abgespielt haben. „Eine Motorradfahrerin, die an der roten Ampel warten musste, rief einer Teilnehmerin zu: Ihr macht euch mit so einem Schwachsinn jeden Autofahrer zum Feind. Demnächst überholen euch die Autos mit 120 km/h und zehn Zentimeter Abstand. Andere Autofahrer kurbelten die Scheibe runter und schrien: Ihr seid bescheuert“, heißt es in Remers Bericht.

Ein Schwerlastwagenfahrer, der seinen Kranwagen mit ausschwenkendem Hänger auf dem Seitenstreifen der Woerdener Straße parkte, überschüttete einen Teilnehmer mit seinem Redeschwall: „Ihr seid die, die demnächst sterben, wenn ihr so weitermacht.“ Mehrfach sollen Fahrradfahrer erst überholt und dann ausgebremst worden sein. „Das sind genau die Situationen die passieren, wenn Straßen NRW seine billigste Lösung durchsetzen will und die Radfahrer unverantwortlich zwischen die Pkw und Lkw schickt“, so Remer.

„Das Schlimme an diesen Reaktionen ist, das diese Verkehrsteilnehmer nicht verstanden haben, dass unsere Demos nicht nur für die Radfahrer und Fußgänger Sicherheit und Rücksicht bringen sollen. Wenn es keine Schutzstreifen auf der Bielefelder Straße geben würde, wäre das auch für Autofahrer eine Entlastung“, so Remer. Gerade im Bereich zwischen Waldbadstraße und der Peter-Kreuzung würde die Fahrbahn durch Schutzstreifen so schmal, dass Überholen bei Gegenverkehr gar nicht möglich sei.

Horst Remer hat sich die Pöbeleien gegen seine Mitstreiter schildern lassen und die Diskussion im Netz gesammelt. Er will diese Erfahrungen demnächst an den Straßen NRW übergeben. Mit dabei sein soll Daniel Neuhaus, Gütersloher Kreisvorsitzender vom ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Er hat in den Sozialen Netzwerken Fragen beantwortet – etwa die, ob Radfahrer, wenn sich hinter ihnen ein Stau bildet, rechts ranfahren müssen, um ein Überholen zu ermöglichen? Nein, das müssen sie ebensowenig wie Trecker, so Neuhaus. Es gab auch Lob. Ein Nutzer schrieb: „Ich bin ein Autofahrer durch und durch und auf viele Radfahrer nicht gut zu sprechen. Aber dies ist eine gute Demonstration gewesen, die mir in Zukunft diese Situation auf Dauer erspart. Denn ich hoffe, dass Straßen NRW die Umsetzung nochmal überlegt und stattdessen den Radweg erneuert.“

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